Eigentlich sollte es im Burgenland seit Sommer eine “vorgeschriebene” Übergabe geben. Passiert ist in der Praxis noch nichts. Wir wissen auch nicht welches Schema usw. Wäre aber interessant, ob es auch eines der gängigen ist.
Ich habe nirgends geschrieben das es schlecht ist, allerdings ist es halt so wenn man das Ganze über 10 Jahre (richtig und vollständig) macht, braucht man diese Schemen halt nicht mehr wirklich.
Für Leute die neu dazu kommen sind diese sicher nicht schlecht um sich alles zu merken und vor allem nichts zu vergessen.
Jetzt kommt ein bisschen “alter Mann” durch (ja bin schon 34), warum haben wir uns das “damals” alles gemerkt und heute scheint man für jede Kleinigkeit ein Schema zu brauchen?
Wir wollen alles professionell machen und brauchen aber für alles Merkhilfen?
Wenn ich FAST brauche um einen “Schlaganfall” zu erkennen, dann darf ich auch nicht mit Medikamenten hantieren.
Wenn ich DELIVER brauche um eine korrekte Übergabe zu machen, dann sollte ich dem RD gänzlich fern bleiben.
Das sind Dinge die der “Hausverstand” regeln sollte.
Das gilt im Übrigen nicht nur für DELIVER sondern für alles mögliche.
Sorry aber das ist einfach eine Argumentation von vorgestern…
Es war ja nie die Rede davon, dass jemand FAST braucht um einen Schlaganfall zu erkennen.
Es braucht auch kein DELIVER um eine gute Übergabe zu machen.
Es braucht auch kein xABCDE um eine vernünftige Patientenbeurteilung zu machen.
Trotzdem hängt in vielen Schockräumen das ABCDE an der Wand.
Trotzdem verwenden viele Systeme Checklisten zur RSI.
Vor der Landung die Klappen und das Fahrwerk auszufahren sagt mir auch mein Hausverstand. Soll ich jetzt dem Cockpit fernbleiben weil ich trotzdem Merkhilfen und Checklisten verwende?
Ist also jetzt das CRM Prinzip „Verwende Merkhilfen…“ nur was für Noobs?
Ich bin prinzipiell ganz bei cyrux, zwar überspitzt formuliert aber im grunde hat meiner Meinung nacht recht.
Im CRM Leitfaden steht im übrigen nicht „Verwende für ALLES Merkhilfen“ sondern „Verwende Merkhilfen und schlage nach“, was impliziert, dass es dabei um Dinge geht, bei denen man unsicher bzw nicht zu 100% sattelfest ist. Somit ist das „wann verwende ich die Merkhilfe XY“ für jeden Sani sehr individuell. Was für den einen schon selbstverständlich erscheint ist für den anderen noch eine Stresssituation (z.b. Übergabe).
Ich selber verwende in meinem Beruf auch gelegentlich Checklisten (am Handy mit Microsoft OneNote) für Dinge die man nicht alltäglich macht und eher selten vorkommen, z.B. Plasmapherese aufrüsten, Stickstoffmonoxid-Beatmung einbauen, Ecmo primen, etc.
Somit macht es eine Diskussion wann man welche Merkhilfe verwenden sollte nicht zielführend, da das Bedürfnis danach sehr individuell ist. Auch wenn ich es nachvollziehen kann, dass man es seltsam findet, wenn jemand für bestimmte Themen noch Merkhilfen „braucht“…
Ich glaube das ist einfach falsch.
Nochmal jeder Pilot weiß, dass man ein Fahrwerk zum Landen braucht. Er ist nicht unsicher und in der Regel sehr wohl sattelfest.
Man kann sicher differenzieren ob man das Anwenden von fixen Flows, Memoryitems, Schemen, Checklisten, etc.. an das Gefahrenpotential der Tätigkeit anpasst, das sehe ich ein. (Z.b. Übergabe potentiell weniger kritisch als eine RSI)
Aber nur weil man glaubt man ist eh sattelfest ist halt kein Grund.
Du vergleichst Äpfel mit Birnen, so wie die meisten die denken dass die Luftfahrt mit dem Rettungsdienst vergleichbar wäre.
Und wo ziehst du dann für dich persönlich die Grenze? Wann verwendest du für etwas eine Merkhilfe und wann nicht mehr? Geben tut es ja Merkhilfen für so gut wie jedes Szenario. Hast du für das Legen eines Venflons auch eine Checkliste? Für die Anfahrt bzw Eintreffen am Einsatzort? Für das Bergen mittels Schaufeltrage? Etc.
Wenn nicht die eigene Souveränität abhängig davon ist ob ich eine Merkhilfe brauche, was dann?
Die Auswirkungen die es hat wenn ich etwas vergesse/falsch mache z.b.
Aber wir drehen uns im Kreis ![]()
Du verwendest Merkhilfen nur bei Dingen wo du selber unsicher bist, ich verwende sie manchmal auch bei Dingen von denen ich mir sicher bin dass ich sie weiß. End of story ![]()
Was man an der Diskussion schön sieht, die Verwendung von Checklisten ist ein Thema welches stark von Kultur und Ego geprägt ist.
Und in diesem Punkt (Kommunikations- und Fehlerkultur, Ego) sind Medizin und Rettungsdienst mit der Luftfahrt vor vielen, vielen Jahren vergleichbar. Eine Zeit in der das Wort des Kapitän (vgl OA / Primar) noch alleiniges und unbestreitbares Gesetz war und die Verwendung von Checklisten ein Zeichen von Schwäche. Das Ergebnis waren viele Fehlentscheidungen mit tlw katastrophalem Ausgang (vgl Just a routine operation). Solche Charakter wurden in der Luftfahrt konsequent rausgefiltert, die Verwendung von Checklisten ist obligatorisch und ein Zeichen von Sicherheit und Qualitätsbewusstsein und kein Zeichen von Schwäche oder Unsicherheit.
Gerade Routine Tätigkeiten sind anfällig für Fehler und werden daher mittels Checkliste abgearbeitet (“all slides armed”). Schön langsam erkennt man das auch in der Medizin. Ich sage nur Sign In im OP. Oder sind die sich nicht zu 100% sicher welches Knie jetzt operiert wird?
Wenn der stark standardisierte Arbeitsplatz eines Piloten (jeden Flug die selbe Fluglinie, das selbe Muster, die selben Abläufe, den selben Schalter an der selben Stelle im Cockpit) schon Checklisten braucht, wie sehr hätten wir es in einem hoch dynamischen Umfeld wie dem Rettungsdienst nötig?