SanG Reform

Es gibt ein neues Positionspapier im Konsens aller bekannten Beteiligten.
Schauen wir mal was das Jahr 2024 so bringt.
Initiative Zukunft Rettungsdienst präsentiert Positionspapier “Sanitätergesetz 2024”

Ich finds gut, das hier ein dreistufiges Konzept vorgestellt wird.
Nur an der Nomenklatur sollte man noch feilen.
Ich persönlich kann RKS und RS-N nichts abgewinnen und würde die deutschen Bezeichnungen SH/RH(untere Stufe) und RS (mittlere Stufe) vorziehen.

Ziemlich nutzloses Papier meiner Meinung.
Das Interessante „Was wird gelehrt und was darf gemacht werden“ bleibt nämlich komplett unerwähnt. Was nützen 180ECTS wenn ich am Ende eh nichts andres darf als bisher…

Ich fände es schön wenn ein Kompetenzkatalog angehängt wäre. Ein Curriculum wäre auch hilfreich.
Auf der übergeordneten Ebene würde ich den Föderalismus im SanG abschaffen.
Und Ausbildung etc von den Organisationen auslagern und in staatliche Hand geben

1 „Gefällt mir“

Wie Sanostol schon gesagt hat fänd ich interessant, was das für Auswirkungen auf bisherige (berufliche) NFS hat. Bei der GuK Novelle wurde der BSc ja auch dem DGKP rechtlich gleichgestellt und die KollegInnen, die nicht auf der FH waren nicht „abgestuft“.

Der Entwurf ist ja ganz nett, aber wie so oft wird vollkommen auf das eigentliche Hauptproblem vergessen. Nämlich wie man dafür sorgt, dass hochqualifiziertes RD Personal dann auch österreichweit flächendeckend eingesetzt wird.

In weiten Teilen Österreichs wird der RD nach wie vor von ehrenamtlichen RS erledigt und selbst in Wien ist nicht jeder RTW immer mit NKV+ besetzt.
Ist schön wenn dann auf manchen RTW Dipl-NFS fahren, aber wenn das nur ein Bruchteil der Primärrettungsmittel in Österreich ist, ist das auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Wie findet man ausreichend geeignetes Personal dafür? Wie wird sichergestellt, dass Dipl NFS auch in ruhigeren Einsatzgebieten ausreichend Routine haben? Wie bringt man die Landesfürsten dazu die RD Budgets so hochzuschrauben, dass flächendeckende Dipl NFS überhaupt bezahlt werden können?

2 „Gefällt mir“

Möglicherweise wird durch eine gute Ausbildung und ein attraktives Gehalt mehr Personal gewonnen. Das Dilemma mit der Peripherie und der fehlenden Routine ist halt leider nicht aus der Welt zu schafften, dem könnte man mit wiederkehrenden Praktika in Spitälern begegnen.
Und die Besetzung von Autos könnte man ja vorschreiben- und zwar Bundesweit gleich. Da könnte man ja ein Gesetz erfinden in dem drinnen steht: Auf einem Notfallrettungsmittel das Notfallpatienten betreut sitzt ein XY und der hat Z Ausstattung dabei

Die Ausstattung und Mindestbesetzungen sind Ländersache. Um das zu ändern bräuchte es eine Zweidrittelmehrheit weil’s im Verfassungsrang steht. Und diese Zweidrittelmehrheit wird man nicht zusammenbekommen weil sich die Länder mit Händen und Füßen wehren, wenn ihnen Kompetenzen weggenommen werden.
Also nicht so einfach mit „Auf übergeordneter Ebene den Föderalismus abschaffen“

Und das ist auch der Grund warum solche Positionspapiere und Träumereien von Diplomierten NFS auf Bachelorniveau (ohne Matura/Berufsreifeprüfung lol) komplett wurscht sind. Weil wenn Bundesland XY sagt „Rettungsdienst ist bei uns zwei Zivis wovon einer einen 16h-EH-Kurs hat und der andere RKS ist“, dann ist das so. Dann kann man noch so viele diplomierte Hochschulsanis ausbilden, ist eigentlich ziemlich egal.

Es happert also nicht an der Ausbildung, es happert an dem Willen der Länder. Es macht halt null Sinn die Latte höher zu legen während die Länder dann nur mit mehr Platz nach oben drunter durchmarschieren. Oder anders gesagt, so lange wir jetzt noch nicht am Ende unserer Kompetenz angekommen sind weil die Länder NKI auf einem Rettungsmittel vorschreiben, brauchen wir uns auch um eine Ausbildungserweiterung keine Gedanken machen.

Schreib ich hier auch nicht zum ersten Mal, spannend das wir immer wieder die selben Diskussionen von vorn führen:)

5 „Gefällt mir“

Volle Zustimmung. Ein „wir fordern“ ist schnell ausgesprochen, aber man denkt die Konsequenzen einfach nie zu Ende. Von einer „Interessensvertretung“ erwarte ich einfach viel mehr Weitblick.

Es ist leider nur ein Positionspapier, das eine Position erklärt - nicht mehr und nicht weniger. Ist schön und gut, aber es gehören da halt noch andere Stakeholder mit ins Boot damit alle Aspekte ausgearbeitet werden können.

Ich fände es auch wünschenswert den Rettungsdienstlichen Föderalismus zu eliminieren und die Ausbildung auf akademisches Niveau zu heben aber das echte Leben ist halt etwas komplexer als zu sagen „wir wollen“ und einer sagt „OK“.

1 „Gefällt mir“

Das Xte Positionspapier…
Ich möchte wissen ob das mit den anderen Stakeholdern die im Reevaluierungsprozess der GÖG eingebunden sind, akkordiert ist. Das wäre nämlich relevant und der Folge die Übermittlung an das Gesundheitsministerium. Weil das wird wahrscheinlich im Herbst nicht mehr grün sein. Die Zeit drängt.

Ich finde es immer sehr lieb wie auf das Ausbildungsniveau unserer Nachbarländer verwiesen wird ohne halt auch dazu zu sagen, dass eben diese Länder einen extremen Mangel an Sanitätspersonal haben und sich schwertun, Rettungsmittel zu besetzen.

Deutschland:

Schweiz:

Wir bringen es nicht zusammen, dass wir auf jedem RTW einen NFS sitzen haben und reden davon, dass man einen diplomierten NFS einführen möchten. Die Prioritätensetzung ist hier einfach falsch. Mal davon abgesehen, dass sich die Arbeitsbedingungen dadurch nicht ändern. Es wird weiterhin Bagatellfahrten geben und die werden zukünftig sicherlich mehr als weniger. Da gurkt man auch als Dipl.-NFS hin, siehe unsere Nachbarländer.

Die Ausbildung gehört sicher adaptiert aber warum muss es unbedingt ein Bachelorstudium sein, welches eine Matura/Berufsreifeprüfung voraussetzt und den Kreis der möglichen Personen noch mehr einschränkt? Warum sollte jemand der Sanitäter werden möchte eine wissenschaftliche Arbeit schreiben müssen?

Von Herrn Redelsteiner hört man dann so lustige Sachen wie, dass man in dem Fall bei der Studienberechtigungsprüfung halt ein Auge zudrücken muss bei nicht so relevanten Fächern.

Wie wäre es, wenn Ihr eine Berufsausbildung konzipiert, die allen offensteht und auch dazu führt, dass eine motivierte Person diesen Beruf erlernen kann?

1 „Gefällt mir“

Du hast absolut recht, wenn es darum geht dann das ganze auch auf Straße zu bekommen. Bagatellfahrten werden bleiben, das Gehalt sollte dann halt angepasst werden (je nach Ausbildungsstand und Kompetenz).

Die Akademisierung wäre wünschenswert, aber muss natürlich beleuchtet werden ob so etwas sinn macht (im aktuellen SanG steht beim NFS auch drin „Mitarbeit in der Forschung“). Sinn mach ein Hochschulstudium dann, wenn die grundlegenden Kompetenzen ein solches auch erfodern, weil das Niveau dementsprechend hoch sein muss - ist ein gewisses Kompetenzausmaß nicht vorgesehen macht es keinen Sinn hier auf ein akademisches Level zu gehen. Wünschenswert wäre es natürlich da hier dann auch mehr wissenschaftlicher Aspekte einfließen können um auch kontinuierliche Verbesserung im System zu erreichen, die dann wissenschaftlich belegt werden kann und auch tatsächlich Forschung betrieben werden kann.

Damit einhergehend muss dann auch das Gehaltslevel angepasst werden dass es sich auch „auszahlt“ sich 3 Jahre auf einen Dipl. NFS ausbilden zu lassen und Kompetenzen zu erlernen und anzuwenden die eine RS nicht hat. Ist da das Gehalt gleich hoch oder ähnlich wird sich das auch nicht spielen…

Dann kommt noch dazu dass solche Maßnahmen selbst evaluiert werden müssen um die Effektivität zu messen bzw. eine gewisse Qualitätssteigerung und/oder Verbesserung zu erkennen - solche Effekte sind dann immer erst Jahre später zu erkennen müssen aber von vorn hinein definiert sein.

Dass solche Inhalte ein Positions-Paper sprengen würden ist klar, aber wie gesagt ist es halt „just-another-positionspapier“

Auf die Gefahr hin, das ich mich wiederhole: Und wieder kein Wort darüber, wie die Übergangszeit finanziert und organisiert werden soll. Dipl. NFS, die im KH Praktika machen, fehlen auf der Straße, werden aber trotzdem Gehalt beanspruchen und später sogar noch mehr kosten. Wie sich das (a) volkswirtschaftlich rechnen soll und (b) der Rettungsdienst in der Zwischenzeit besetzt sein wird, davon hört man nix. Aber die x-te Diskussion über Nomenklatur und mögliche Kompetenzen, das is offensichtlich wichtig.

Erinnert mich an: https://www.youtube.com/watch?v=qv1Clb_2F9o

BVRD, Redelsteiner und diversen Gewerkschaften sei ins Stammbuch geschrieben: Es wird allerhöchste Zeit, konkrete Finanzierungen und volkswirtschaftliche Modelle nachzulegen nebst einem konkreten „Scope of Practise“, was nun wirklich der Benefit ist und bitte hör ma auf mit „aber in xy ist das auch akademisch und x-jährig“. Ansonsten wird Euer Plan relativ zügig mit drei Worten zerlegt werden: „Wos. Kost. Des?“. Und gleichzeitig werden euch die bremsenden Bundesländer auslachen und wir brauchen die nächsten 50 Jahre nicht mehr kommen mit „SanG neu“, denn der Tenor wird nur sein „Ah die Utopisten ohne Plan und Ziel“.

2 „Gefällt mir“

Da hier oft das Problem mit den Bagatelleinsätzen genannt wurde:
Genau da kann ich mit höherer Qualifikation ansetzen:

Variante A:
offensichtliche Bagatelleinsätze werden einfach nicht mit hochqualifiziertem Personal bedient. Setzt eine vernünftige Notrufabfrage voraus, halt ich aber für durchaus machbar. Damit kann ich mit wenig hochqualifiziertem Personal auch zielgerichtet die Patienten bedienen, die darauf angewiesen sind.

Variante B: Bagatelleinsätze werden auch von hoch qualifiziertem Personal bedient. Ziel ist hier aber dezidiert die Vermeidung unnötiger Hospitalisierungen. Dieses Personal muss dann neben seiner Fähigkeit zur Versorgung echter Notfälle zusätzlich in der Lage sein, subakute Probleme richtig einzuschätzen und an den best point of service zu vermitteln. Dies setzt natürlich eine um ein vielfach umfangreichere Ausbildung als Variante A voraus. Ich sag immer „einen Spanungspneu zu erkennen und entlasten ist einfacher als eine einfache Bronchitis von einer potentiell lethalen Pneumonie zu unterscheiden“

So oder so, wir werden höher qualifiziertes Personal brauchen. Das das alleine nicht alle Probleme lösen wird ist hier wohl jedem klar, aber es ist zumindest mal ein großer Schritt in die richtige Richtung.

1 „Gefällt mir“

Oh, und @Stahlstadtsani
Das die Nomenklatur nicht so wichtig ist kann ich so auch nicht stehen lassen.
Gerade in Zeiten in denen es immer mehr Menschen wichtig scheint, nicht "Sanitäter " sondern „Sanitäter:innen“ zu schreiben um auch die weiblichen Kollegen anzusprechen, finde ich dass man mit Nomenklatur schon die öffentliche Wahrnehmung beeinflussen kann. Eine Berufsbezeichnung muss so gewählt sein, dass man sich damit identifizieren kann und die Bevölkerung ungefähr eine Vorstellung dafon hat, was das ist und was der kann.
Ich sag nur „Rettungsassistent“. Die wohl am schlechtesten gewählte Nomenklatur im deutschsprachigen Raum :rofl:

Weil immer so viele Bedenken aus allen Richtungen kommen:

Wieso funktioniert es dann in allen(!) Nachbarländern?

1 „Gefällt mir“

Das ist ja das Problem, es funktioniert nicht wirklich gut. Man drückt nur die Augen zu und pickt sich dann die guten Sachen heraus, ignoriert aber die Nachteile.

Bitte versteh mich nicht falsch, ich bin für eine Veränderung. Gerne auch mit längerer Ausbildung, aber halt auch eine, welche Probleme löst und nicht die lange Liste noch länger macht.

Es verwundert mich jedes Mal, wenn ich die Meinungen von vereinzelten Personen lese, warum eine Änderung des SanG nicht geht, oder es die Organisationen nicht schaffen werden, diese umzusetzen…!

Ich bin seit ca. dreißig Jahren im Rettungsdienst, davon öRS und öNFS-NKI, aber auch deutscher Rettungsassistent und nunmehriger deutscher Notfallsanitäter. Ich arbeite aktiv im RD als freiberuflicher NotSan in Deutschland und komme so durch viele Kreise. Dadurch kann ich mir eine Meinung bilden.

In Deutschland und der Schweiz nehmen die Bagatelleinsätze unglaublich zu. Es gibt sogar Anweisungen, nach Möglichkeit Kleinigkeiten zu belassen, und nicht in das Krankenhaus zu transportieren. Juristisch nicht immer leicht (im Zweifel wirst transportieren). Das bringt Frust in den Arbeitsalltag und führt zu Abwanderungen von NotSan und RS (auch in der Schweiz).

Aber: Eine Trennung von RTW und KTW ist sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland organisatorisch möglich. Aufgrund der steigenden Transporte bekommt man halt auch mal Personalnot.

In Österreich ist dieses System problemlos möglich. Man wird sich nur endlich von dem System trennen müssen, dass jeder x-Beliebige zu einem Notfalleinsatz entsandt werden kann (rechtlich und auch moralisch).

Es wird Spezialisten geben müssen, und eben die Arbeitsbienen, welche dann den faden Krankentransport übernehmen werden, und nur mehr als Assistenz tätig sein können. Derzeit immer noch eine gedankliche Überforderung, welche zu persönlicher Angegriffenheit und Neidgedanken führt.

Wie genau die höhere Ausbildung kommt, ist gar nicht mal kriegsentscheidend. Viel wichtiger ist, DASS sie kommt…!

Über PRO Rettungsdienst Österreich habe ich bereits 2013/14 Vorschläge gemacht. Darin war bereits eine Regelkompetenz vorgesehen (zB. peripher-venöser Zugang, intraossärer-Zugang).

Auch um eine Dreiteilung der Ausbildungen werden wir nicht umhinkommen, wenn wir das Ehrenamt noch großflächig mitnehmen wollen. Zu bedenken ist allerdings, dass das Ehrenamt unter den jetzigen Mini-Ausbildungen schon wegbrechen beginnt.

Daher ist es kein Geheimnis, dass der berufliche Anteil an RS und NFS in den kommenden zehn Jahren deutlich ansteigen wird.

Wer sich den Vorschlag mal ansehen will: https://prorettungsdienst.webnode.page/download/

1 „Gefällt mir“

Ich stimm dir prinzipiell zu, man wird sich allerdings vom Gedanken verabschieden müssen, dass jeder Kuhkaff-RTW mit einem 3-jährigen SuperSani rund um die Uhr besetzt wird. Das wirds nicht spielen. Einerseits wegen der „Bagatellen“, obwohl ich mit dem Wort sehr hadere, andererseits aus finanziellen Gründen.
Das lässt sich nie und nimmer finanzieren, jeden RTW in ganz Österreich so rund um die Uhr zu besetzen. Es wird wohl ohne Variante C nicht gehen, der Patient bekommt, was er braucht allerdings nicht so schnell wie einen RTW. Da sitzt weiterhin das nicht ganz soo lang ausgebildete Personal drauf und im Hintergrund fährt der Single Responder zu. Aber sowas haben wir ja eigentlich schon…

1 „Gefällt mir“