Hallo zusammen!
Ich bin zufällig auf dieses Forum und den Beitrag gestoßen und wollte EUCH Infos aus erster Hand geben (da sich, wenn möglich, DELIVER ja verbreiten soll).
DELIVER, wie schon vorher beschrieben beinhaltet:
Ausgefüllte Einsatzdoku nach SOP
Vorbereitung der mündlichen Übergabe
auf Ruhe am Übergabeort achten/fordern
Übernahmebereitschaft der übernehmenden Person abwarten/erfragen
mündliche Übergabe nach Protokoll
D- Daten
Patientenname / Geschlecht + Alter
Berufungsort / Umstände
E- Ereignis
Zeitpunkt Ereignis, Situation am Berufungsort, initialer Patientenzustand
L- Leitsymptom
Auffälligkeiten in XABCDE, OPQRST, APSS
Anamnese / Symptome.
Hauptdiagnose, initiale Vitalzeichen
I-Intervention
Maßnahmen, Therapie, Beatmungsform
V- Vitalfunktion
Vitalparameter, aktueller Status
E- Ergänzende Infos
SAMPLER, Infektionsstatus
(AVISO: Transportart, Transportbegleitung, Eintreffzeit)
R- Rückfragen
Fragen, Readback
Danach erfolgt die Umlagerung!
DELIVER soll vor allem ein leicht zu merkendes Akronym sein (von jeder Ausbildungsklasse/stand anwendbar) und als Leitfaden für eine strukturierte Übergabe zur Verfügung stehen.
Bisherige Übergabeprotokolle sind meines Wissens nach immer für bestimmte Gruppen/Bereiche abgestimmt und das Akronym nicht so leicht zu merken bzw gilt dies für den Inhalt der Buchstaben.
Natürlich sind die bereits existierenden Protokolle auch gut.
DELIVER soll für jede Situation und bei jeder erkrankten/verletzen, Sekundärtransporten und aviso-pflichtigen Person angewendet werden können.
Auch innerklinisch wäre es angedacht.
Also universell einsetzbar.
Bei AVISO‘s oder Schockraumübergaben gilt natürlich grob gesagt: „In der Kürze liegt die Würze!“
Es ist so gedacht, dass man bei diesen Personen nur das wichtigste sagt.
Hier ein fiktives Beispiel:
RTW: Es wird ein Schockraum mit Thoraxchirurgie benötigt.
D:
Weiblich, ca. 30 Jahre alt, vom 4. Bezirk.
E:
Messerattacke vor 10 Minuten mit einer ca. 7 cm langen Klinge, Patientin initial
bei Bewusstsein.
L:
Hämatothorax mit multiplen Stichverletzungen im Rückenbereich. Initial hoher Blutverlust und Atemnot.
I:
Therapie mittels Chestseals und Bülaudrainage. Tranexamsäure und Infusionstherapie verabreicht und laufend. Die Patientin wird gerade endotrachial intubiert und beatmet.
V:
Patientin ist respiratorisch und hämodynamisch instabil. Blutdruck 80 systolisch.
E:
Achtung HIV ist bekannt. Allergien konnten keine erhoben werden. Es wäre ein
luftgebundener Transport mittels eingetroffenen NA Hubschrauber angedacht. Die Patientin ist um 10:15 Uhr (5 Minuten) transportbereit.
R:
Welche Fragen darf ich noch beantworten?
Bei jeder anderen nicht zeitkritischen Übergabe sollte dies ausführlicher geschehen, da WIR dir ersten vor Ort sind und Informationen haben, welche ganz bestimmt verloren gehen können.
Die Wiener Rettungsleitstelle wurde ebenfalls geschult, hat dieses Werkzeug zur Verfügung und kann bei bedarf auch Fragen des Übergabeprotokolls selbst stellen.
Nun ist es so, dass wir in Wien die Triagesysteme/Erstaufnahmen der Kliniken sensibilisieren, einer vollständigen Übergabe auch bis zum Schluss zu zuhören (im AVISO und Schockraum-Setting funktioniert dies bereits).
Aller Anfang ist schwer, jedoch geht es vor allem um Patient*innensicherheit und das vermindern weiteren Behandlungsfehler (ganz grobes banales Beispiel: Demente Person, Allergien auf NSAR, Allergien werden nicht genannt - allergischer Schock ist die Folge)
Bei interhospital Transporten mit intensivpflichtigen Patient*innen konnten wir bisher sogar sehr gute Erfahrungen machen. DEL beinhaltet hier klinische Details und IVER den Transport.
Ich danke EUCH, dass DELIVER jetzt schon diskutiert wird und vielleicht sogar bei einigen zu einem nützlichem Werkzeug wird!
LG Stefan