Mir kommt es vor, dass es seit diesen Artikel von Rohrbach sowieso in allen Printmedien (Krone, Kleine etc.) und den “üblichen” Verdächtigen wie OE24 und Heute nur um solche Geschichten geht.
Ich kann gar ned so viel speibm wie oft ich das Wort “Bananenrepublik” und “Unterversorgung” Im Kontext zu solchen Geschichten in den Kommentarsektionen von Social Media und Medien gesehen habe. In den periphersten Ecken von Österreich soll, am besten neben da Scheune mit die Milchkühe drinnen, ein voll ausgestatteter NAW stehen der , im Notfall, auch gleich OP’s macht. Und dann….NUR DANN…können wir noch die Leben Retten die durch unsere “Bananenrepublik” hier zu “Tode gespart” wurden.
Das Brutale ist ja , das ganz oft einfach nachgeplappert wird was manche Medien hier vorgeben. Von der Geschichte der Bergrettung (Wo es ja eine Stellungnahme und Richtigstellung gab), bis hin zu Fällen wo einfach schlicht und ergreifend keine Maßnahme geholfen hätte (Die Aortendissektion in Rohrbach beispielsweise).
In der Steiermark stirbt am Buchauer Sattel ein Junger Mensch und das einzige was in den Medien aufgeblasen wird wie ein Luftballon ist die Tatsache, dass der NAH nicht zufliegen konnte. Weil nur der Arzt hätte ihn retten können….NUR DER (Keine Laien-CPR , Kein First Responder oder ein Schnelles Rettungsmittel…NUR DER ARZT). Das die Anfahrtsstrecke für einen RTW dort fast 20min beträgt , das ist völlig egal (Aufschrei: Wir müssen in jedem Kuhkaff sofort einen RTW platzieren weil wir sind völlig unterversorgt…Ironie Off)
In Radmer stirbt ein Familienvater weil, welch Überraschung, wieder der Arzt zu Lange gebraucht hat. Das hier aber wieder andere Faktoren auch mitspielen (Nur auf einen Weg zufahrbar , im Winter oft zugeschneit , im Sommer teilweise durch Unwetter unterspült) wird hier völlig außer acht gelassen.
Mich zipfen auch viele Sachen am Rettungswesen an, aber das jetzt ist einfach nur eine Hexenjagd und ein verallgemeinern von Sachen , dass es nur mehr weh tut.
Wir haben in der Steiermark mit VirtEBA und einem Tool am Tablet allerdings genau diese Informationen bereits vereint. Ggf. ruft dann der NA oder der NFS nochmals an um spezielle Fälle zu Bestätigen.
Btw: ist des Absicht , dass hier Anstalten ohne Notaufnahme drinnen sind? Das NTK Kapfenberg und das GGZ (Albert Schweitzer Klinik) ist beispielsweise drinnen.
VirtEBA klingt interessant, genau in die Richtung sollte es gehen. Ich kenne nur den AVN aus NÖ. Läuft das flächendeckend und organisationsübergreifend in der Steiermark?
Die Überlegung wäre ja, dass so ein Tool nicht nur für die Präklinik (Rettungsdienste/Leitstellen) sinnvoll wäre, sondern eben auch für die Krankenhäuser Bundesweit zur gegenseitigen Koordination. Aber da ich nur in der präklinik tätig bin kann ich das nicht so gut einschätzen.
Zu den Anstalten ohne Notaufnahme gebe ich dir Recht. Die Daten kommen direkt vom Gesundheitsministerium. Derzeit sind alle offiziellen „Krankenanstalten“ eingepflegt. Mir ist schon auch von einem bekannten gesagt worden dass die Bettenzahlen so auch nicht genau stimmen.
Wie funktioniert bei euch die Datenpflege? Halten die KHs ihre Kapazitäten in VirtEBA selbst aktuell oder läuft das automatisch?
Ist langfristige Datenpflege durch KHs überhaupt realistisch?
Zum Punkt 3 - nein, und das gar nicht so aus böser Absicht.
Gerade bei so komplexen Themen wie Herzchirurgie o.ä. ist das Problem, dass da so viele Richtungen integriert sind (Notfallaufnahme, Chirurgen, OP-Team, Anästhesie, ICU, Kard.-Techniker, …) dass es kaum möglich ist, sich da ständig abzustimmen, ob jetzt gerade alle verfügbar sind. Abzustimmen, ob ein Schockraum (nicht) gesperrt wird, ist relativ einfach. Da spielen nicht so viele mit, und da muss auch nicht immer eine Definitivversorgung dahinter stehen.
Außerdem führt die technisch einfache Lösung zur Sperre erfahrungsgemäß zu einigen nicht zwingend notwendigen Sperren (z.b. für Schockraum - Unfall OA im OP = Sperre, obwohl der diensthabende Assi auch einiges versorgen könnte…). Ich fürchte, als jemand der 25 Jahre in verschiedenen KHs arbeitet, dass bei solchen Notfällen wie in Rohrbach das Telefon der sicherste und schnellste Weg ist. Auch aus rein psychologischer Sicht - wenn jemand anruft, der einen eindeutigen Notfall schildert, und entsprechend überzeugend ist - wird der Angerufene eher alles mögliche in Bewegung setzen, als wenn das einfach über ein Onlinetool gebucht werden kann.
Ich finde technische Tools (AVN, …) für den Standardnotfall super, bei so komplexen Sachen bin ich nicht überzeugt davon. Ein aktuelles Verzeichnis, wer welche Leistungen grundsätzlich vorhält (ändert sich ja momentan öfter) wäre toll - da würde ich mich aber definitiv auf kein Excel des Ministeriums verlassen…
Funktioniert für jede Organisation die sich die Software entsprechend am Car Tablet installiert.
Datenpflege/Sperren machen die Krankenhäuser selbst (Meist Oberärzte oder Chefärzte). Wenn eine Abteilung zu ist , kann man das entsprechend im VirtEBA eintragen und die Fahrzeuge können nicht zufahren (Außer man hat eine telefonsiche Rücksprache gehalten).
Wie sinnvoll das jetzt ist , dass für KH’s einzusetzen ist schwierig. Wie @webe schon richtig erklärt hat; Du hast halt im OP nicht nur DEN OP sondern mehrere Möglichkeiten (Thorax? Herz? Gefäss? Allgemeinchirurgisch? Aseptisch oder nicht?) die durch verschiedenste Teams abgedeckt werden.
Wenns jetzt um einen Fachbereich wie Stroke , Kinder oder Verbrennungsbett geht stelle ich es mir einfacher vor.
Wieder ein klassischer Fall von “Artikel und Überschrift passen nicht zusammen”
Einerseits heißt es im Artikel , dass es in Oberösterreich gar keinen Nachtflug gibt, keinen Absatz später jedoch , dass es nur das Wetter war was den Transport nicht möglich gemacht hätte.
Inzwischen dürfte aber schon mehrfach erwähnt und klargestellt worden sein, dass die Patientin faktisch zu Instabild war um diesen Transport durchzuführen….Da hilft auch kein Nacht-NAH was.
Ein Mann verstarb im Auto an einem Herzinfarkt. Die Frau alarmierte den Portier des KH, der wiederum die Rettung, weil lt. interner KH-Richtlinien die Ärzt:innen nur für KH-interne Patient:innen zuständig währen. In weiterer Folge verspätet sich die Rettung, worauf erneut Alarm im KH ausgerufen wird. ES eilten dem Mann zwei Ärzte zur Hilfe. Diese verbrachten den Mann zugleich in den Schockraum, wo sie ihn schlussendlich erfolglos reanimierten.
Quelle: ZIB / Instagram
Kommentar: Irgendwie sieht das für mich alles so aus, als ob die Medien zurzeit jeden Fall mit Todesfolge raussuchen und sich darauf stürzen. Von dem abgesehen, das jeder Tod tragisch ist, manche könne man verhindern, und manche wiederum könnte auch keine fahrende ICU / NAW neben dem Kuhstall, wie der Kollege vorhin schön formuliert hat, retten.
Naja… das sehe ich etwas differenzierter. Solch hochspezialisierte Einheiten wie eine akute Herzchirurgie sind meistens sehr autarke Teams in den Kliniken, die eng zusammenarbeiten. Es müssen hier nicht 6 verschiedene Berufsgruppen befragt werden ob es denn geht oder nicht. Die Ressource ist frei ? Ja/Nein bzw wenn Nein, ab wann ? Hier wäre eine technische Lösung sogar recht einfach. Die Intensivkapazitäten dahinter sind eine völlig andere Story, die das Haus in den meisten Fällen selbst lösen muss und nicht die Klinik die den Patienten zur Operation schickt. Warum ? Wenn der Patient nicht zutransferiert wird sondern das Glück hat direkt in das Klinikum eingeliefert zu werden, welches diese Behandlung auch anbietet wird man das genauso machen und tunlichst versuchen sich ein Intensivbett freizuschaufeln bis die OP fertig ist. Das ist ein für die meisten Kliniken völlig normales Vorgehen und funktioniert eigentlich immer. Die Suche nach dem Intensivbett kann in diesem Fall nicht die Aufgabe der zuweisenden Klinik sein. Die telefonische Kontaktaufnahme ist zwar in vielen medizinischen Fragen wichtig aber für die Informationsweitergabe und nicht für eine Herbergssuche. Sonst is das eher hinderlich - denn von der Ferne, ohne den Patienten jemals gesehen zu haben ist eine Absage immer recht einfach. Das hat jetzt auch nichts mit der ( hohen ) Mortalität der zB Typ-A Dissektion zu zun, die ja Fakt ist. Das heißt aber in einem Land wie Österreich nicht, dass man nicht versucht auch diese Fälle zu therapieren oder zu retten. Und selbst die medizinischen Informationen könnten digital übermittelt werden.
Als jemand der in der IT tätig ist, sind solche Diskussionen für mich immer ein Wunder. Eine einfache, bundesweite Plattform ist für einen Dienstleister mit entsprechenden Frameworks eher eine Arbeit auf Minuten. Die Daten(ein)pflege ist ein 3-Wochen Projekt für einen besseren Ferialpraktikant. Das schwierigste ist die Integration von Live-Status in bestehende Krankenhausinformationssysteme oder alternativ die Unterweisung der Verantwortlichen aller Häuser, dass sie da jetzt etwas pflegen müssen. Aber die Berichterstattung, dass man als Arzt Häuser durchtelefonieren muss ist schon irgendwie skurril. Für mich nicht überraschend, weil wir ja sowieso kein allgemeines Bettenmanagement in OÖ haben, aber trotzdem skurril.
Ich glaube ja eher, dass KH Verwaltungen einfach nicht wollen, dass man sieht wie oft gewisse Abteilungen gesperrt sind wegen Unterbesetzung oder “Systemupdates”.
Es werden manche Kliniken, wenn sie zusammen gehören, nur auf einen Standort angezeigt. Bsp: LK Horn-Allentsteig wird nur in Horn angezeigt oder LK Baden-Mödling wird nur Baden angezeigt
Wien hat so ein System (intern) schon lange, die Krankenhäuser müssten dort eintragen, wenn etwas nicht verfügbar ist - sei es weil die Kapazitäten erschöpft sind, weil es bereits belegt ist, weil etwas technisch nicht funktioniert, das Team gerade anderwertig gebunden ist, etc.
Es muss trotzdem immer angerufen werden (durch die Leitstelle) - eigentlich nur um den Patienten anzukündigen. In der Realität ist es ein Verkaufsgespräch und nicht selten endet es damit, dass plötzlich die Annahme des Patienten doch nicht möglich ist, weil leider gerade das Meerschweinchen der Tochter des Oberarztes Junge bekommen hat und er deshalb momentan gerade verhindert ist. (Ich hoffe die sarkastische Überspitzung entgeht niemandem.)
Also ja, so ein System ist nett - aber eben nur so gut wie es mit korrekten Daten gefüttert wird. Außerdem müsste ein “Grün/Verfügbar/etc.) eben auch bedeuten, dass der Patient auch kommt und nicht irgendwer noch sagen kann, nachdem ihm ein Patient angekündigt wird: Oooooh, nein geht jetzt gerade leider doch nicht.
Das System in NÖ dürfte da von der Grundidee her sehr ähnlich sein, also wird auch von den Spitälern gefüttert. Da ist für die Präklinik nur die Akutversorung (sprich Ambulanzen & Schockräume) relevant. Anrufe zur Anfrage oder dergleichen gibt es keine, lediglich können bei bestimmten Symptomen (Psychiatrisch, Neurologisch,…) informative Gespräche zur Ankündigung geführt werden. Bei einer Schockraumbuchung bekommt das KH zusätzlich einen automarisierten Anruf zur Information.
Danke auf jeden Fall für die ganzen Rückmeldungen! Es mangelt anscheinend nicht an der technischen Umsetzungsmöglichkeit, sondern viel mehr an der politischen und organisatorischen Bereitschaft. Selbst ein bestehendes System wie in Wien funktioniert nicht richtig, wenn die Verbindlichkeit fehlt.
Falls jemand eine bessere/aktuellere Datenquelle als das Excel vom Ministerium kennt, würde ich mich sehr freuen! Dann kann ich zumindest ein aktuelles Verzeichnis anbieten. Die Website bleibt mal so wie sie ist vorerst online, vielleicht hilft sie ja wem.
Du hast halt in diesem System das Problem, dass kein Computerprogramm/Excelliste die vielen Variablen abbilden kann die es gibt. Es kann halt nur eine Person (Arzt/Pfleger) vor Ort einschätzen wie schnell der OP frei wird/besetzt werden kann oder wie schnell ein Intensivbett freigemacht werden kann.
Klar, ein definitives “Ja/Nein” kann dir so ein System nie geben, aber wenn du weißt, das 5 Häuser “grundsätzlich Nein” sind, kannst du bei dem einen anrufen wo noch ein Platz als frei angezeigt wird.
Ohne mit solchen Situationen und Begebenen vertraut zu sein, aber ist es möglich, bzw. ergibt es Sinn einen Hubschrauber aus einem anderen Bundesland für eine Verlegung ganz woanders hin anzufordern?