TECC: Taktische Wundversorgung in Terror-Lagen

Quelle: rettungsdienst.de

Ich denke so eine ergänzende Ausbildung für NFS/NA kann zukünftig mglw. vor allem in Ballungsräumen mit entsprechender Terrorgefahr sinnvoll sein.
Allerdings stellt das die dzt. Ausbildung und Kompetenzsituation des NFS/Nxx auf den Kopf… Und wer führt oder wird schon schon Cyklokapron am Fzg. mitühren…?

Also wir haben derzeit (noch) am NAW Cyklokapron mit. Wie es nach der NEF-Umstellung weitergehen wird weiß ich nicht.

ich denke mal viele NEFs/NAWs führen schon Cyklokapron mit. Also unserer Tut es jedenfalls und ist in ganz OÖ auf der LIste der Bestellbaren Medikamente, also werden es die meisten wohl auch mitführen (in OÖ)

desweiteren denke ich, dass so eine Ausbildung in Ö völlig sinnlos ist da kein Bedarf dafür besteht. Jagdkommando und Cobra haben jeweils Team-Intern Sanitäter mit, die gemäß TCCC ausgebildet sind und alle anderen Soldaten/Polizisten auch in erweiterer Selbst und Kamaradenhilfe. Ausrüstungsgegenstände wie Tourniquet, Israeli Wound Dressing und co gehören dort zum Standard und werden mitgeführt und eingesetzt.
Weiters gibt es die aussage, dass nicht Polizei/Militärpersonal nicht in die HotZone dürfen sondern dort ausschließlich Polizisten und Soldaten dort arbeiten dürfen und die Verwundeten an einen Übergabepunkt zu bringen haben. Dieser Übergabepunkt befindet sich außerhalb der HotZone bzw. dann auch außerhalb der Platinum 5 Minutes in denen TCCC wirklich spannend ist.
Dort gilt dann quasi normaler PHTLS/ALS. Dafür brauche ich dann kein Taktisches Militärisches Training…

Aber kommt sehr gut an bei Rambo/Ranger Sanis die am liebsten Bewaffnet dienst versehen würden…

PS: Als u.a. Bundesheer Notfallsanitäter bzw. jemand der seine Masterarbeit über TCCC geschrieben hat, kenne ich die Ausbildungsrichtlinien und den Fokus von TCCC bzw den Ansatz/Training von Bundesheer/Polizei. Das ist wirklich nichts für uns… (wenn auch sehr spannend und interessant - aber nicht anwendbar meine ich)

Viel wesentlicher fände ich Schulungen und Drills, welche die Zusammenarbeit mit Polizei, Bundesheer etc. in solchen Situationen üben. Angefangen von wie, was und wohin alarmiert die Leitstelle, wann ist die Bedrohung vorbei, wie kann ich bei aufrechter Bedrohung möglichst sicher arbeiten, Bergetrupps der Polizei? Bedeckung eines Behandlungsplatzes? Was muss ich als sani beachten damit die Polizei mich überhaupt schützen kann? Reicht mir die Info: „Polizei fährt auch zu od. Polizei schon vorort“ überhaupt aus, und was bedeutet das in so einem Fall? (klar beruhigt uns das bei einer tobenden Psychose aber siehe Annaberg/Paris bei einer Terror/Amoklage kann ich nicht einfach blindlings zufahren (lassen) nur weil vl 2-3 Streifenwägenbesatzungen sich irgendwo Vorort versteckt halten und um ihr Leben fürchten) usw…
Ich glaube, dass es da va für die Einsatzleiter Polizei/Rettung, aber auch für jeden einzelnen Sani viel aufzuholen gibt. Mein Ansatz ist immer folgender: was man selten (hoffentlich nie) macht, gehört oft geübt!
Denkt man sich die Gefährdungslage Amok/Terror weg, bleibt es nämlich „nur“ ein „normaler“ Großunfall/Großschadensfall der immer noch genug Gefahren birgt, die jedem einzelnen aber aus der Ausbildung (hoffentlich!) bewusster sind. Also ich denke nicht, dass man hier die gelehrte Katastrophenmedizin großartig adaptieren muss, und das auch der falsche Ansatz ist.
Trotzdem finde ich es gut immer wieder mal über den Tellerrand zu Blicken, also spricht insofern sicher nichts dagegen so einen Kurs zu besuchen [emoji6]

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Zum Lehrstoff gehört unter anderem:
• Verwundete aus der Gefahrenzone retten. //Trau ich einem Sani zu
• Blutstillung mittels Tourniquet. //Haben wir nicht
• Durchführung eines adäquaten Atemwegsmanagements bis hin zur Koniotomie. //AW-Management sollte auch so schaffbar sein, Koniotomie darf ich nicht
• Versorgung von Thoraxverletzungen bis hin zur Entlastungspunktion. //Entlastungspunktionen darf ich nicht, den Rest sollte ich auch so schaffen
• Einsatz von Hämostyptika und Packing zur Blutungskontrolle. //Darf ich nicht, haben wir nicht
• Etablierung eines adäquaten Zuganges (i.v./i.o.) und Bestückung. //Behaupte ich, auch ohne Kurs zu schaffen, i.o. darf ich nicht
• Management des hämorrhagischen Schocks (Volumengabe, Gabe von Tranexamsäure). //Behaupte ich, durch den Kurs nicht viel neues zu lernen, Tranexamsäure haben wir zwar auf den RTW, darf ich aber nicht
• Therapiestrategien: Gabe von Analgetika, Antibiotika. //darf ich nicht
• Evakuierung und zielgerichteter Abtransport. //Krieg ich her, glaub ich

Welchen Sinn ich in diesem Kurs sehe kann man, denke ich herauslesen
Das einzige, was mich wirklich interessiert, ist, wann in der präklinischen Notfallmedizin eine Antibiosetherapie indiziert ist :smiley:

OT: Es wird auch in Wien immer wieder diskutiert TNX auf die Liste 2 zu setzen. Bis jetzt ist der Nutzen nicht so eindeutig, dass man es auch wirklich macht.

Mit den neuen erc guidelines vl doch

Na ja…

Und die Quelle ist die CRASH-2 Studie*, die ist wirklich nichts neues.

haben wir erst seit der Umstellung auf die NÖ-weite Medikamentenbeladung (die dann auch auf den NEFs verwendet werden soll), wird es also nach derzeitigem Stand weiterhin geben (es sei denn, es wird zukünftig wieder gestrichen).

Meines Wissens handelt es sich bei Hämostyptika um Medizinprodukte und nicht um Arzneimittel, das dürfte also eigentlich auch ein Sanitäter nach entsprechender Einschulung verwenden (MPG-Klasse weiß ich leider nicht).

Haemostyptika sind Arzneimittel.
Auch wenn sie in der Form manchmal als Schwamm (TACHOSIL - Versiegelungsmatrix) oder als Pulver mit gefriergetrockneten Bestandteilen die z.b. auch mit Gelatineschwämmen kombiniert werden, sind es doch „nur“ Gewebekleber oder auch Fibrinkleber, die aus humanem Fibrinogen und aus humanem Thrombin bestehen und meist in der Form eines „2-Komponenten-Klebers“ vorliegen.
Daher fallen sie eindeutig unter das Arzneimittelgesetz.

Also ich kenne konkret die beiden Produkte Celox® und QuikClot® bzw. Bandagen die mit entsprechenden Granulat bearbeitet sind und sich daher zum Tamponieren von Wunden u.ä. eigenen würden. Bei Celox handelt es sich um ein MP der Klasse III (werde noch versuchen da die entsprechenden Unterlagen bzw. Quellen zu finden, ist jetzt wo man das mal braucht gar nicht so einfach) und bei QuikClot wurden wir bei der Einschulung vom Vertreiber (bzw. als wir es auf unserem Notarztmittel erhalten haben) darauf hingewiesen, dass es eben ein MP ist und kein Arzneimittel (haben es aber ohnehin nur am Notarztmittel und die Frage der Anwendung stellt sich derzeit so und so nicht außerhalb dieses Rahmes). Ähnliches wurde auch immer wieder in div. Kursen postuliert, von daher würde das zumindest erhebliche Fragen aufwerfen, wenn auch diese Produkte Arzneimittel sind.

Bin tendenziell auch der Meinung das es sich um MPs handelt und nicht um Arzneimittel. Hab aber keine Zeit zu recherchieren. Denke aber rein dem was bei mir noch so herumschwirrt, dass es dabei um die Anwendung AM Körper (also oberflächlich) und nicht um die Anwendung IM Körper geht.

BurnGel, WaterGel und die ganzen Dinger sind auch keine Arzneimittel, wirken aber dennoch durch chemische Reaktion auf den Körper. Aber eben nur auf und nicht im Körper.

Denke das wird hier genauso sein.

Danke für die Einsicht, kann tatsächlich gut sein, dass das eigentlich ein MP ist. Hab ich gar nicht bedacht.

Damit hast Du eindeutig Recht, beide Produkte scheinen im Codex nicht auf und die von mir erwähnten Produkte und Produktgruppen sind, da sie humane Proteine enthalten, Arzneimittel und werden an sich primär auch im OP bei z.B. Leber-OPs eingesetzt.

Bei Celox® und QuikClot® handelt es sich um eine haemostatische Wundauflage deren Anwendung auf äußerlich in Verbindung mit Druckverbänden vorgesehen ist, aber auch als Granulat direkt in tiefe Wunden (Stich/Schuss) eingebracht werden kann. Es sind keine humanen oder tierischen Proteine enthalten.

Celox® gibt es als Wundauflage/Gaze das mit einem Granulat bestehend aus Chitosan, einem Stoff aus dem Panzer von Krustentieren imprägniert ist welches u.a. koagulierend wirkt, oder aber auch als Granulat. Mit einem speziell zur Versorgung von Schuss- und Stichverletzungen gemachten Applikator kann Celox™ an tief in Wundhöhlen gelegene verletzte Blutgefäße gebracht werden. Der Celox™ Applikator wird, ähnlich einer großen Spritze, in die Wundhöhle eingeführt und ausgedrückt.
Chitosan ist ein Biopolymer, ein Polyaminosaccharid, eigentlich ein Abfallprodukt aus der Krabbenfischerei, und soll ein wahres Wundermittel gegen alles Mögliche sein, u.a. beim Abnehmen helfen usw., mehr dazu bei Tante Wiki.
Hier gibt es noch eine interessante kurze Studie über den Einsatz und die Wirkung einer ähnlichen chitosanbeschichteten Bandage im Einsatz bei den aktuellen Kampfhandlungen Irak/Afghanistan, Verwendung durch die Soldaten bzw. in den Feldspitälern.

QuikClot® ist z.B. mit Kaolin, einem Mineralstoff, imprägniert welches gerinnungsfördernd wirkt. Kaolin ist als „Porzellanerde“ bekannt und wird hauptsächlich in der Papier- oder eben in der Porzellanherstellung verwendet. Die eher komplexe Wirkung läuft u.a. über die Aktivierung des Faktor XII in der Gerinnungskaskade… NB: das Kaolin ist z.b. auch in Blutentnahmeröhrchen für die Bestimmung von Gerinnungwerten (z.B. PTT) enthalten.

Aus der Pflege kenne ich verschiedene Wundauflagen aus Alginaten, die zur lokalen Blutstillung eingesetzt werden können. Diese bilden wie Celox ein Gel, das lokal koagulierend wirkt und entweder die Gerinnungskaskade anstößt oder durch Abgabe von Ca++ auf die Thrombos wirkt.

zufällig darüber „gestolpert“:
Xstat Instructional „SEALS A GUNSHOT WOUND IN 15 SECONDS“

Ich habe mal die Punkte „Können wir/Machen wir eh“ bzw. die Punkte die wirklich rein militärischer Bedeutung sind entfernt.

Wir bleiben also bei:

  1. dem Tourniquet: Es ist meines Erachtens skandalös und unverantwortlich, dass es in Österreich bis heute trotz eindeutiger Studienlage quasi auf kaum einen Rettungsmittel ein Tourniquet gibt (das einfacher, schneller und sicherer handzuhaben ist als eine Abbindung mittels RR Manschette oder die konventionelle Abbindung mittels Dreieckstuch)! Noch viel schlimmer, dass die größte Rettungsorganisation tatsächlich immer noch unterrichtet: „Abbindung? Lieber nicht!“ (Stückkostenpreis im Einzel-Privatverkauf übrigens ~30€! - So etwas gehört auf jeden KTW!)
  2. zu den Thoraxverletzungen: auch hier gibt es effektives, nützliches und einfach zu handhabendes Material zur Versorgung von Stich/Schusswunden am Thorax um ohne langwierige Bastelei eine Abdeckung zu schaffen die der Bildung eines Spannungspneus vorbeugt. Zur Entlastungspunktion: Kaum ein NA-Mittel in Österreich verfügt über die geeigneten Entlastungspunktionsnadeln, obwohl auch hier mit Studien bewiesen ist, dass orange/graue Venflons oft zu kurz sind. - Auch hier wieder eine meiner Meinung nach unverantwortliche Bestückung der Notarztmittel. (Stückkostenpreis im Privat-Einzelverkauf ~15€, das sollte auch für jeden NEF/NAW drinnen sein)
  3. Wundversorgung mit Gauze ist ebenfalls in Österreich unverantwortlicherweise weder üblich, noch wird es gelehrt, noch wird entsprechendes Material vorgehalten (kostet nicht mehr als eine Mullbinde). Auch die Vorhaltung von Hämostatika wäre entsprechend dem aktuellen Stand der Wissenschaft in jedem Falle angebracht und notwendig. (Die genaue Einordnung ob Arzneimittel oder Medizinprodukt weiß ich ehrlich gesagt nicht - falls es ein Arzneimittel ist, dann gehört es eben auf die Arzneimittelliste 1 und damit für NFS freigegeben) - Jedenfalls gehört es auf jedes Notfallrettungsmittel.

ergänzend 4. Zur Gabe von Antibiotika: Hier geht es wohl um lange Transportstrecken zum Ort der weiteren medizinischen Versorgung. Dies ist natürlich gerade im militärischen Bereich durchaus ein nicht zu unterschätzender Faktor, hier kann es um viele Stunden gehen - und da glaube ich gerne, dass der Patient von einer frühen Antibiotikatherapie profitiert. - Gerade im Berg/Höhlen-Rettungsdienst wohl ebenfalls interessant, unter gewissen Umständen evtl. sogar im Regel-RD in abgeschiedenen Dörfern welche vielleicht bei schlechtem Wetter für einige Stunden von der Aussenwelt abgeschnitten sein können. Auch im Großschadens- bzw. Katastrophenfall kann es eventuell relevant werden, insbesondere bei einem großen Anfall mit vielleicht einigen hunderten Patienten der Kategorie II - Dringender Abtransport (jedoch ohne Transportpriorität), die also eventuell gar einen halben Tag auf eine Hospitalisierung warten müssen.

Kurz gefasst: Wie wir alle Wissen, ist die österreichische Notfallmedizin leider oft Meilenweit von internationalen medizinischen Standards entfernt. Gerade für seltene Ereignisse, wie Stich/Schuss/Explosions-Verletzungen ist die Ausrüstung und Ausbildung Mangelhaft. Für echte Großereignisse ist man bei allen Einsatzorganisationen, insbesondere bei Rettungsdienst, Polizei und Bundesheer sowieso nur mangelhaft gerüstet. Das Chaos und die Planlosigkeit bei den ersten Wochen des Flüchtlingsansturms haben uns bereits eindrucksvoll einen Vorgeschmack gegeben, was wir zu erwarten haben wenn mal was wirklich großes passiert. - Ich traue mir zu sagen, dass weder die materiellen, personellen, taktischen und organisatorischen Ressourcen bestehen um bei einem schwerwiegendem Terroranschlag etwa auf eine Großveranstaltung (Konzert in einem Stadion, Massenkundgebung, sonstige Großveranstaltung, etc.) eine einigermaßen kompetente und entsprechende Versorgung zu gewährleisten. Von etwaigen länger andauernden Großereignissen wie z.B. ein Chemieunfall, oder ein Reaktorunglück an unseren Außengrenzen welche also eventuell Evakuierungen von großen Gebieten notwendig machen würden, wollen wir da gar nicht reden.

Allgemein gilt einfach die „gute“ österreichische Devise: „Es wird scho nix passieren.“

könntest du bitte einen verweis auf die entsprechenden Studien geben, die zeigen dass das Tourniquet der „konventionellen“ Abbindung überlegen ist? (ich behaupte nicht, dass es nicht so ist, aber ich würds gerne selber nachlesen)

tut sie nicht. die Abbindung ist selbstverständlich teil der sanhilfe, und selbstverständlich nicht die ERSTE Maßnahme zur Blutstillung.

zu kurz? ein oranger venflon ist 5cm lang, das sollte in der regel reichen. Problem ist wohl eher zu dünn (Innendurchmesser orange: 1,7mm), das verpickt sich relativ leicht und ist nichts in relation zu einer echten bülau-drainage.

kann man also mMn diskutieren. wobei die Behauptung, dass solche nadeln in „kaum einem NA-mittel in Österreich“ vorgehalten werden, bis dato genau das ist - eine Behauptung.

Studien aus dem zivilen Bereich?

wenn ich einen großschadensfall mit EINIGEN HUNDERTEN Patienten der Kategorie II habe, dann hab ich auch sicher vor ort nicht genügend AB, believe me.
außerdem ist es wohl kaum sinnvoll, die Ausrüstung und Planung des regelrettungsdienstes für den fall eines großschadensfalls mit einigen hunderten Patienten auszurichten. dann sind wir nämlich eben bei kriegsmedizin, die wir im Regelfall zum glück nicht haben.

nein, das wissen wir nicht. das behaupten nur einige leute ganz gerne.
wenn man sich konkret anschaut welche „internationalen Standards“ das sein sollen, von denen wir „meilenweit“ entfernt sein sollen, wird’s schnell leise…

häufiges ist häufig, seltenes ist selten. wir sind nicht in Johannesburg, darum ists auch kaum sinnvoll, die vorhandenen (materiellen) Ressourcen in Unmengen von Ausrüstung zu verschwenden, die man eben nur selten braucht.

das möchte ich zurückweisen. im Gegenteil hat sich eher gezeigt, welche immensen materiellen und personellen Ressourcen in kurzer zeit mobilisiert werden konnten. bin mir nicht sicher, ob das in anderen ländern (zb im ver-falck-isierten Dänemark) auch so gegangen wäre.

die hat niemand, nirgends. das macht die Katastrophe eben zur Katastrophe.

so what? bunker bauen?

in dem fall eher: die Ressourcen sind begrenzt, setzen wir sie dort ein, wo wir sie tagtäglich brauchen, und nicht dort, wo wir sie vielleicht, vielleicht, vielleicht mal brauchen.

Das stimmt so definitiv nicht, nur nennt die Lehrmeinung des Roten Kreuzes in der SH genaue Indikationen bei denen abgebunden werden darf, wenn durch andere Maßnahmen keine ausreichende Blutstillung erreicht werden kann. Bei allen anderen Blutungen soll jedoch auf normale Blutstillungsmaßnahmen zurückgegriffen werden (Druckverband & Co). In der EH wird die Abbindung tatsächlich nicht mehr unterrichtet und das aus gutem Grund. Schließlich hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass viele Leute oft bei jeder Kleinigkeit abgebunden haben, auch wenn das gar nicht notwendig gewesen wäre und damit dann auch noch Komplikationen einhergegangen sind (falsche Anlage der Abbindung - Stauung statt Abbindung, falsches und ungeeignetes Abbindematerial bis hin zu solch „kreativen“ aber zugleich fatalen Lösungen wie Drähten zur Abbindung). In der SH dürfen Abbindungen hingegen nach wie vor laut RK-Lehrmeinung in folgenden Fällen angelegt werden:

  • Abtrennung oder Teilabtrennung einer Gliedmaße
  • Verletzung der Oberschenkelarterie
  • Ausgedehnte, stark zerfetzte Wunden an Gliedmaßen
  • Einklemmung einer Gliedmaße mit erkannbarer starker Blutung
  • Bei einem Massenanfall von Verletzen (wobei sobald ausreichend Personal vorhanden ist jede Abbindung nach Möglichkeit durch einen Druckverband ersetzt werden sollte)

ad Studien:
Mir scheints so als würde sich Kollege RedTiger auf die Studien und Ausbildungsinhalte der Trauma-Buchstabenkurse stützen.
Deren Erkenntnisse sind hauptsächlich ausm militärischen Sektor (die USA haben ja genug Kriege für ihre Studien).
Ich persönlich fände es schön Sachen wie Tourniquets oder Hämostatika mitzuhaben aber gebraucht hab ichs noch nie und ich bezweifle, dass ich es jemals brauchen werde.
Solche Verletzungen sind dann doch eher kriegstypisch und im zivilen RD äußerst selten → hatte jmd schon eine zentrale blutende Wunde, die mit manuellem Druck nicht beherrschbar war?

ad Entlastungspunktion:
Tatsächlich sind laut diesen Kursen die orangenen Venflons zu kurz und zu dünn

ad Abbindung:
Wird eig noch gelehrt, dass man nach 30 min die Abbindung lösen soll?
In den xxTLS-Kursen wird davon (glaub ich jetzt) nix erwähnt…

Danke Defi und Wüstenfuchs… ihr habt mir erspart, dass ich einen langen Beitrag tippe… :wink: