TECC: Taktische Wundversorgung in Terror-Lagen

Beim RK nicht, es wird jedoch die Möglichkeit eingeräumt, innerhalb von 30 Minuten die Abindung zu lösen und sie bei einer schwächer werdenden Blutung durch einen Druckverband zu ersetzen. Sollte nach wie vor eine starke, anders nicht stillbare Blutung vorliegen, muss die Abbindung wieder geschlossen werden und darf bis zum KH nicht wieder gelöst werden. Die Fälle Amputation/Teilamputation sowie Verletzung der Oberschenkelarterie sind davon allerdings ausgenommen, hier darf die Abbindung laut Lehrmeinung überhaupt nicht mehr geöffnet werden.

Naja zu dem Thema Tourniquet hatte ich einmal mit einem Vertreter einer Firma welches eines dieser Produkte vertreibt ein Gespräch und seine Argumentation fusste nicht darauf, dass die Abbindung perse schlechter sei, sondern das sich der Sanitäter durch die Anwendung der Gerätschaften in einem österreichischen Rettungswagen zu einem Medizinprodukteproduzenten im Sinne des Medizinproduktegesetzes machen und somit ihn die ganze Haftung treffen würde. Dem Gegenüberstand bei seinem vertriebenen Produkt die Aussage, dass bei der korrekten und indizierten Anwendung seines Produktes die Haftung sich nicht auf die Herstellung und Inbetriebbringung des Medizinproduktes bezöge sondern nur auf die Anwendung und Indikation.
Im Sinne einer Verrechtlichung des Rettungsdienstes ist diese Argumentation ebenso wie bei der Thoraxentlastung bei einem Spannungspneumothorax zusehen. Ja mir sind Möglichkeiten zur Entlastung bekannt, aber ich wende in diesem Fall Geräte und Hilfsmittel außerhalb ihres vorgesehenen Aufgabenbereichs an und übernehme damit die haftungsrechtlichen Konsequenzen und das wollen wir eigentlich nicht, sondern der Dienstgeber soll uns die auf dem Markt verfügbaren Geräte stellen um jede Situation mit dem bestverfügbaren Mitteln abzuarbeiten.
Doch natürlich ist das ein Problem, weil die Geräte kosten, bestimmte Medizinprodukte haben Ablaufdaten und somit steigen die Vorhaltungskosten in astronomische Höhen und bei den Preisen die in Österreich für den Rettungsdienst gezahlt werden, kann man da keine großen Sprünge machen und alles vorhalten was möglicherweise einmal benötigt würde.
Des weiteren kann ich jemanden zwar den Rettungsrucksack mit dem gewünschten Material auf den Rücken packen nur ohne eine entsprechende Ausbildung und Schulung des Sanitäters bringt es überhaupt nichts, weil der Sanitäter dann nicht wirklich weiss wie er was anzuwenden hat und die ziemlich kostenintensiven Buchstabenkurse sind zwar ein Anfang, doch solange es nicht mittels Drill in Fleisch und Blut übergeht ist der Sanitäter in der Terrorlage eine Gefahr für sich und andere.
Denn als erstes muss er sein „Handwerk“ aus dem FF können, damit er seinen Kopf frei hat um sich über die polizeilich / militärische einsatztaktischen Überlegungen Gedanken zu machen und das ist bei der Masse der Sanitäter nicht der Fall und die Sanitäter welche auf dem Behandlungsplatz bzw. im Rahmen der Transporte eingesetz werden fahren und versorgen wie im Regelrettungsdienst.

Vor etwas über einem Jahr erntete ich noch böse Worte weil ich Thoraxentlastungspunktion, Tourniquet und Hämostypika als wichtige Mittel der Traumaversorgung gesehen hatte. Man warf mir vor, dass ich mich ja nur auf die bösen Buchstabenkurse berufe, die nur auf irgendwelchen bösen Ami-Militärstudien beruhen - und das keinesfalls akzeptable internationale Standards seien.

Na dann sehen wir mal in unser Nachbarland und was die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie in den 2016 überarbeiteten S3 – Leitlinien für die Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung dazu sagt:

http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/012-019k_S3_Polytrauma_Schwerverletzten-Behandlung_2016-10.pdf

Wir huldigen dich, oh großer Gott der Traumaversorgung

Zurück zum Tagesgeschäft

Vielleicht darf ich dann doch wieder um einen etwas respektvolleren Umgang im Ton bitten?

@RedTiger danke für’s update!

Die S3 Leitlinie ist aber ned neu.

Hat die MA70 eigentlich Tourniquets oä am RTW?

Der K-Zug kommt mit hunderten Spineboards, aber bis die mit den TQs kämen wäre es eigentlich zu spät…

Offiziell nein, ist aber angeblich geplant. Allerdings haben einige Kollegen ein privates dabei.

Also ÖRK Steiermark nimmt das Tourniquet mal wider auf und auf die Rettungsmittel, aber das gab es schon vor dem ÖRK in meinem „Dienstbuch für den K.K. Krankenwart“ von 1840 steht es schon drin und die Schweizer waren schon damals weiter, die kannten für ihre Frater und Krankenwärter schon drei Arten von Tourniquets und die älteste mir bekannte Erwähnung unter dem Namen ist auf das Jahr 1720 zurück zuführen.
In der EH soll es nach unbestätigen Berichten aus dem Elfenbeinturm auch schon Überlegungen geben die Abbindung wider auszubilden, aber da warte ich einmal ab.

also dass unfallchirurgen einen traumatischen spannungspneumothorax mittels entlastungspunktion und/oder Drainage versorgen ist ja wirklich nix neues. das heißt noch lange nicht, dass man es gutheißen muss, dass jeder Sani glaubt, sich in mosul zu befinden und nach einem eintageskurs jedermann den Brustkorb aufschlitzen zu müssen.

zum Tourniquet: jo mei, das ist halt ein medizinprodukt das dem gleichen zweck dient wie der gute alte holzstecken mit dreiecktuchkrawatte. schaut halt bisschen professioneller aus und kostet deutlich mehr Geld. die bei uns verbreiteten haben ihre form dadurch, dass sie dafür entwickelt wurden, auch einhändig bei sich selbst angelegt werden zu können. für unsere anwendugnszwecke eigentlich nicht notwendig, aber nochmal: jo mei.

laut RK-sanhilfe Lehrmeinung ist das Tourniquet übrigens das Werkzeug der ersten Wahl zur Abbindung (Reihenfolge: Tourniquet, Dreiecktuchkrawatte, Blutdruckmanschette). Im LV Bgld kommt es entsprechend auf alle Autos. (lustig dass hier das RK (und noch dazu das burgenländische. das sind doch die hinterweltler par excellence?) offenbar weiter ist als gods own municipal hospital service)

Auch im RK LV OÖ ist gehört das Tourniquet seit diesem Jahr zur Standardausstattung jedes SEWs.

Hoffentlich auch zwei Stück.

Fachgesellschaften empfehlen nämlich bei nicht zu stillender Blutung eine weitere Anlage eines zweiten Tourniquets proximal des ersten.

nur 1, man soll es doch nicht übertreiben :wink:
außerdem stehen die hierarchisch nachgeordneten Mittel ja auch noch zur Verfügung; :smiley:

I finds gut dass das Tourniquet jetzt auch im LV Ktn eingeführt wird…
Und zwar nur auf den NEFs [SMILING FACE WITH OPEN MOUTH AND SMILING EYES][SMILING FACE WITH OPEN MOUTH AND SMILING EYES]

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Ich versteh die Begeisterung für das Ding nicht, es gibt anerkannte Alternativen (siehe oben), die nix kosten und in jedem Pfadfinder-Erste-Hilfe-Kasten sind.
Abgesehen davon, glaub ich, sind die tatsächlichen Fälle, wo mans brauchen könnte, verschwindend gering (im zivilen RD)
Ich fände einen Beckengurt auf jedem RTW viel sinnvoller

Also es kommt ein CAT auf den RTW. Aber sein wir einmal ehrlich die Wahrscheinlichkeit des Einsatzes wird ähnlich hoch sein wie die der Dreiecktücher mit Abbindeknebel. Wir können ja mal eine Umfrage starten, wer hat in den letzten 5 Jahren Maßnahmen zur Abbindung eingesetzt.
A. Im Rettungsdienst selbst angewandt
Wenn ja wie häufig und was für Mittel zur Abbindung
B. Privat
Wenn ja wie häufig und was für Mittel zur Abbindung
C. Wer hat eine Abbindung in der eigenen Dienststelle gesehen?
Wenn ja wie häufig und ist sie identisch mit Punkt A auch und was für Mittel wurden eingesetzt
D. Für anderes medizinisches Personal
Wer hat innerklinisch schon einen Patienten mit Abbindung aus dem extramuralen Bereich bekommen? Wenn ja wieviel Fälle und was für
Abbindemittel
Ich stell einmal ein
A. Nein
B. Nein
C. Nein
D. Beim Militär indirekt. Einmal nach IED - Anschlag auf ein Fahrzeug mit von unten gerichteter Detonation und einmal nach Detonation einer
Antipersonenmine. Ach ja und es wurde das CAT eingesetzt, da es jeder Soldat im Einsatz mitführt zur Selbsthilfe.
So und da wären wir dort wo meiner Meinung nach das CAT indiziert ist in der Kriegs- und Katastrophenmedizin!

Ist das noch kein Standard?!

Die beiden Vorposter haben das Problem richtig erkannt. Aufgrund der MPG Entscheidung, kein Medizinprodukt mehr in den Verkehr zu bringen sondern etwas zuzukaufen - ist die Entscheidung für mich verständlich, noch dazu wo es billig ist und keinen großen Platzbedarf hat.
Entscheidend, weil nach einer Patientenlagerung in einer Vakuummatratze ist kein nachträgliches anlegen eines Beckengurtes mehr möglich, gehörte ein entsprechender Gurt in jedes Fahrzeug welches zu Notfallpatienten entsendet wird. Und es würde bei einer „Umfrage“ herauskommen - welche Tools haben sie in den letzten Jahren im Einsatz gesehen, benötigt etc. Abbindung (nein), Beckengurt (ja);
Soviel zum Tourniquets. und zum Gurt, nein, nicht am „SEW“ es wird nur am Nef vorgehalten;

Ich sehe den Tourniquet auch in der Zivilen Rettung als durchaus brauchbare Ergänzung, nicht nur für „den großen Bumser“, sondern auch für die typischen Land und Forstwirtschaftlichen Unfälle mit ausgedehnten Extremitätenverletzungen etc.

Die Gefahr wird wie so oft darin bestehen, dass die Anwender die Indikationen nicht genau kennen, und dadurch wahrscheinlich eher zu oft sinnlos abgebunden wird.

Auch der Beckengurt ist meiner Meinung nach auf JEDEM Notfallrettungsmittel (also ja, auch auf unserm SEW) ein sinnvoller Ausrüstungsgegenstand. Entsprechende Ausbildung natürlich vorausgesetzt.
Ich selbst hätte im letzten Monat meines ZVD dringend einen benötigt (Person unter Baum), hab mich dann für einen provisorischen Beckengurt aus einer Alu-Rettungsdecke entschieden, welcher dann später vom NAH mit einer Sam-Sling ergänzt wurde. Das nachträgliche Anlegen des echten Beckengurts war in dem Fall kein Problem, da wir den Patient ohnehin auf die Vac vom Hubi umlagern mussten.

Ja, wird so gemacht, in Österreich.
Ist aber meinem Gefühl nach der größte denkbare Blödsinn.
Zuerst schaufle ich einen Pat vom Boden auf, bette ihn in eine Vakuummatratze, transportiere den Patienten wenige Meter, dann wieder Luft in die Matratze, den Patienten aus der einen raus (mit einem untergelegten Leintuch), in die andere Vac. rein und wieder absaugen, dann den Patienten wieder transportieren und wegfliegen :blush: .
Warum das ganze? nicht weil die Hubschraubermatratze besondere Eigenschaften braucht, die die bodengebundene nicht hat sondern weil in dem kleinen Land .at es nicht möglich ist, das Material rückzutauschen
etc…;
sollte es mich oder einen Angehörigen treffen, würd ich lieber dem bodengebundenen Rettungsmittel eine nagelneue kaufen als noch einmal umgebettet zu werden.

Das versteh ich jetzt nicht. Wir tauschen mit NAW/NAH immer die Matratzen. Bei uns wurde das noch nie anders praktiziert. Wir haben oft eine Vakuum vom NAH oder von einem Spital im RTW hängen. Ich habe gehört, dass sogar einmal die Trage mit der aus einem anderen RTW getauscht wurde um dem Patienten das Umbetten zu ersparen und weils viel schneller ging. Die Tragen wurden nach dem Einsatz wieder zurückgetauscht.