Mehr Wagen: Johanniter setzen erste Maßnahmen gegen Transport-Probleme
Mehrere Patienten hatten zuletzt von langen Wartezeiten für sogenannte „Sekundärtransporte“ berichtet: Um vom Landesklinikum Gmünd zu anderen Standorten transportiert zu werden, seien mitunter vier Stunden vergangen. Ein Grund dafür: Im Vorjahr wurde der Auftrag für diese Transporte an die „Johanniter“ vergeben, die ihren Sitz im Bezirk Gänserndorf haben. Die Organisation hat bereits erste Maßnahmen gesetzt und denkt weitere für eine bessere Versorgung an.
Notruf NÖ koordiniert Fahrzeuge innerhalb der Region
Seit über einer Woche stehen nun fünf Krankentransportwagen für Einsätze im Waldviertel zur Verfügung, wie die Johanniter auf Nachfrage bestätigen: „Die Fahrzeuge werden durch Notruf Niederösterreich disponiert und flexibel innerhalb der Gesundheitsregion eingesetzt. So können wir – je nach Tagesaufkommen – eine optimale Verteilung der Ressourcen sicherstellen.“ Die Fahrzeugkapazitäten in der Region seien so deutlich erhöht worden.
Der erste Krankentransportwagen beginnt seinen Dienst demnach um 5 Uhr morgens und fährt in Richtung Waldviertel – unabhängig davon, ob da bereits ein Transportauftrag vorliegt. Die weiteren Fahrzeuge werden im Laufe des Vormittags ebenfalls auf Anordnung von Notruf NÖ in die Region verlegt. Im laufenden Betrieb verbleiben die Fahrzeuge im Umfeld der Krankenhäuser.
Ein Aufatmen, aber mit weiteren offenen Fragen
„Liegt kein unmittelbarer Folgeauftrag vor, bleiben sie auch am Zielkrankenhaus des letzten Transports, um rasch wieder verfügbar zu sein“, erklärt Johanniter-Pressesprecherin Anita Bauer. Außerdem wird die Einrichtung eines eigenen Standortes in der Region geprüft. Hinter diesem Plan sieht der Verein #LKGmündbleibt aktuell noch Fragezeichen. Es sei zu klären, ob ein solcher Stützpunkt nicht aus öffentlichen Mitteln finanziert wird und die Transport-Konditionen auch dann günstig bleiben. Das Kriterium sei schließlich maßgeblich für die Vergabe gewesen.
Die Politik sieht zumindest erste wichtige Schritte – für die Abgeordneten Martina Diesner-Wais, Margit Göll und Sebastian Stark teilt die ÖVP mit: „Wir freuen uns, dass die Johanniter die angekündigten Verbesserungen für die Sekundärtransporte im Waldviertel rasch umsetzen.“ Es sei zu erwarten, dass die Fahrzeuge so rascher bei den Patientinnen und Patienten sein können. „Somit ist in einem ersten Schritt eine Abwicklung der Transporte aus der Region heraus gewährleistet“, heißt es.
Es muss halt immer erst was passieren, dass was geschieht.
Man findet zwar oft nicht sehr gute Worte über die Boulevard-Zeitschriften wie Heute und Krone aber man muss ihnen wirklich zugutehalten, dass sie solche negativen Vorkommnisse im Gesundheitsbereich fleißig teilen und somit den Druck auf die Regierung erhöhen. Das trägt sicher einiges dazu bei, dass was verändert wird.
“Es muss immer was passieren…” was ist denn passiert? Patienten mussten auf ihre Überstellung warten. Das passiert x-Mal täglich in ganz Österreich. Niemand kam dadurch zu Schaden. Verstehe dieses Bashing nicht, wenn eine andere Organisation den Zuschlag bekommen hätte, würde es genauso fix zugeteilte Autos geben, die auf gewisse Standorte aufgeteilt sind.
Das ist leicht zu erklären. Vor der Ausschreibung wurden Krankentransporte von einem in der Nähe befindlichen Rettungsmittel durchgeführt. Scheinbar war das für das arme Land NÖ zu teuer und es wurde eine Organisation damit beauftragt, dies unter Vertrag durchzuführen. Da mussten dann KTWs quer durch NÖ und es gab lange Wartezeiten bzw im Endeffekt mussten dann andere Lösungen gesucht werden (Notarzt macht den Transport, anstatt KTW). Scheinbar war weder die Anzahl der KTWs noch die Stützpunkte angemessen. Das wurde jetzt geändert, laut dem Artikel.
Nebenbei hast du Bashing mit Kritik verwechselt.
Nun auch aus Baden: Sekundärtransporte sorgen für Unzufriedenheit im Bezirk Baden | Kurier
Der Artikel hat eine Paywall…
Komisch, bei mir nicht? Im Wesentlichen wird nur kurz von der Neuorganisierung geschrieben. Betreffend Baden Zitat aus dem Artikel: “Als Beispiel dient der Fall eines Reha-Patienten, bei dem es nach einer Operation am Ohr zu lokalen Blutungen kam. Zur Abklärung sollte er in ein Krankenhaus gebracht werden. Die Rettung brachte ihn ins Krankenhaus Baden, wo es jedoch keine HNO-Abteilung gibt. Auf den Weitertransport durch die Johanniter habe der Patient rund vier Stunden gewartet.”
Da stellt sich mir wieder die Frage: wieso bringen die Kollegen ihn dorthin, wenn er dort eindeutig nicht behandelt werden kann.
Vermutlich wieder einmal, weil die HNO sich nicht abgemeldet hat…
Kollegen von mir sind im Sommer auch einmal mitten in der Nacht wegen Nasenbluten dort hin gefahren, da es die näheste HNO war. Sie haben dann um 3 Uhr nachts dort erfahren, dass sich die Ambulanz im AVN nicht angemeldet hat und sie nach Krems weiterfahren durften…
Wie soll das bitte gehen, wenn in NÖ die einzigen Spitäler mit einer HNO St. Pölten, Krems, Wr. Neustadt und Mistelbach sind?
IdR kennt man aber die Fachabteilungen der nächsten Spitäler, und ruft notfalls an, wenn man sich nicht sicher ist…
Bei so wenigen Infos wie in dem Artikel angegeben sind, ist das hier alles eher Kaffeesudlesen und ich bitte von Verurteilungen des Teams vor Ort abzusehen.
Wir kennen weder den genauen Patientenzustand, noch die vorhergegangene OP (interessant wäre auch wo diese durchgeführt wurde und ob dieses KH den Patienten genommen hätte). Auch wissen wir die genaue AVN Zuordnung für das KH Baden nicht. Nachdem es dort, soweit in der AVN Übersicht sichtbar, eine Notfallambulanz und eine Unfallambulanz gibt, kann es auch sein, dass ein stabiles HNO Problem die NFA anfahren kann. (mich verwundern immer wieder welche KHs bzw. Abteilungen, welche Zuordnungen haben; z.B. ist bei unserem Haus- und Hofspital Epistaxis stabil der NFA zugeordnet und erst ab dringend der HNO)
Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass im AVN auch kein HNO-Problem sondern etwas wie Kopfverletzung gebucht wurde und da wird dann natürlich die nächste Unfallambulanz vorgeschlagen. Die richtigen Stichwörter zu finden ist tbh manchmal gar nicht so einfach z.B. “Thoraxschmerz-nicht traumatisch” vs. “Brustschmerzen” = (N)STEMI und leider gibt es in der aktuellen Version nicht mehr die Übersicht bei der Auswahl wie früher.
Ich nehme an so wie Notfall Kutscher es beschrieben hat.
Auch Mistelbach übernimmt zeitweise HNO Patienten, wenn die HNO nicht offen hat. Stabile Blutungen werden dort auf der Unfall behandelt.
@ferno ähm Baden ist definitiv kein Spital in meinem normalen Einsatzgebiet. Ich habe meine 3-4 Standard-Spitäler, aber für so etwas wie Nasenbluten muss ich bei uns in der gegen leider an sehr vielen Spitälern vorbeifahren (Pat. kam aus dem Weinviertel)
Und nein! Ich rufe dort sicher nicht an jedes Mal an - genau dafür ist der AVN da. Aber das würde weiter oben bereits ausführlich diskutiert.
Man hat keine Ahnung was die Grundlage war, um den Pat. in dieses KH zu bringen. Ergo finde ich die Schuldzuweisungen unangebracht. Meiner Meinung nach ist es traurig, dass man lieber (aus Kränkung?) gegen andere Kollegen im RD querschießt, als dass man die zugrundeliegenden strukturellen Probleme anspricht.
Der AVN sollte eigentlich genau das verhindern, dass man überall anrufen muss.
Stimmt. Theorie und Praxis liegen leider weit auseinander. Um den Patienten die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten, und mir eventuelle Probleme zu ersparen, Frage ich bei Erkrankungen, bei denen ich mir nicht 100% sicher bin, dass die auch adäquat versorgt werden können, lieber telefonisch nach.
Das soll nicht Standard sein, bei den klassischen Erkrankungen etc. weiss man ja ohnehin, ob das Spital das entsprechend versorgen kann. Bei einer HNO Blutung hätte schon nachgefragt. - weil ich das auch noch nie hatte.
Das soll ja jetzt keine Schuldzuweisung sein, aber vielleicht ein learning fürs nächste Mal.
Wir wissen ja nicht einmal was genau in diesem Fall wirklich das Verletzungsbild war, genausowenig wie wir bei den diversen anderen Fällen die durch die Nachrichten gegangen sind wissen was sich den Kolleg:innen vor Ort geboten hat, weil keiner von uns dabei war. In letzter Zeit begiebt man sich im Forum wiederholt auf das Niveau von reißerischen Boulevardmedien, weil man ohne weitere Einblicke einfach Behauptungen oder Mutmaßungen anstellt.
Im Artikel vom Kurier wurde lediglich von einer “lokalen Blutung am Ohr” “nach einer Operation”. Ohne zu wissen was genau geblutet hat und was bei dieser Operation gemacht wurde, lässt sich doch hier ohne hellseherische Kräfte kaum sagen, was hier wirklich falsch oder richtig gemacht wurde.
Rein hypotetisch als Beispiel, angenommen mein Patient hat am Äußeren Ohr eine Wunde von einer Operation aufgrund von einem Dermatologischen Problem, diese Wunde blutet nun. Mein lokal gelegenes Krankenhaus hat eine Unfall/Chriurgische Ambulanz im Haus, das Uniklinikum mit Derma,HNO,etc. ist 1h Fahrzeit weg. Vielleicht liegt es an meiner limitierten Ausbildung als RS, aber in dem Fall würd ich die Wunde wohl auch erst einmal in der Chirugie vorstellen, wäre nicht das erste Mal dass nach einer OP eine Nat aufgeht oder dergleichen. Wenn dies Versorgt ist, kann das Krankenhaus den Patient noch immer zur Dermatlogischen oder HNO-Ärztlichen Untersuchung weiterschicken sofern man das als notwendig erachtet. Ich denke nicht dass ich in diesem Fall grob etwas falsch gemacht hätte obwohl ich mit einem Patienten, der nach einer OP, am Ohr geblutet hat, nicht direkt in eine HNO gefahren bin.
Selbstverständlich ist das alles nur Mutmaßung ohne die lokalen Gegegebenheiten und Arbeitsweisen, geschweigedenn den genauen Fall zu kennen, aber es reicht hoffentlich aus zu zeigen dass es nicht nur eine Art gibt diesen Fall zu betrachten. Es wird (berechtigterweise) immer so viel davon geredet dass es im Rettungsdienst essenziell ist sich nicht auf ein Problem, eine Erklärung oder eine Verdachtsdiagnose zu fokussieren, das Gesamtbild zu betrachten und diverse Möglichkeiten in Betracht zu ziehen - aber sobald es darum geht Fälle aus den Nachrichten zu beurteilen wird das scheinbar vollkommen vergessen und man versteift sich auch eine Sichtweise.
Ich hatte letztens einen Einsatz mit “Nasenbluten stabil”, Baden war laut System das nächstgelegene buchbare Krankenhaus. Dort wurden wir dann angeschnauzt, warum wir nicht nach Wiener Neustadt gefahren sind.
Aber wenn Baden für dieses Krankheitsbild nicht zuständig sein will – warum steht dann im AVN, dass sie es annehmen? Das ist doch dann ein Fehler des Krankenhauses bzw. der LGA. Wir können ja nur nach dem arbeiten, was uns das System vorgibt. Alles andere muss argumentiert werden. Und es kann nicht von uns erwartet werden, durchgehend zu wissen, wann welches Personal oder welche Gerätschaft vorhanden ist – und dann auch noch jeden AVN-Vorschlag auf Plausibilität zu prüfen. Schwerwiegende Krankheitsbilder werden sowieso telefonisch angemeldet - bei einem stabilen Nasenbluten sollte man sich auf das System verlassen können.