Aktuelles aus Wien

Stimmt, das soll’s auch nicht sein.

Wobei man ehrlicherweise sagen muss : Das Fach „Notfallmedizin“ gibt es offiziell gar nicht in
Österreich bzw. es gibt keinen Facharzt für Notfallmedizin. Es gibt lediglich das Zusatzdiplom " Notarzt" sowie seit kurzem ein Diplom für innerklinische Notfallmedizin, jedoch keinen offiziellen „Notfallmediziner“ . Die Anästhesie, so wie in Österreich praktiziert,kommt eben noch am weitesten in die Nähe der präklinisch „Notfallmedizinisch“ relevanten Inhalte und vermittelt die notwendigen Fähigkeiten die ein Notarzt können sollte. Was nicht heisst, dass sich jeder Anästhesist per se als Notarzt eignet.

nur weils ein fach nicht in Österreich von der ärztekammer anerkannt gibt, heißt das ja nicht, dass es dieses fach nicht per se (weltweit) gibt.

wer hat von der grossen weiten welt gesprochen ?
aber in österreich eben nicht,… leider.

Gibt es das AKH-NEF eigentlich schon?

Die Stationen die dem Bereich Süden unterstehen, fahren ab 1.2 im 2Mann Betrieb. In wie weit der 3te Mann durch einen Praktikanten abgedeckt wird, oder es ein „richtiger“ 2 Mann Betrieb ist weiß ich nicht. Jeweils ein Auto bei Stationen mit mehr als 2 Autos bleibt zu dritt, lt. dem Schreiben.
Auf weiters darf man gespannt sein.

Was ist das AKH NEF? Ganz normales NEF, oder spezieller Einsatzbereich?

momentan ist es, wie redtiger korrekt schreibt, noch gar nichts.

Das AKH NEF sollte im AKH stehen und von der Anästhesie besetzt werden (mit Sanis vom RK - im Rahmen des 4fW NEFs). Im Herbst hieß es, dass es mit Jahreswechsel kommt. Aber ja :slight_smile:

(4fW NEF gibt es inzwischen übrigens schon 2)

Hi,

Prinzipiell finde ich durchaus auch dass die von Dir angesprochenen Beispiele durch gut ausgebildete Notfallsanis (und mit gut ausgebildet meine ich sanis die sich selbst viel weiterbilden, denn die wirkliche ausbildungszeit rechtfertigt eher nicht mit solchen patienten ohne notarzt umzugehen - vor dem gesetzgeber sowieso nicht) selbstaendig durchgefuehrt werden.
Wobei der Messerstich schon grenzwertig ist, denn der sani kann bei dekompensierung hoechstens fluessigkeit reinpumpen, und nach ein paar liter ist diemortalitaet halt gigantisch (koagulopathie usw…)
Der NA koennte halt doch erweitere massnahmen setzen wenn notwendig (epi perfusor oder als suprablitz von der hand wenns noch keine perfusoren am auto gibt).
Aber ja, ansonsten natuerlich ist die Zeit eh der wichtigste faktor, sofern sie der NA nicht eine thorakotomie zutraut wenn der patient reanimationspflichtig wuerde.

Es ist halt nicht wirklich im Gesetz vorhesehen, und man unterwirft sich als sani halt einer einlassfahrlaessigkeit - falls es schiefgeht und jemand verfolgt hat man halt ein problem.
Zwei Kommentare dazu noch:

  1. Da diese Sachen halt etwas zu „routine“ fuer die sanis werden ohne NA zu machen, kann es halt doch immer wieder zu situationen kommen wo eine aerztliche therapie dem patienten guttun wuerde,
    aber darauf verzichtet wird da man diese sachen ja eh „immer“ ohne arzt schaffe. ODer wenn ein Insult waehrend der fahrt den atemweg verliert (weils halt zb doch ein haemorrhagische insult war und nun anfaengt infratentoriell einzuklemmen) dann ist halt bloed wenn der NA nicht schon im autositzt um ihn zu blitzen. Und bitte nicht als argument dass der NKI eh auch intubieren darf.
    Bei Hirndruck ist der nicht-praemedizierte Stimulus durch die intubation evtl genau der anstieg im hirndruck der den patient umbringt, oder der blutdruckabfall oder die hypoxie weils doch laenger dauert als bei jemand ders (etwas) oefter macht.
  2. als gegenbeispiel finde ich schmerzzustaende gut: wie oft kommt es vor dass in wien ein patient mit massiven schmerzen ohne adaequate analgesie ins spital transportiert wird (lt gesetz hat jeder oesterreicher ein recht auf analgesie), weil es einfach nicht ueblich und nicht erwuenscht ist in der aktuellen notarztsituation fuer die schmerztherapie einen notarzt anzufordern oder gar schon primaer mitzuschicken - sofern der patient vor schmerzen nicht halb im sterben ist.
    Das finde ich eines von den Beispielen die wirklich nicht fuer die qualitaet der notfallrettung in wien aktuell spricht.
    (evtl waere natuerlich die freigabe eines analgetikums fuer nfs eine moeglichkeit. aber ob man statt mehr notaerzte zu organisieren die sanis in massnahmen und ausbildung aufwertet ist eine diskussion fuer sich)

Zwar kein unlogischer Ansatz, aber ist erstens rechtlich fuer dich ein Problem - wenn was passiert bist Du dran (leider zeigt sowas dann eh nie wer an deshalb kommt man eh mit zu viel durch),
und zweitens impliziert das dass Du als Sani besser beurteilen kannst was notwendige Massnahmen sind und was nicht als ein Notarzt.
Ich weiss eh dass es zu viele Notaerzte gibt die nicht viel draufhaben oder sich invasive Sachen auch wenn indiziert nicht trauen, aber man muss sich schon auch eingestehen dass gewisse Sachen halt in der verantwortung vom arzt liegen, und nur weil viele aerzte nicht richtig reagieren heisst das nicht dass sanis pauschal einfach auf die notarztnachforderung verzichten sollten.
Besser waere nach dem Einsatz das mit dem Notarzt zu diskutieren, oder noch besser waehrend dem Einsatz den Notarzt auf das vorliegen von Indikationen zu Massnahmen aufmerksam zu machen,
man ist als medizinisches Personal verpflichtet jemand auf Fehler hinzuweisen. Wenn man zb die genauen leitlinienkonformen indikationen zur narkose und intubation kennt kann man es ja ansprechen.

Also nur den Notarzt nicht zu holen weil ich davon ausgehe dass er nicht kompetent genug ist dem patienten besser zu helfen als ich ist finde ich etwas ueberheblich.
dass die notarztausbildung verbesser gehoert da sind wir uns wohl sowieso einig…
lg

Nur zur Info dazu, nach dem aktuellen Wissensstand ist die needle-thoracostomy eigentlich obsolete und es sollte eine ordentliche finger-thoracostomy gemacht werden - und dass das eine aerztliche massnahme sein sollte ist wohl ausser frage.
Und dass viele Ntoaerzte das vielleicht nicht besser koennen als ein NFS ist kein argument fuer den NFS :slight_smile: sondern eher die notarztausbildung zu aendern.

Ich waere voll dafuer eine gute aufwaendige Saniausbildung einzufuehren, aber die Ausbildung muss orgentlich gesetzlich fundiert sein, und aktuell bringt eine ausbildung fuer die es absolute keine gesetzliche grundlage gibt leider nuesse.
Es gibt genug offizielle statements der gesetzgeber in den letzten jahren dass es nicht vorgesehen ist am sang was zu aendern.
Ich denke bevor das passiert werden sie nochmal das aerztegesetz aendern um eine aehnliche notarztberechtigung wie in deutschland zu vergeben.
Denn in ein paar Jahren werden die letzten allgemeinmediziner nach dem alten Turnussystem fertig, und danach wird es dramatisch bergab gehen mit aerzten die jus practicandi haben und notarzt fahren.
Nur noch ein winziger Bruchteil der aerzte wird allgemeinmediziner vor einem fach machen. Deshalb wird man gezwungen sein assistenten (nach guter ausbildung) die notarztberechtigung zu geben, wodurch es wieder mehr als genug notaerzte geben wird.
Die Lobby dahinter so eine aenderung zu machen ist viel groesser und maechtiger als es (leider) diese ist das SanG zu aerndern um den sanis mehr kompetenz zuzusprechen - denke ich mir.

Der Turnus laeuft nicht aus, alle assistenten egal ob allgemeinmedizin oder facharzt sind im „Turnus“, umgangssprachlich hat man halt immer turnus zu denen in der ausbildung zum allgemeinmediziner gesagt.
Der Allgemeinmediziner laeuft auch net aus, sondern wird laenger, und es wird nicht mehr ueblich sein erstmal die Allgemeinmedizinerausbildung zu machen um dann irgendwann ein FAch anzufangen.

D.h. was sie im Artikel geschrieben haben kann gut stimmen, irgendwann werden asssistenzaerzte, egal ob in allgemeinmed oder facharztausbildung, (wie in fast ganz resteuropa) nach gewissen kriterien und gewisser ausbildung auch notarzt sein koennen.
Ist auch gscheiter wenn ein Arzt nach gewissen kriterien (wie zb rasterzeugnis von gewisser anzahl an durchgefuehrter massnahmen und gewisser zeit an der anaesthesie etc) dann notarzt sein kann,
statt ohne grosse anforderungen jeder doesel der jus practicandi hat ohne jemals einen mensch intubiert oder narkotisiert zu haben. (gibts genug beispiele, 3 jahre lang nur auf stationen, dann allgemeinmediziner, dann einen notarztkurz der nicht viel wert ist, und schon hattest die NA berechtigung ohne dass du eien ahnung von notfaellen hattest).

Schmerztherapie ist etwas superschwieriges, und auch wenn man hier immer wieder liesst naja opiate → atemdepression muss man halt aufpassen, ansonsten kein problem, muss ich sagen so eazy wie sich das viele vorstellen ist das nicht.
Schon klar dass wenn man sich anschaut wie das viele notaerzte machen dann wirkt das recht straight forward und man koenne nicht viel schaden anrichten. das dachte ich mir auch immer, aber seit ich viel im spital aerztlich arbeite sehe ich die andere seite und auch langzeitfolgen usw.
Ich bin extremer befuerworter von ausreichender analgesie schon praeklinisch, aber einfach so freigeben wird nicht gehen, da brauchts schon einiges an schulung.
Gerade fuer die starken (opiate, ketamin, …) braucht man doch einiges an klinischer erfahrung um die dosierung richtig hinzubekommen, da die patienten ziemlich unterschiedlich darauf reagieren.

Ob man von Atemdepression spricht oder nicht ist etwas fuer die wissenschaftlichen Pharmakologen, Tatsache ist dass es bei iv Anwendung von midazolam im Bolus aheufig zu hypoxie kommt, und zwar nicht immer nur durch leichte manoever wie jaw thrust zu verhindern.
IV titrieren ist zwar besser als 5-10mg im bolus im MAD,
aber ich weiss nicht wies euch geht, aber mir hatte obwohl es fuer mich freigegeben war nie jemand erzaehlt dass die maximale cerebrale konzentration vom midazolam nach iv gabe bis zu 3minuten dauern kann.
Oft genug habe ich gesehen dass nah 1 minute mich ein sani anschreit -gib hatl nochmal was- weil der pat immer noch krampft. kein wunder dass dann nachher komplikationen auftreten wenn man sich mit der pharmakologie des medikaments nicht genug ausekennt.

abgesehen davon ist die einzige evidenz zu den benzos beim konvulsivem status epil. lorazepam iv oder midazolam im ! (eben aufgrund des hoeheren risikos von schweren nebenwirkungen bei iv gabe von mida)
(siehe
Silbergleit R, Durkalski V, Lowenstein D, et al. N Engl J Med 2012;366:591–600.
Silbergleit R, Lowenstein D, Durkalski V, et al. Epilepsia 2011;52:45–7)

SORRY fuer die spaete lange antwort auf aeltere posts, ich hoffe mir wird verziehen.

  1. Willkommen im Forum ! :wink:

  2. Äh…jajajaja…blabla…ebm… :unamused:

Wen jemand akute Schmerzzustände hat, werd ich wie du schon selbst schreibst sicher nicht Anfangen einen viertel bis halben Liter Infusion mit 75mg Diclofenac in 20-30 min in den Patienten tropfen zu lassen wenn ich in vielleicht 10 Minuten im Krankenhaus bin. Als zusätzliche Therapie kann jeder seiner Infusion gerne zufügen was er möchte. Als primäres Schmerzmittel nehme ich präklinisch etwas das sofort und adäquat wirkt…wenns dem WHO Stufenschema nicht passt soll´s mich gerne anrufen,… :laughing: Der Patient ist mir wichtiger als die sture Einhaltung einer WHO Richtlinie, die präklinisch meiner Meinung nach nur bedingt Bedeutung hat. Es wäre meiner Meinung nach eine Alibi Aktion die NSAR für alle Sanitäter freizugeben und zu sagen damit wäre die präklinische Schmerztherapie erledigt nur weil ich damit vielleicht einem Schema der WHO entspreche.

Eigentlich arbeite ich mehr klinisch als präklinisch :wink: , Leitlinien sind gut und wichtig. EBM ist notwendig. Weder das eine noch das andere entschuldigt einen (v.a. ärztlichen) Anwender das logische Denken und den Hausverstand abzuschalten und/oder eine dogmatische Hörigkeit zu entwickeln.

Tja,…Ignorantia legis non excusat… :smiley:

Hallo, hast du eine Quellenangabe bzw. wie neu ist der aktuelle Wissensstand - ich verlang dann mein Geld zurück von einem bekannten prähospitalen Traumakurs :smiley:

agreed

Klaro:

Schon allein die neuen ERC Richtlinien wiederspiegeln das recht gut:
(referenzen siehe dort in den guidelines)
„Needle decompression.
Needle chest decompression is rapid and
within the skill set of most ambulance personnel BUT IS OF LIMITED VALUE.
A significant proportion of patients have chest wall
thickness which makes needle decompression with a standard
length 14-gauge cannula ineffective. Cannulae are also prone
to kinking and blockage. Any attempt at needle decompression
should be followed by insertion of a chest tube (see asthma)“

„Thoracostomy.
Tracheal intubation, positive pressure ventilation
and formal chest decompression effectively treats tension pneu-
mothorax in patients with TCA. Simple thoracostomy is easy
to perform and used routinely by several prehospital physician
services. 187,207 This consists of the first stage of standard chest
tube insertion – a simple incision and rapid dissection into the
pleural space in the positive pressure ventilated patient (see trau-
matic cardiac arrest). Chest tube insertion is then carried out after
the resuscitation phase.“

Im Fall vom TCA - traumatic cardiac arrest empfehlen sie sogar eindeutig
„To decompress the chest in TCA, perform bilateral thoracostomies in the 4th intercostal space,
extending to a clamshell thoracotomy if required“.
Mit hoeherer Prioritaet als Herzdruckmassage.

in A. Truhláˇr et al. / Resuscitation 95 (2015) 148–201
„special circumstances“

Unabhaengig davon bin ich so frei und verlinke auf Sekundaerliteratur, da es recht gute Links sind
und dort die Referenzen alle angegeben werden:

medflightphysician.com/wp-conten … tion-6.pdf
emcrit.org/podcasts/needle-finger-thoracostomy/

Auch die S3 Leitlinie der deutschen Gesellschaft fuer Unfallchirurgie schreibt recht kritisch
ueber die Nadelentlastung (funktioniert nur in 50% der Faelle usw),
hingegen sehr positiv ueber die „Minithorakotomie“.
Sie empfehlen aktuell (2011, laufen aber im juni 2016 aus) aber
halt immer noch Nadel zuerst, gefolgt von Finger oder Drainage.

Ist ein umstrittenes Thema, aber Trend international ist recht eindeutig da sich die Evidenz gegen
Nadel haeuft.

Ich find PHTLS ATLS ETC und das ganze Zeugs gute Standards um eine gute Basis fuer die Ausbildung von Sanis zu haben.
Aber man darf nicht strikt glauben dass diese Lehrmeinungen immer wissenschaftlich fundiert und immer am aktuellsten Stand der Wissenschaft sind.
Machme Zungen behaupten PHTLS, ATLS usw hinken der Evidenz ca 10 Jahre nach.
Ist ja nicht so als gelte das nicht fuer die meisten Bereich der Medizin… aber, just sayin’

Das mit der Entlastungspunktion interpretiere ich jetzt nicht so als obsolet, aber es hängt natürlich davon ab wer was liest; als Arzt hätt ich auch einen anderen Zugang zu den Sachen.

Meine Interpretation:
mach die Entlastungspunktion,
mach es mit einer Nadel, die groß genug is (> orangener Venflon),
schau, dassd danach eine Drainage reinsteckst

mind. 8cm :slight_smile:
Länge ist doch entscheidend, liebe Kollegen :wink:

Thoraxdrainagen zu legen ist doch mMn eine Sache der Klinik
Schon allein wegen der Hygiene und Erfahrung des Arztes und des helfenden Personals, ich hab so was zB noch nie gesehen
In Ausnahmefällen, wie zB langer Transport oder die vierte Entlastungspunktion bringt keinen Erfolg, wird man präklinisch wohl nicht drum herum kommen

Finde ich auch. Ausser man hat (zb am Land) lange anfahrtszeiten, oder am RTH wegen den Druckverhaeltnissen.
Thoraxdrain braucht viel zu lang und ist praeklinisch evtl wirklich nicht sinnvoll, da geb ich dir voll recht.
Gemeint war von mir vor allem fingerthoracostomy, und nicht die einlage eines Thoraxdrains.

Praeklinisch von aerztlicher Seite ist fuer mich eindeutig ordentliche Entlastung wie im ersten video auf
emcrit.org/podcasts/needle-finger-thoracostomy beim Spannungspneu oder beim TCA indiziert und lege artis.
Bei einem zu reanimierenden Trauma gibt es seit den neuen ERC guidelines sowieso keine alternative - da gehoerts so gemacht (und in gewissen indikationen auch zur clamshell erweitert wenn sichs das team zutraut - wenn incht, dann ist der patient halt sofort tot).

Als Sani ist natuerlich was anderes, aber da geht momentan nach Gesetzeslage eh needle auch nicht…

Nadelentlastung hat wohl nur Nachteile, ausser dass es vielleicht um 30sec schneller geht und auch ein ungeuebter machen koennte (fuer sanis aber eh nicht erlaubt, und ein notarzt sollte fingerthoracostomy eigentlich drauf haben)
Dafuer ist Nadel super unzuverlaessig und deshalb man weiss damit immer noch nicht ob ein spannungspneumothorax ausgeschlossen ist oder nicht wenn der patient nach der Massnahme immer noch keinen kreislauf hat.

Oder findet Ihr es gibt noch andere relvandte Vorteile von needle?

lg

Dem kann auch ich nur folgendes Entgegensetzen:

  • Wer klinisch Thoraxdrains setzen kann, kann’s präklinisch auch.

*Dem (Spannungspneu) ist’s herzlich egal ob er im Strassengraben, am Berg oder auf der Intensivstation mittles Drain entlastet wird, hauptsache er wird entlastet,…desto früher desto besser. Die Hämodynamik wird sich bedanken.

  • Natürlich ist die Drainage der Punktion mit einem Venflon vorzuziehen. Auch mit einer grosslumigen 14G Kanüle (45mm lang) kann man schon bei leichter adipösen Menschen Probleme damit haben, den Pleuraraum überhaupt zu erreichen. ( hab ich selbst schon öfters erlebt :confused: ). Die Vorliebe zur Venflonvariante einschlägiger dogmatischer Traumakurse kommt wahrscheinlich von der Affinität zu nordamerikanischen Load&Go Paramedicsystemen. :mrgreen:

  • Die Maßnahme der Thoraxdrainage ist für klinisch tätige Notärzte, Anästhesisten eine nicht allzu schwierig erlernbare Maßnahme und wenn richtig angewandt, sicher und mit Sicherheit effizienter als die Nadelentlastung. Es macht somit sicher Sinn bei hochakuten Spannungspneus gleich eine Drainage zu setzen als mit dem 14G Venflon herumzupopeln. Die Hygiene hat bei lebensrettenden Maßnahmen präklinisch sowieso nicht die Bedeutung wie in der Klinik.

  • Selbst wenn der Transport kurz sein sollte: Kann ein hämodynamisch wirksamer Pneu nicht mittels dem Venflon aus weiter oben genannten Gründen entlastet werden wird das dem Patienten trotzdem nicht viel helfen.

  • Für alle die wenig bis keine Erfahrung in der Anlage und im Umgang mit Thoraxdrains haben bleibt die Entlastungspunktion mittels Venflon natürlich auch ein legitimer Versuch dem Patienten zu helfen. Wenn’s funktioniert… (y)
    aber gscheita is a Drainasch… :smiley:

update:

Das ist absoluter Blödsinn, tut mir leid. Wer’s gelernt hat legt eine Drainage schnell und effizient. das dauert nicht viel länger als die Fingerentlastung. Das Annähen dauert ev. etwas länger, geschieht nach der Entlastung…
Wer’s nie gelernt und gemacht hat, soll einfach die Finger davon lassen, als Notarzt kommt man da mMn allerdings schon etwas in Erklärungsnot,…

Klar entlasten, frueh schnell und gscheid - ‚finger has to touch lung‘
Die Frage ist nur ob es wirklich viele Situationen gibt wo man praeklinisch die Zeit verwenden sollte ein Drain reinzugeben und anzunaehen.
Die internationale Notfallcommunity geht eher davon weg. Das ist definitiv nicht meine Einzelmeinung. Referenzen gibts einige, siehe in den Folien die ich gepostet habe.

Also vielleicht habe ich mich auch schlecht ausgedrueckt, und mit ‚thoraxdrain ist EVTL nix fuer die praeklinik‘ definitiv kein dogma gemeint.
‚nicht viel laenger‘ - naja, die fingerentlastung dauert bereits etwas laenger als nadelentlastung, hat dafuer aber klaren benefit.
draineinlage ist ja ein schritt nach der fingerentlastung und dauert zumindest nochmal so lang wie den finger reinzukriegen, eher noch mehr - und ich frage mich um den benefit in den konkreten situationen.
Und zudem kommt doch auch Komplikationsrisiko dazu welches um einiges hoeher ist als von reiner Fingerentlastung
(erst recht wenn man immer noch steife Trokare zum einfuehren benuetzt - gibts einiges an Literatur dazu).
Um auf eine Meinung und auf einen Punkt zu kommen ist etwas zu differenzieren, und bin auch gespannt um Deine Meinung, oder was genau Du anders siehst:

  1. Die einzige wirkliche Indikation in der Praeklinik fuer eine Thoraxdrainage ist die dauerhafte Entlastung eines vermuteten Spannungspneumothorax.
    Ein Pneumothorax der nicht spannt (ausser im TCA) wird lege artis wenn er asymptomatisch ist idR gar nicht entlastet oder zumindest zugewartet
    wenn er symptomatisch aber nicht lebensbedrohlich ist praklinisch eher auch nicht, sondern semieleketiv an der Klinik zu machen - agreed?

  2. Im TCA ist Drainage nicht indiziert, ausser hoechstens bei ROSC wenn der Patient mit hoher Wahrscheinlichkeit nur den isolierten Spannungspneumothorax hatte und man also genug Zeit hat und nicht so schnell wie moeglich in den OP kommen muss. agreed?
    Waehrend dem arrest stimmt wohl jeder zu dass schnelle fingerentlastung beidseits ohne Draineinlage Mittel der Wahl ist. (ERC)

  3. Bei jeglichem dekompensierten Trauma (zb Polytrauma mit v.a. Hirndruck oder aktiver unstillbarer Blutung) wo es auf Zeit ankommt
    sehe ich auch nicht ein aus welchem Grund man die Zeit fuer eine Drainage verschwenden soll, waehrend er vor sich hin ausblutet.
    Der Spannungspneu wird durch Fingerentlastung prompt zuverlaessig behoben - und kann bei Bedarf mit einem Handgriff am ewg in den Schockraum wiederholt werden.
    Zuverlaessiger als Nadel und schneller als Drain.

  4. Beim isolierten Spannungspneum oder stark symptomatischen Pneumothorax ohne endothorakale obstruktion, wo keine hyperakuten Begleitverletzungen vorliegen die schnellste definitive versorgung im OP notwendig machen vorliegen, da macht ein Drain natuerlich sinn.

Oder siehst Du (oder sonstwer) das anders?

Hoffentlich kommen wir auf eine Meinung um then Thread wieder seinem Thema widmen zu koennen, sonst muessen wir wohl in einen anderen Thread migrieren.
LG

agreed:
*Ein vital stabiler Patient profitiert wahrscheinlich nicht von einer präklinischen Thoraxdrainage (oder einer Fingerentlastung) hat ja auch niemand was anderes behauptet.

Ich weiß ja nicht wo du präklinisch tätig bist, aber es gibt so einige Situationen die immer abhängig von „Zeit“ und „Raum“ des präklinischen Settings sind. Was sind abseits der Literatur und Guidelines deine persönlichen „Hands on“ Erfahrungen mit Entlastungen des Pleuraraumes ? Ich bin Anwender von dem was uns die Wissenschaft und v.a. dann die klinische Erfahrung vorgibt und habe v.a. in der Luftrettung wo man etwas häufiger solche Patienten betreut schon alle 3 Varianten „ausprobiert“ und bin zum Schluss gekommen, dass 1. die Nadelpunktion meist nicht so funktioniert wie man sich das vorstellt. 2. die Fingerentlastung primär mal gut funktioniert, bei längeren Transportzeiten oder beim Transport im NAH ohne Drain immer ein ungutes Gefühl verbleibt und es nicht selten zu wiederauftretenden Problemen kommt. 3.dass die Anlage der Drainage nach der Entlastungs sicher nicht 20 Minuten dauert (vorrausgesetzt man weiß wie)

Gewußt wie:

  • Das Einführen mittels Trokar wird aufgrund von Fehllagen und Organverletzungen sowieso nicht mehr empfohlen; ein Trokar bleibt immer extrathorakal. DieThoraxdrainage wird mit dem Finger geführt. - so lernt man das. Die Komplikationsraten bei prä- und innerklinisch etablierten Thoraxdrainagen sind gering, in der Literatur nahezu identisch.

Eine präklinisch indizierte Thoraxdrainage wird häufig unterlassen, oft aufgrund der subjektiven Unsicherheit oder wegen Wissens - und Ausbildungsdefiziten der Anwender oder eben weil die Symptomatik eines Thoraxtraumas aufgrund der Begleitumstände teilweise oft nur schwer erkennbar ist. Das Risiko einer Nichtentlastung bei richtiger Indikation wiegt jedoch deutlich schwerer als die relativ selten auftretenden Komplikationen. Der Schritt von der Fingerentlastung zur Einlage einer Drainage ist meiner Erfahrung nach nur ein kleiner, der sich bei unklarer Symptomatik, langen Transportzeiten oder bei unzureichender Behandlungsmöglichkeit während des Transportes wie zb im NAH mit Sicherheit bewährt. „Eigentlich“ sollte jeder Notarzt die Anlage einer Thoraxdrainage sicher beherrschen. Mein Fazit ist wer die Anlage einer Drainage im klinischen Setting beherscht wird dabei auch präklinisch keine Probleme haben, die dafür benötigte Zeit (die meiner Meinung nach zu vernachlässigen ist) kann´s Wert sein.