Zu dem Dossier möchte ich zum derzeitigen Zeitpunkt lieber nichts sagen, zu der daraus entstandenen Diskussion eigentlich noch viel weniger, mit folgender Ausnahme:
Es ist nicht erforderlich, dass sich die immer selben Personen, teilweise aus dem komplett anderen Ende von Österreich (und mutmaßlich ohne jegliche Berührungspunkte mit dem System) jeden Thread, kaum dass sie an die Existenz der ACN erinnert werden, kapern und sich daran abarbeiten. Dafür gibt es schon ausreichend Threads. ACN kommt in diesem Dossier von 71 Seiten in genau drei Sätzen vor (!), in keinem Wort im Konnex mit rettungsdienstlichen Aufgaben.
Niederösterreich ist derzeit das einzige Bundesland, in dem Acute Community Nurses (ACN) – aktuell an sechs 24/7 Standorten, die auf 10 ausgebaut werden sollen – disponiert werden bzw. der Rettungsdienst auf eine nachgehende Akutsozialarbeit (24/7) zurückgreifen kann
Außerdem werden auch in Tirol Überlegungen zu einer Implementierung
von präklinischen Versorgungsdiensten analog den Acute Community Nurses angestellt.
Außerdem wurden durch die Einführung der Acute Community Nurse und Akutsozialarbeit seitens Notruf Niederösterreich und des Landes Niederösterreich Ressourcen zur erweiterten Versorgung und Vermeidung von nicht indizierten Hospitalisierungen geschaffen.
Daher halte ich das für entbehrlich und möchte an ein dezentes BTT erinnern. Vielen Dank.
Das Beispiel zeigt sehr gut was in Ö im Gesundheitssystem (dazu gehört auch die Paliativbehandlung/pflege) schief läuft. Da hat der Rettungsdienst aber schon gar nichts zu suchen.
Da muss einem ja schon der (Haus)Arzt klar machen, dass es diese romantische Vorstellung von man schläft einfach friedlich ein und aus ist es, nicht stimmt. Da muss man auch den Angehörigen mitteilen, dass sie sich eine Paliativpflege holen sollen oder einen Bereitschaftsarzt. Auf keinen Fall die Rettung, die muss noch zum reanimieren Anfangen und kann nicht einfach daneben zusehen bis jemand (gewollt oder nicht) stirbt.
Es gibt Organisationen die das heute schon machen.
KH-Praktika verlängern
Bei der MA70 und ADIUVARE hast Du die Doppelte Zeit.
Veränderte Rolle des NFS (nicht mehr „nur“ Assistent des NA, sondern Transportführer am RTW) klar regeln
Ist tatsächloch nicht im SAN-G geregelt. Weder das eine, noch das andere. Aber in Wien ist das bereits heute klar im Rettungsdienstgesetz geregelt. Im Burgenland nun auch.
Curricula für NFS und RS, die noch aus 2001 stammen, an die veränderten Rollen anpassen
Das schaffst Du nicht mehr. Da ist der Zug meist abgefahren. Die „Übernommenen“ Kollegen vom NAW Wien beispielsweise sind großteils nicht mehr im Dienst.
NFS-Theorieausbildung verlängern und in der Themenwahl modernisieren, besonders, was > Untersuchungsmethoden (z.B. Auskultation, EKG) und Teamlead (zB CRM) angeht
Bei MA70 und ADIUVARE lernst Du das ausgiebig und kannst das dann auch. Beispielsweise mein EKG Kurs hat mich rund 2 Wochen Vollzeit in Anspruch genommen. Auch CRM wird bei einigen Anbietern mit INPASS involvment gelehrt. Generell ist bei den Besagten die Ausbildung entspechend verlängert. Also das vorgegebene laut SAN-G wird als „Minimum“ angesehen.
IO-Zugang als zusätzliche NK (geht am Verordnungswege)
MA70, JHU geben IO für NKI frei. MA70 wird das nun auch für NKV freigeben, da man das als „peripheren Venenzugang“ definiert.
NKA und NKV zusammenfassen und erweitern (mit deutlich mehr Praxistrainings)
Die Ausbildung ist bei fast allen HIORGS kombiniert, Wiederum nur ADIUVARE bildet von Anfang an bis NKV aus. Das eine geht nicht ohne das andere.
Dies soll keine Werbung für die eine oder andere HiOrg oder Ausbildung sein. Aber es gibt Ausbildungen, die das eben schon mit erfolg machen. Just saying.
Ist zwar wieder OT, aber ich möchte auf deinen Post reagieren. Danach lass ich es auch, versprochen .
Du darfst mich gerne direkt nennen in deinen Posts, wenn du ein Problem mit mir oder meinen Aussagen hast, das vertrage ich schon und hab’ kein Problem damit.
Warum du meine drei Posts in denen ca. 50% Lob für die ACN sind als „Thread kapern und daran abarbeiten“ betiteln willst, verstehe ich nicht.
Was meine geografische Entfernung mit der Relevanz meiner Meinung zu tun hat, darfst du mir auch gerne erklären. Vll. machen wir einen Graph, Entfernung zu Relevanz der Meinung? Dann kann ich mich künftig danach richten .
Abgesehen davon, vll. nochmal den Background um etwas Verständnis bzw. Validität zu meinen Äusserungen zu bringen:
In Vlbg. sind schon eig. seit es NEFs gibt, die NEFs Bregenz, Dornbirn und Feldkirch 24/7 zusätzlich zum NA und NFS mit einem Pfleger der Anästhesie oder Intensiv besetzt (hin und wieder sogar auch mit der Zusatzqualifikation NFS).
Zufällig grad in den Bezirken in denen ich viele viele Jahre Dienst getan habe.
Ich habe also vmtl. mehr Einsatzerfahrung mit Pflegern als jeder andere hier im Forum und kann auch einschätzen welchen Benefit die Pflege in Notfallsettings gegenüber dem NKV+ bringt, weil ich es in hunderten Einsätzen selbst erlebt habe. Merke: Ich rede hier nicht von Akutpflege, sonder Notfällen!
Solange es keine unabhängige Evaluierung gibt, die das Gegenteil beweist, sehe ich keinen Grund meine Meinung über den Haufen zu werfen.
Es geht mir auch absolut nicht um die menschliche oder fachliche Zusammenarbeit, die sollte in einem professionellen Setting sowieso außer Frage stehen und ich kann mich auch an keine einzige Situation erinnern, in der das nicht geklappt hätte.
Und falls es nicht deutlich herausgekommen ist. Ich finde das Konzept absolut gut so wie es kommuniziert ist.
Manche dieser Punkte erfüllen diverse Kurse bereits jetzt durchaus (ja, auch im RK). Aber das ist nicht der Punkt: die in der San-AV festgehaltenen Curricula stammen noch aus 2001, als die Rolle des NFS eine ganz andere war. Das muss sich in einem für ganz Österreich angepassten Curriculum widerspiegeln, nicht nur in einzelnen Kursen.
Und bei den Praktika geht es mir nicht um 80h statt 40h, was das SanG ja bereits jetzt erlaubt (bis zu 160h übrigens) - sondern um mehrere Wochen oder Monate. Gerade im RD - so meine Erfahrung - ist die Lernkurve sehr flach, da tatsächlich kritische Patienten und bestimmte Maßnahmen (von der RSI über die CPR bis zum schweren Trauma) trotzdem relativ selten sind. Im Spital ist die Lernkurve meiner Erfahrung nach weit steiler.
Und 2. Edith: dass der IO-Zugang bei manchen Organisationen unter „NKV“ subsummiert wird und das keine Konsequenzen hat, liegt ausschließlich daran, dass der RD in Österreich zum allergrößten Teil unter dem Radar der Aufsichtsbehörden läuft. Während ich sanitätsdienstlich überhaupt kein Problem mit dem IO-Zugang für NFS prinzipiell habe, so halte ich diese Auslegung als „periphere Vene“ für nicht nur gewagt, sondern im Ernstfall niemals standhaltend. Diese kleine Änderung (und eine Verordnung ist genau das: eine kleine Änderung) würde da erhebliche Rechtssicherheit bringen.
PS: Wenn jemand in einer Studie ein wirtschaftliches Interesse am Erfolg eines Produktes hat, z.B. als Miteigentümer, und das nicht ausdrücklich ausweist, würde das zu Recht „ethisches Fehlverhalten“ genannt werden. Just saying.
Ich habe leider erst in den letzten Tagen die Zeit gehabt um das Dokument ein wenig zu Studieren.
Im gesamten finde ich es leider nicht sehr gelungen. Aufgrund einiger Ungenauigkeiten und Fehler entspricht es nicht dem gewohnten Standard des BVRD.
Neben einigen Ungenauigkeiten die schon aufgezeigt wurden habe ich auch auf S.65 in dem Auszug aus dem Papier von der ÖGARI etwas gefunden:
In der Linken spalte, sind Tätigkeiten die bereits „unter Anwendung von Notkompetenzen (teilweise) möglich“ sind.
Ein kurzer Blick in die Scope of Practice Matrix vom RKNÖ zeigt aber dass - zumindest in NÖ - das absaugen über Tracheostoma und div. Tätigkeiten bei Frakturen bereits durchgeführt werden (ohne Notkompetenz).
Auch die bereits gezeigte Grafik die die Kompetenzen dem NACA-Score gegenüberstellt finde ich irreführend. Denn die Definition eines NACA III ist (DocCheck):
Stationäre Behandlung erforderlich, häufig auch notärztliche Maßnahmen vor Ort
Nach der Definition kann auch der dipl. NFS nicht alle NACA III alleine Fahren - oder habe ich da was übersehen?
Über dem ganzen Steht auch bei mir natürlich, dass eine Anpassung des Gesetzes an die gelebte Praxis - und darüber hinaus dringend notwendig ist.
Die Frage, inwiefern ein diplomierter Notfallsanitäter bzw. ein NFS mit akademischem Abschluss (BSc) in einem ärztlich unterstützten System notwendig ist, stellt sich besonders im Kontext Österreichs. In einem Land, in dem sich die Etablierung eines Facharztes für Notfallmedizin an politischem und standespolitischem Widerstand spießt (aus Angst, man könnte den Internisten, Chirurgen oder Anästhesisten etwas „wegnehmen“), bleibt die Entwicklung moderner präklinischer Versorgung auf der Strecke. Vieles soll bleiben wie vor 30 Jahren.
In meiner Wunschvorstellung existiert der „NFS-BSc“ oder „Diplom-NFS“ mit klar erweiterten Kompetenzen. Dieser könnte eigenverantwortlich unter anderem folgende Aufgaben übernehmen:
Leitung einer einfachen (nicht-traumatischen) CPR inkl. Abbruchentscheidung
Versorgung traumatologischer Patient:innen (außer Polytrauma) und Überführung in den Schockraum
Therapie von Rhythmusstörungen
Analgesie (mit oder ohne Opiaten)
Rechtssichere Belassung vor Ort
Management von Krampfanfällen
Versorgung von STEMI/OMI
Versorgung von Patienten im Peri-Arrest
Sedierung bei psychischen oder neurologischen Notfällen
Behandlung von Elektrolytentgleisungen (mit BGA-Interpretation)
Management von Anaphylaxie
Anwendung nicht-invasiver Beatmung (NIV)
Versorgung unkomplizierter Intoxikationen
Betreuung unkomplizierter Geburten
Durchführung ausgewählter invasiver Maßnahmen (z. B. Thoraxdrainage)
Der Notarzt (idealerweise Facharzt für Notfallmedizin) würde dann primär zu folgenden Einsätzen hinzugezogen:
Trauma-Reanimation
Reanimation bei Kindern und Säuglingen
Komplexe Rhythmusstörungen im Kindesalter
Komplexe oder seltene Intoxikationen
RSI
Polytrauma
Komplizierte Geburten
Auf Anforderung des NFS-BSc/Diplom-NFS
Diese Aufgabenbereiche lassen sich durch eine fundierte, mehrjährige Ausbildung mit strukturierter Fortbildung sicher abbilden. Es handelt sich um Notfallszenarien, die keine langjährige klinische Erfahrung voraussetzen, sondern vielmehr durch strukturierte Algorithmen und kontinuierliches Training bewältigt werden können.
Warum ein eigener Facharzt für Notfallmedizin? Viele der oben genannten komplexen Aufgaben (z. B. REBOA, Thorakotomie, Kinderintubation bei erschwertem Atemweg, Cric) werden derzeit nicht von allen Notärzt:innen sicher beherrscht. Dennoch könnten sie theoretisch zu solchen Fällen geschickt werden, und können diesen Patienten nicht die Behandlung zukommen lassen, die sie verdient haben. Das zeigt: Auch auf ärztlicher Ebene besteht Reform- und Fortbildungsbedarf.
Realistische Entwicklungsschritte
Angesichts der wirtschaftlichen Lage und des Sparkurses in Österreich ist die Umsetzung eines vollständig neuen Systems kurzfristig unrealistisch. Eine Entwicklung hätte bereits vor zehn Jahren beginnen müssen, als wir das Geld dafür noch hatten.
Was aus meiner Sicht aktuell realistisch ist:
Gesetzliche Überarbeitung der NFS-Kompetenzen (politischer Konsens erkennbar)
Flächendeckende Einführung der NKI-Ausbildung und Einsatz auf jedem RTW
Erhöhung der Theoriestunden für NFS (NKI) von 380 auf 700 Stunden
Zusammenführung von NFS mit NKA/NKV und NKI in ein strukturiertes Modell
Freigabe folgender Maßnahmen:
i.o.-Zugang
Kardioversion und externes Pacing (nach Rücksprache oder bei NEF auf Anfahrt)
Einführung einer Medikamentenliste „AML3“ (Tele-NA freigegebene Medikamente)
NIV
Spannungspneumothorax: Entlastungspunktion oder Fingerthorakostomie
Opioidgabe unter AML3-Freigabe
Einsicht in ELGA
Rechtssichere Belassung mit Tele-NA
Woundpacking, Chest-Seals
Qualitätssicherung & Rahmenbedingungen
Verpflichtende Mindestdienstzeit für Freiwillige mit erweiterten Kompetenzen: z. B. 40h/Monat bzw. 480h/Jahr
Erweiterte Fortbildungspflicht: 60h/2 Jahre (30h Theorie, 30h Szenarien-, Skilltraining)
Regelmäßige Überprüfung und Aktualisierung freigegebener Maßnahmen (soll Stillstand verhindern und die Kompetenzen der NFS an aktuellen medizinischen Konsens anpassen)
Strukturelle Anpassungen
Einheitliche Ausstattung und Aufbau aller RTW
Jeder RTW sollte mit mindestens einem NFS besetzt sein
Reform der Rettungssanitäter-Ausbildung: von 100h Theorie auf 200h; zusätzliches Klinikpraktikum
Der Weg weg vom rein freiwilligen System ist noch weit, aber diese Erweiterungen wären ein realistischer, kostentragbarer und medizinisch sinnvoller Zwischenschritt – zum Wohle der Patient:innen und zur Stärkung des Berufsbildes Notfallsanitäter:in in Österreich.
Auch aus Eigennutz wäre eine Reform des Systems wünschenswert: ich will in der Zukunft als Notarzt auch nicht zu einer Analgesie, oder einem simplen Trauma fahren - das kann ein NFS genau so gut wie NA, nur dass der NA hier ein Overkill ist.
Ich danke dir für deinen, meinem Beruf gegenüber unglaublich wertschätzenden Beitrag.
Für mich ist das DAS Beispiel, warum es eine allgemein als „richtige“ Berufsausbildung anerkannte 3-jährige Ausbildung mit FH-Abschluss braucht. Damit es eine Berufsgruppe gibt, deren unbestrittene Identität die präklinische Versorgung ist. Für alle anderen ist die Präklinik im besten Fall engagierte Nebentätigkeit, im durchschnittlichen Fall lustiges Hobby und im schlechtesten Fall lästiger Wurmfortsatz. Schau dir die Notarztsysteme an und wie sie geleitet werden, schau dir die Forschung an, schau dir die Karrieren engagierter Ärzt:innen an. Warum hat Nerdfallmedizin ein Ende gefunden - weil die Protagonist:innen jetzt innerklinisch Karriere machen.
Die Etablierung eines Berufsfeldes mit Anschluss an den Hochschulsektor führt automatisch zu Forschungstätigkeit - nicht durch Ärzt:innen, sondern durch Sanitäter:innen. Die müssen nämlich die viel anstrengendere präklinische Forschung betreiben - weil’s ihr Job ist, sie dafür brennen, aber auch, weil sie sich nicht in die (bequemere) Klinik absetzen können.
Wenn es einen Beruf gibt, in dessen Zentrum die präklinische Versorgung steht, dann wird die präklinische Versorgung automatisch besser. Deshalb 3-jährige Berufsausbildung auf FHs und anschließende Master- und PhD-Programme.
So, zweiter Teil.
In meiner Wunschvorstellung existiert der „NFS-BSc“ oder „Diplom-NFS“ mit klar erweiterten Kompetenzen. Dieser könnte eigenverantwortlich unter anderem folgende Aufgaben übernehmen:
Wir müssten jetzt vermutlich jede einzelne Maßnahme analysieren: Welche Kompetenzen sind erforderlich (Skills, Wissen usw.), wie viel Training Input braucht es?
Ich denke, dass eine (entscheidende) Erweiterung der Kompetenzen bei einer 3-jährigen Berufsausbildung (RS bis NKI, nicht „nur“ NFS) gar nicht sinnvoll ist. Unter Anerkennung der gesamten Student Workload (inkl. SEF, FÜK, PAL, Dienststunden erwerben…) sind wir aktuell in dem Bundesland, in dem ich mir das angeschaut habe, bei ca. 2 Jahren. Das Upgrade aufs 3. Jahr ist meines Erachtens einfach nur dazu da, eine gute Bildungsqualität zu bieten und das Selbststudium ein wenig zu reduzieren, und z.B. ganz einfach mehr Trainingstage anzubieten, noch ein Praktikum in einer hausärztlichen Ordination usw. Dann kannst du zuverlässig das machen, was NKI in einigen Rettungsdiensten bereits jetzt machen (MA70, RK Graz, RK NÖ ist noch ein Stückerl weg aber auch schon weit).
Wirklich neu und für mich absolut systemrelevant und dringend notwendig wäre eine deutlich bessere Kompetenz im Bereich Primary Health Care/Community Paramedicine. Das brauchen wir wirklich.
Wenn ich nämlich deinen Kompetenzkatalog durchgehe, dann sind da - aus meiner Sicht - viele Dinge drauf, die wir jetzt im Prinzip auch schon können, uns aber halt nicht so trauen. Wenn die MA70 oder das RKNÖ jetzt fürs ACS Vendal auf die AML schreiben, ist das allen völlig wurscht. Die NFS arbeiten seit Jahren mit anderen Analgetika, wenn da jetzt Vendal dazukommt, schauen sie sich die SOP an, zucken drei Mal mit den Schultern und gut is es.
Es sind aber auch viele Dinge drauf, die wir ruhig bei NÄ belassen können. Einfach deshalb, damit die noch eine Arbeit haben. Wenn wir die NÄ nämlich wirklich nur mehr zu den Indikationen schicken, die du genannt hast, dann kommen wir á la London mit einem NA auf 20 Millionen EW aus. Das wird logistisch schwierig. Auch wenn ich rein von der Logik bei dir bin!
Ich denke, ein vernünftiger Kompromiss wäre, mit einer entsprechenden Berufsausbildung die „Unter-Anerkennung“ zu beenden, die Ausbildung teilnehmer:innenorientierter zu gestalten, bestehende jetzt schon theoretisch mögliche Kompetenzen tatsächlich flächendeckend zu operationalisieren und NEU Kompetenz im Bereich Primary Health Care/Community Paramedicine zu schaffen. Weil dort wirds quantitativ wild in den nächsten Jahren… und das interessiert einfach niemanden, weil es halt keinen Beruf gibt, der sein Zentrum in der präklinischen Versorgung hat und dazu forscht. Ah, ich beginne mich im Kreis zu drehen.
Wie viele Chefärzte sind denn wirklich als Notärzt:innen tätig und sehen die Auswirkungen ihrer Entscheidungen? Wie viele sind Notärzte, die nicht mehr als die einfache Analgesie und das simple Trauma zusammenbringen?
(Also vielleicht will ja wirklich einmal jemand ein Stakeholderverzeichnis zusammenstellen, wo das drinsteht.)
Ich bin grundsätzlich ganz bei dir – mit einer Einschränkung: Ich finde nicht, dass man Sanitäter:innen bestimmte Kompetenzen vorenthalten sollte, nur damit Notärzt:innen noch genug zu tun haben. Wenn man das System wirklich neu denken will, darf es keine Arbeitsbeschaffung für Notärzt:innen sein.
Das wäre nicht nur teuer, sondern auch wenig sinnvoll. Genau so entsteht ein System wie in Deutschland, in dem die Sanitäter:innen zwar (teilweise) sehr gut ausgebildet sind, aber ihr volles Potenzial nicht ausschöpfen können – einfach weil man am klassischen Notarztmodell festhält.
Meiner Meinung nach braucht es nicht so viele Notärzt:innen – einige wenige, hochqualifizierte für die komplexen Einsätze würden völlig ausreichen.
Aber das ist nur mein Standpunkt – ich möchte dir deinen selbstverständlich nicht absprechen.
Ok, dann ergänze ich. Weil wir nämlich glaub ich eh das Gleiche wollen.
Ich habe das mit Blick auf eine gewisse bildungsökonomische Effizienz gesehen. Es gibt:
einfach zu erlernende Tätigkeiten, die man oft braucht (puh… EKG kleben)
einfach zu erlernende Tätigkeiten, die man selten braucht (Druckverband, Standard-ALS-CPR…)
aufwändig zu erlernende Fähigkeiten, die man oft braucht (professionelle Haltung entwickeln, Betreuung und Beratung älterer Menschen mit Exazerbation chronischer Erkrankungen…)
(sehr) aufwändig zu erlernende Fähigkeiten, die man selten braucht (die blöde Intubation, Thoraxdrainage, Kinderpolytrauma-Narkose…)
Ich frage mich da bei jeder Tätigkeit, wer das am besten tun kann. Es bringt nämlich Frustration, wenn sich die Ausbildung auf die aufwändigen, aber selten benötigten Dinge fixiert - schau nach Deutschland und was Teilnehmer:innen berichten bzw. wo die Ausbildungszeit großteils draufgeht.
Und da finde ich, dass sich die zwei Berufsgruppen gut ergänzen können: Klinisch tätige Notärzte können Skills hinausbringen, die sie in der Klink regelmäßig anwenden und Sanitäter sollen das können, was sie draußen regelmäßig anwenden können.
Und daraus muss man im Prinzip ableiten, wer was tun soll. Und ein bisserl halt schon auch von der Einsatzfrequenz. Wenn ich in ganz Österreich am Tag nur mehr 5 Notarzteinsätze habe, dann ist das (zumindest im heutigen System) nicht mehr abbildbar.
„Teamleading im komplexen präklinischen Notfalleinsatz“ gehört für mich übrigens nicht in die Kompetenz der Notärzte. Die sollen sich auf das konzentrieren, wofür wir sie brauchen: den (wirklich) schwierigen Atemweg managen usw. Den Teamlead kann ein Sanitäter üblicherweise deutlich besser machen. Ist halt im deutschsprachigen Raum nicht ganz üblich…
Danke, sicher einer der besten Beiträge zum Thema SAN-Gesetz in diesem Forum.
Fakt ist: die richtige Maßnahme muss zum richtigen Zeitpunkt am Patienten von der bestgeeignetsten Person durchgeführt werden und der Patient muss in der richtigen Zeitspanne beim richtigen Endversorger landen.
Das ist alles was im Rettungsdienst zählt.
Das Upgrade aufs 3. Jahr ist meines Erachtens einfach nur dazu da, eine gute Bildungsqualität zu bieten und das Selbststudium ein wenig zu reduzieren, und z.B. ganz einfach mehr Trainingstage anzubieten, noch ein Praktikum in einer hausärztlichen Ordination usw. Dann kannst du zuverlässig das machen, was NKI in einigen Rettungsdiensten bereits jetzt machen (MA70, RK Graz, RK NÖ ist noch ein Stückerl weg aber auch schon weit).
Seh ich genauso. Es gibt wirklich wenige Maßnahmen, die ich als Niederösterreichischer NKV wirklich vermisse. Zugegeben, ein I/O Zugang, eine NIV-Beatmung oder ein Opiat hätten hier und da Vorteile, aber öfter merke ich das es mir einfach an Hintergrundwissen mangelt.
V.a. wenn es weniger kritische Probleme sind, komme ich schnell an meine Grenzen.
Ist halt auch kein Wunder, genügend Notfallspezialisten (NFS.de, EMT-P, etc.) mit dazugehöriger fahrender Intensivstation kann sich halt kein Mensch leisten diese zu jedem verzwickten Darmwind zu schicken. Ist ehrlich gesagt auch völlig daneben. Deshalb gibt es auch in den meisten Ländern der Welt ALS und BLS Ambulanzen. In Deutschland hat man mit dem NFS.de zwar ein sehr gutes Berufsbild geschaffen, hat aber völlig vernachlässigt auch ein niedrigstufigeres Ausbildungskonzept zu vereinheitlichen und zeitgemäß in den Rettungsdienst einzubinden.
Ist auch genau so. Die Kurse sind Einzelkurse welche aber unter einem Gesamtkurs angeboten werden. Die Leute haben 3 Prüfungen und bekommen 3 Zeugnisse. Die Staffelung ist so, jeweils zwischen den Kursen auch die beiden Wiederholungsprüfungen eingeplant sind.