AML-Sammelthread

Bundesweit? Ich befürchte Schlimmes für meine Steiermark haha!

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Kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Die Bundschulung und die Medizinisch-Wissenschaftliche Leitung sowie die Chefärzte gehen da mit der MA70 d’accord und sehen es als “ab NKI”. Der ASB ermöglicht die NKI Ausbildung und erteilt auch die entsprechenden Ermächtigungen.

Natürlich wären Abweichungen aufgrund der Organisationsstruktur des ASB möglich - im Rahmen von Gruppen/Landesverbänden welche rechtlich eigenständige Rechtspersönlichkeiten sind. Da in Kärnten das operative Geschäft jedoch mittelbar dem Bundesverband im Rahmen einer GmBH unterstellt ist (ähnlich im Burgenland und in Tirol), ist dort ein Abweichen so gut wie ausgeschlossen.

Werden dabei große Änderungen erwartet? Soweit ich mich erinnern kann war Keta/Mida bereits 2023 auf der Österreich-Liste :thinking:

Aktuell fehlen belastbare Daten zur Anwendung Keta/Mida durch NKV. Wenn die Niederösterreicher die PEPPER-Studie publiziert haben und darin steht, dass NKV in der Lage sind Keta/Mida sicher anzuwenden, dann stehen die Chancen besser zurückhaltende Chefärzte umzustimmen.

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Ich sehe das sehr kritisch. Das sind 2 Medikamente die viel klinische Erfahrung benötigen um sie sicher (!) anzuwenden, aber man als NKV jedoch so gut wie keine klinische Erfahrung hat. Da gibt es sicher genügend Schauergeschichten… die letzte die ich erst gehört hab, war, handelte von einem „übermotivierten“ NKV der einen gehfähigen jungen Mann mit bauchschmerzen in die „nicht-mehr-gefähigkeit“ gespritzt wurde. Niemand der genug über diese Medikamente weiß, hätte sowas gemacht. Das nur als Beispiel… natürlich gibt es auch genügend positive Beispiele…

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Diesbezüglich hält sich der medizinisch-wissenschaftliche Beirat ziemlich bedeckt. Gerüchte gibt’s zwar viele, aber nichts handfestes. Was halt zwangsläufig dazu wieder führt, dass diese natürlich erneut verstärkt wird.

Wie oben bereits erwähnt: Was aber halt realistisch wäre, ist eine Überarbeitung, wie sie auch von der MA70 geplant ist. Gerade im Hinblick auf NÖ wäre es umso begrüßenswerter, wenn für die Regionen mit einer ausgedünnten NEF-Versorgung eine Alternative zur Hand wäre.

Spätestens aber im Frühjahr wissen wir halt mehr

Sowie man das mitbekommen hatte, teilt der ASBÖ ebenfalls (zurecht) diese Ansicht. Bei den NKIs gab es ja einzelne, vor allem NEF Lenker, die sich beschwerten dass sie nicht einfach von heute auf morgen im Alleingang eine Sedoanalgesie machen durften. Da wurde ja seitens des QM vorgeschrieben, das vorher eine gewisse Anzahl an Anwendungen dokumentiert und bestätigt werden müssten. Erst danach durften diese es selbstständig anwenden.

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Sehe ich auch so. Es ist ja völlig verrückt solche Medikamente auf die breite Masse an NKV loszulassen ohne dass die überhaupt wissen was das überhaupt ist. Aber ich denke das ist ein Ergebnis des Konkurrenzdrucks der HiOrg gegenüer der ACN. Man will eine ähnliche AML haben, aber dass es da an ganz anderen Dingen scheitert, bedenkt man scheinbar nicht.

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Wenn man dem Chefarzt vom RK Nö glauben darf, gab es bis jetzt nicht eine einzige kritische Komplikation bei Keta durch NKV im LV Nö. Und das bei hunderten Anwendungen.

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Wenn wir schon beim passenden Thread sind:

Ein Kollege vom ACN Stützpunkt in PL meinte letztens, dass eine Nalpuhin Freigabe für die ACN im Gespräch sei. Wäre spannend, ob das wirklich käme

Da wäre die oben erwähnte Studie sehr spannend. Schade halt, dass die nicht öffentlich zugänglich ist.

Die ACN haben eh auch jetzt schon Opiate zur Verabreichung nach TNA Freigabe.

Dann muss das wohl stimmen, das RK ist ja bekanntlich sehr offen und gibt Fehler immer sofort zu (und preis). :wink:
Und ab wann es „kritisch“ ist liegt wohl auch zur diskussion. Den von mir zitierten Fall kann man auch als nicht kritisch abhandeln, aber es kann sich ja jeder selber ein Bild davon machen… Als Angehöriger hätt ich vor Ort dem Sani den Kopf abgerissen und ich hoffe jeder hier hätte das selbe gemacht, der Wert auf Qualität und Patientensicherheit legt.

Naja können wir nicht. Woran sollen wir erkennen, dass es sich bei deiner “Schauergeschichte” um eine Fehlbehandlung gehandelt hat? Schließt die initial vorhandene Gehfähigkeit bei einem jungen Patienten automatisch starke Schmerzen aus?

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Mehr Kontext: Alarmierung durch Patienten, dieser wollte wegen Bauchschmerzen transport in KH. Wollte selbst die Stiegen runterkommen und unten auf die Rettung warten, wovon vom Calltaker/Dispo abgeraten wurde. RTW fährt zu, spritzt ihn nieder. Verlangt später einen zweiten RTW-C zur Tragehilfe, da sie zu zweit den Patienten nun nicht mehr aus dem 2. Stock befördern können.
Klassisches Beispiel der Selbstüberschätzung.

Aber um deine Frage zu beantworten: ja, gehfähige Patienten mit bauchschmerzen würde ich kein Ketanest/Dormicum geben. Trotz (oder aufgrund) der Tatsache dass ich viel klinische Erfahrung mit den Medikamenten habe und regelmäßig auf der Intensiv damit arbeite.

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Das wäre so bei uns im Burgenland zb. gar nicht möglich, weil Keta/Mida ausschließlich fürs Trauma ist. Außer ein TNA gibt es für andere Schmerzen frei.

Abgesehen davon, dass bei Bauchschmerzen wohl Morphin gscheiter wäre, das aber halt leider noch nirgends flächendeckend zur Verfügung steht.

Die beschriebene Situation ist zwar fürs System mühsam, dem Patienten gehts aber vermutlich gut dabei. Den quälen nämlich keine Bauchschmerzen mehr. Wir wissen doch, dass Oligoanalgesie im Gesundheitssystem ein großes Problem ist, weils halt einfach bequemer ist, keine ordentliche Analgesie zu machen. Ich brauch weniger überwachen, hab gefühlt weniger Risiko… denkts doch an die durchschnittliche Unfallambulanz. Das ist ein Wahnsinn, wie es da zugeht - “Schmerzen muss man halt aushalten” ist falsch, das ist nicht mehr so.

Natürlich kann man nicht alles wegzaubern, aber Patient:innen haben ein Recht auf eine angemessene Schmerztherapie.

Und zumindest im beschriebenen Fall ("deswegen hamma ein zweites Auto gebraucht”) geht es offenbar um die Bequemlichkeit der Behandler:innen und des Systems, nicht um die Bedürfnisse des Patienten.

Vielleicht tust du dir da auch schwerer, gerade weil du auf einer Intensiv arbeitest. Zumindest ich möchte ja bei Analgesie im RD nicht die bestehenden Defizite einfach auf den Rettungsdienst replizieren, sondern ich will, dass der Rettungsdienst das besser macht. Wir haben die Chance dazu, weil wir der einzige Gesundheitsberuf sind, der regelhaft über längere Zeit 1:1 behandelt und auch persönlich überwachen kann. Diese Chance sollten wir nutzen.

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Von Juni 2024 bis Mai 2025 377 Anwendungen um genau zu sein.

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Eine Frage von jemandem der keine klinische Erfahrung hat:

Mit dem Algorithmus gibt es die klare Vorgabe alle 5 Minuten 0,125mg/kg KG bis zu 4 mal. Ein NKV kann nur entscheiden ob eine weitere Dosis verabreicht wird anhand des NRS oder eben nicht. Wie hilft mir die klinische Erfahrung dabei?

Du hast das sehr treffend formuliert, leider erlebe ich solche Situationen ständig. Aussagen wie „Schmerztherapie ist nicht indiziert“ bei offensichtlich starken Schmerzen oder „Die paar Minuten geht das schon“ kann ich wirklich nicht mehr hören. In den meisten Fällen ist es schlicht ein Bequemlichkeitsthema.

Dazu gibt es etliche wissenschaftliche Arbeiten, die sich u.A. auch in einschlägigen AWMF Leitlinien widerspiegeln.

Falls es wen interessiert
  • Anwari J. S. (2008). Pain management: citizenship or human right?. Anesthesia and analgesia , 106 (2), 678. https://doi.org/10.1213/ane.0b013e318161979d
  • Brennan, F., Carr, D. B., & Cousins, M. (2007). Pain management: a fundamental human right. Anesthesia and analgesia , 105 (1), 205–221. https://doi.org/10.1213/01.ane.0000268145.52345.55
  • Brennan, F., Carr, D., & Cousins, M. (2016). Access to pain management—still very much a human right. Pain Medicine (Malden, Mass.), 17(10), 1785–1789. doi:10.1093/pm/pnw222
  • Brennan, F., Lohman, D., & Gwyther, L. (2019). Access to pain management as a human right. American Journal of Public Health, 109(1), 61–65. doi:10.2105/AJPH.2018.304743
  • Cormack, A. (2019, October). ESRA19-0632 Inappropriate pain relief: is it negligence or breach of human rights? Late Breakers, A270.2-A270. Presented at the Abstracts of the European Society of Regional Anesthesia, September 11-14, 2019. doi:10.1136/rapm-2019-esraabs2019.494
  • Cousins, M. J., & Lynch, M. E. (2011). The Declaration Montreal: access to pain management is a fundamental human right. Pain, 152(12), 2673–2674. doi:10.1016/j.pain.2011.09.012
  • Fishman S. M. (2007). Recognizing pain management as a human right: a first step. Anesthesia and analgesia , 105 (1), 8–9. https://doi.org/10.1213/01.ane.0000267526.37663.41
  • Hall, J. K., & Boswell, M. V. (2009). Ethics, law, and pain management as a patient right. Pain physician , 12 (3), 499–506.
  • Johnson S. H. (2007). Legal and ethical perspectives on pain management. Anesthesia and analgesia , 105 (1), 5–7. https://doi.org/10.1213/01.ane.0000268148.38688.e7
  • Kutzer, K. (2008). Is there a right to freedom from pain? Legal aspects. Deutsche medizinische Wochenschrift (1946), 133(7), 317–320. doi:10.1055/s-2008-1046713
  • Lohman, D., Schleifer, R., & Amon, J. J. (2010). Access to pain treatment as a human right. BMC Medicine, 8(1), 8. doi:10.1186/1741-7015-8-8
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Und gibt es die für NKI? :wink:

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