Überlegungen bei dem Gehalt RD und Ausbildungsverbesserung

Ich seperiere einmal das Thema aus NEF - Wien, da es jetzt garnichts mehr mit dem Ursprungsthema zu tun hat. Derzeit kann ich mich nur zeilerkommentator anschließen

weil seien wir einmal ehrlich ein nicht unbeträchtlicher Teil im Rettungsdienst sieht sich eher als „Taxifahrer“ welcher einen Patient von A nach B bringen muss, die Stabilisierung des Patienten ist fast nicht notwendig und die Erfassung von Vitalwerten ist meist auch nicht erforderlich und wenn es doch geboten gewesen wäre findet sie nicht statt. Auch wenn ich mich jetzt der Gefahr aussetze gesteinigt zu werden, aber für das was der RS macht ist die Bezahlung eigentlich noch zu hoch.
Wenn man dann von einer dreijährigen Fachhochschulausbildung spricht sehe ich 2.200 € Einstiegsgehalt auch als realistisch an, da ich da das Einstiegsgehalt der DGKPP als Referenz ansetzen würde. Nur müssen wir uns auch vor Augen führen, wenn ich alle die derzeit im „Rettungsdienst“ tätig sind in einen Topf werfe vom Zivi mit RS, über haupt und ehrenamtliche RS , NFS mit oder ohne NK’s bis zum Notarzt, dann könnte ich hier 20 Prozent abschöpfen, welche tatsächlich rettungsdienstlich Tätig sind und 80 % die nur Taxi fahren und wenn ich jetzt den Wiener KV - Taxi nehme, dann brauchte für den Fahrer nur noch 1.000 - 1.200 € Brutto zahlen und das wären 848 € bzw. 1.018,56 Netto.Also würde bei 80 Prozent gespart werden können und das nur bei den Fahrern. Wenn hinten noch jemand sitzt für die „Betreuung“ wie der ÖRK - Präsident das so schön bezeichnet, dann ist das im Sinne der Personenbetreuung und da gibt es garkeinen Kollektivvertrag, da wird ab 30 € am Tag geschafft :astonished: in der Regel ist man um die 70 € für den Tag, aber bei 24h. Wenn man das dann auf 40h umlegen würde, dann wäre man bei 490 € Brutto wovon einem 415€ etwa blieben. Gut soweit runter geht es dann zwar wahrscheinlich auch nicht, aber das nur zur Verdeutlichung das der RS derzeit auf hohem Niveau klagt.
Für die Berechnung setze ich Fahrer und Sanitäter im Gehalt gleich, was dann ausverhandelt würde steht auf einem anderen Blatt.
Daraus ergebe sich das 80 Prozent einen Reallohnverlust von rund 40 Prozent hätten. Von den verbleibenden 20 Prozent wären wiederum etwa 80 Prozent welche mit einer ein bzw. zweijährigen Ausbildung auskämen. Womit als Einstiegsgehalt etwa 1.950 € realistisch wären, was 300 € mehr als derzeit wäre. Die vier Prozent die jetzt noch bleiben von der Anfangsmenge umfassen die derzeitigen NFS - NKs aber auch die Notärzte. Das bedeutet, bei vier Prozent würden rund 600 € mehr schlagend und jetzt rechnen wir das mal auf die Gesamtheit um
80 Prozent verlieren 600 €
16 Prozent erhalten 300 € mehr
4 Prozent erhalten 600 € mehr
macht insgesamt eine Einsparung von rund 40.000 € im Monat bei 100 Mitarbeiter und das unterschreiben einem sowohl die Kostenträger, als auch die Politik sofort und einige haben ihre verbesserte Ausbildung auf FH Niveau!

Ich verstehe zwar, warum bzw. woher diese Folgerung kommt, aber ganz so einfach ist’s auch nicht.
Ich gebe nur mal einiges zu bedenken, was sich sehr wohl von einem „Einzelhandel“ oder „Taxifahrer“ unterscheidet:

  • Das persönliche (!) Risiko als Einsatzlenker beim Thema Unfall
  • Das persönliche (!) Risiko als Transportführer beim Thema Dokumentation
  • Die gesundheitlichen Spätfolgen durch das oft vorhandene, schwere Tragen von Patienten (egal ob Notfall oder nicht!)
  • Die Ernährungsproblematik im RD (Stichwort Fastfood)
  • Die 365/24/7 Schichten und wechselnden Tag- und Nachtdienste

Das sind jetzt mal nur Sachen, die mir sofort und spontan eingefallen sind und unabhängig von der „präklinischen“ Verantwortung sind.

Insofern finde ich es nicht ganz fair zu behaupten, dass ein RS im Normalfall um nix mehr Gehalt verdient hätte als eine Kassakraft beim Billa…

@ SSCH902 die von dir aufgezählten Punkte sind zwar richtig, aber ich kann bei jeder der von dir eingebrachten Anmerkungen und Begründungen mindestens einen Beruf nennen, welcher von diesen Aspekten auch betroffen ist und trotzdem weit weniger als ein RS verdient. Wir sollten uns vor Aufen halten, dass der Kollektivvertrag eine Maßnahme des ÖRK zur Sicherung seiner Marktposition unter Nutzung des Nationalrates war, um für private Anbieter die Tätigkeit im Krankentransport und Rettungsdienst zu verteuern und somit unatraktiv zu machen.

Dem lässt sich gegenüber halten, dass bei einer Trennung Rettungsdienst und Krankentransportdienst folgende Punkte von SSCH902 leicht für die Organisation zu entkräften wären:

  • Das persönliche Risiko als Einsatzlenker fällt weg, da der Krankentransportfahrer kein Blaulicht am Dach hat und keine Einsätze fährt
  • Die Dokumentation beim Krankentransport wird sich auf das Erfassen der Personendaten beschränken, um der Krankenkasse nachzuweisen, wen man wann wohin geführt hat - andere Dokumentation wird kaum notwendig sein. Da seh ich persönlich so gut wie kein Risiko, sofern man Ausweis und e-Card richtig abschreiben kann bzw. ein Lesegerät für die e-Card einführt.
  • Gesundheitliche Spätfolgen sind nicht von der Hand zu weisen - da wäre eine forcierte Ausbildung in richtige Hebe- und Tragetechniken sowie ev. verpflichtender Dienstsport sicher günstig
  • Ernährungsproblematik fällt meiner Meinung nach in den persönlichen Einflussbereich eines jeden selbst - schließlich zwingt mich ja niemand, die fette Pizza am Abend zu bestellen anstatt eine gesunde Jause vorbereitet mitzunehmen
  • 365/24/7 wird beim reinen Krankentransport eher die Ausnahme sein - das müsste dann halt durch die Leitstelle auch am Telefon entsprechend kommuniziert werden. Wer dann um 3 Uhr in der Früh den Rettungsdienst als Krankentaxi missbraucht muss halt rigoros eine Rechnung über die tatsächlich entstandenen Kosten bekommen. Das würde sich vermutlich rasch selbst regulieren.

Bitte nicht falsch verstehen - ich gönne jedem mehr Gehalt. Aber es ist bei immer kürzeren Budgets vor allem im Gesundheitssektor eher unrealistisch, dass alle mehr Geld bekommen werden.

Das ist beim Krankentransport ganz sicher so, allerdings nicht bei der Notfallrettung. Hier ist die Erfassung von Vitalwerten - mit Ausnahme von psychiatrischen Patienten - eigentlich Standard. Eine Behandlung ist vor Ort zwar oft nicht notwendig - oft wäre sie zwar sinnvoll ist dem Sanitäter jedoch nicht gestattet - ein Notarzt würde oft länger benötigen als den Patienen ins Krankenhaus zu bringen, sehr wohl ist jedoch so gut wie immer eine strukturierte Anamneseerhebung und Dokumentation um den Patienten der richtigen Behandlung im geeigneten Krankenhaus auf der richtigen Abteilung zuzuführen.

@ Redtiger was du anführst stimmt, aber das sind die 20 Prozent für die es ein mehr an Ausbildung bedarf und damit auch an Gehalt die restlichen 80 % sind noch nicht einmal Krankentransport, sondern nur Unterstützung und Betreuung von Personen mit Einschränkungen in der Mobilität. Also müsste ich richtigerweise „Rettungsdienst“ in Anführungsstriche setzen, da es in Österreich nicht unterschieden wird. Denn in Österreich ist alles „Rettung“ und bei dem Alles ist in 80 Prozent kein Rettungsdienst drin und damit es eher beim Taxi zusehen.

Ich finde die Gehaltsdiskussion etwas plakativ.
Krankentransport ist nicht taxifahren, auch nicht wenn es real nur Krankenbeförderung ist. Nicht ohne Grund übernehmen die Krankenkassen die Kosten, die können das nicht von der Steuer als Spende absetzen!
Ich denke die Unterschiede zur Kassiererin beim Billa an der Kasse sind so gravierend, dass sich dieser Vergleich selbst adabsurdum führt.
Unterschiede zum Taxifahrer sind ebenso zahlreich. Zum einen ist seit Servolenkung und Automatikgetriebe (schwere) körperliche Arbeit nicht bei beiden Seiten gleich. Auch Infektionsgefahren sehe ich nur in einer der beiden Berufsgruppe. Auch darf nur einer der beiden Sauerstoff (Medikamente) verabreichen.
Wenn der RS sooo schlecht ist und nur autofahren und reden kann, dann würde er nicht so verbreitet in der derzeitigen NFR sein.
Es findet sich halt nicht leicht eine Berufsgruppe mit ähnlichen Anforderungen, am ehesten wohl ein Hilfs- bis Facharbeiter im 3-Schichtdienst. Das entspricht in etwa dem aktuellen (eher weniger).
Wenn man den NFS akademisiert muss auch das Gehalt entsprechend sein, die Verantwortung wird dementsprechend sicherlich steigen - es sind ja dann keine/weniger Notärzte verfügbar, und das planmäßig!

Na wenn man genau hinsehen will, muss man halt auch sehen, wie der Rettungsdienst in Österreich großteils funktioniert:
Die Gemeinden kommen nicht einmal annähernd ihrer gesetzlichen Verpflichtung den Rettungsdienst zu stellen bzw. jemanden damit zu beauftragen (und dafür zu bezahlen) nach. Der Rettungsdienst wird vielmehr durch unnötige „Krankentransporte“ welche die Krankentransporte zahlt querfinanziert. So funktioniert das System seit Jahrzehnten, die Gemeinden sind glücklich - denn sie zahlen nicht viel, die Organisationen sowieso dank kostengünstiger Zivis fährt man gutes Geld ein und alles ist gut, den Krankenkassen war es lange Zeit egal, da der Rettungsdienst im Vergleich zu anderen Leistungen nur einen geringen Prozentsatz der Gesundheitskosten ausgemacht hat.
Wie man merkt, ist es den Krankenkassen in letzter Zeit nicht mehr egal und die unnötigen Spazierfahrten mit den KTWs werden zunehmend abgedreht. Nicht wenige Dienststellen krachen deshalb bereits. Bei den Wiener Privaten Organisationen werden KTWs und Personal abgebaut…

Die Querfinanzierung über unnötige Krankentransporte ist ein Krankheitssymptom des österreichischen Rettungsdienstes.

Tatsache ist: Es gibt in Österreich viel zu viele schlecht ausgebildete Kräfte, viel zu wenig gut ausgebildete Kräfte, zu wenige echte RTWs, dafür viel zu viele KTWs (nennt das ganze von mir aus auch ALS/BLS oder SEW, oder was auch immer…), in weiten Teilen zu wenige Notärzte insbesondere wenn man die geringen Kompetenzen des österreichischen Sanitäters und die mangelnden Fahrzeugausstattungen ansieht.
Sinnvoll wäre Trennung in

  1. KTW/BLS-Ambulanz → fährt notwendige qualifizierte Krankentransporte (und das sind nicht viele), sowie Notfälle bei denen eine Vitalgefährdung des Patienten nicht zu erwarten ist (Alpha+Bravo Codes nach AMPDS), ein solches Fahrzeug sollte entsprechend EN 1789 Typ B ausgestattet sein und mit einem Lenker mit einer Ausbildung die dem RS entspricht, sowie einem Transportführer dessen Ausbildung dem NFS entspricht besetzt sein.
  2. RTW/ALS-Ambulanz → Fährt Notfälle bei denen eine Vitalgefährdung des Patienten nicht auszuschließen ist, einzutreten droht, oder bereits eingetreten ist (Charly, Delta und Echo Codes nach AMPDS), das Fahrzeug sollte der EN 1789 Typ C ausgestattet sein. Der Lenker sollte zumindest über eine Ausbildung auf dem Level eines NKV verfügen, der Transportführer über eine zumindest 3 jährige Ausbildung auf zumindest Diplom-Niveau. Der RTW wird nötigenfalls durch einen Notarzt per NEF ergänzt (Reanimation, Trauma Schwer, …).

Das hört sich gut an. Problematisch ist es aber, wie von dir erwähnt, bei den ganzen ländlichen Dienststellen die von der Gemeinde eine lächerliche, fast schon beleidigend geringe finanzielle Unterstützung bekommen. Wie sollen die sich Typ C Autos für Notfälle kaufen? Für Notfälle bekommt man ja wenig Geld, heissts immer. Ich kenn Dienststellen ohne einen einzigen NFS, da müsste man viel Geld reinpumpen, sodass sich der von dir vorgeschlagene Standard durchsetzen könnte. Erstrebenswert wäre es zum Wohl der Bevölkerung aber allemal.

Schon mal beobachtet welche Leut einkaufen gehen und der Billa Kraft das Geld in die Hande geben? Also ich bin mir nicht sicher, wer da das höhere Infektionsrisiko hat.

Ebenso ist die Gefahr eines Überfalles nicht außer acht zu lassen.

Also ich gestehe dass ich beim Billa einkaufen gehe, ist das jetzt so schlimm? Bin ich so ein Risiko? Im Ernst Blut, Stuhl und auch Tröpfchen Belastung sind wohl berufsbedingt beim RD öfter anzutreffen auch wenn nicht nur Bankdirektoren einkaufen.

Überfall beim Billa vs angepöbelt, bedroht werden im RD… Ich denke beim Billa gehe ich 3x in Pension bis ich überfallen werde. Den pissigen Alkoholiker habe ich wohl eher jede Woche, ich sehe da mehr Risiko dass das eskaliert

Aber kannst Du auch einen Beruf nennen, bei dem all diese Punkte zutreffen und der dann immer noch weit weniger verdient als ein RS?
Ich denke nicht… :slight_smile:

Das stimmt natürlich auch, keine Frage. Aber würde die Trennung Rettung/Krankentransport bedeuten, dass im Rettungsdienst auf einmal kein einziger RS mehr Platz hat?
Sind dann alle Einsatzlenker bspw. auch NFS?
WENN das tatsächlich so wäre, okay - dann lasse ich das Argument so stehen.
Wenn aber weiterhin RS auch im Rettungsdienst beschäftigt werden (sei jetzt mal dahin gestellt, ob mit derzeitiger oder erweiterter Ausbildung/Kompetenz), dann lasse ich das nicht gelten.

Diesen Punkt finde ich extrem wichtig und hier muss ich gestehen, kommt mir immer ein wenig Zorn auf.
Nirgendwo sonst (mit Ausnahme der „böse Ausländer“ Thematik) wie hier im RD wird so krankhaft pauschalisiert, dass mir regelmäßig schlecht wird.
Ehrenamtlich = pauschal unbrauchbar, unfähig, inkompetent und fährt sowieso nur blaulichtgeil alle 3 Monate mal
RS = pauschal mal kein brauchbarer Sani für die Notfallrettung

Kein Mensch sagt, dass nicht klare Tendenzen oder Wahrscheinlichkeiten anzunehmen sind, aber es gibt durchaus auch viele Ausnahmen, die man immer sehr gerne außen vor lässt.
Ich sage ja auch nicht, dass alle NAs unbrauchbar sind, auch wenn es davon welche gibt.
Oder dass alle MA70-Sanis in Wien arrogante Idioten sind, auch wenn es davon welche gibt.
Es gibt auch einige RS, die deutlich fähiger sind als so mancher NFS-NKI.
etc.pp.
Insofern würde ich einfach mal bitten, mit solchen Pauschalisierungen sparsamer zu sein, denn das ist einfach nicht fair.

Ehrlich jetzt?
Wir sind uns aber schon einig, dass wir in der konkreten Diskussion die Aufgabe und Verantwortung eines RS im Rettungsdienst mit der Aufgabe des Kassierers/Regalbetreuers in einem Supermarkt vergleichen, oder?

Wenn wir uns da einig sind, kann ich jetzt nur geschockt still sein…

@ SSCH902 ja nennt sich Fachkraft im Sicherheitsgewerbe und hat in Österreich wenn überhaupt nur eine marginale Ausbildung, also auch eine gewisse Ähnlichkeit zum RS :blush:

  • Das persönliche (!) Risiko als Einsatzlenker beim Thema Unfall
    Naja bei den Fahrten zwischen den Einsatzorten besteht dies auch
  • Das persönliche (!) Risiko als Transportführer beim Thema Dokumentation
    Dokumentation klarerweise ebenfalls wegen der juridischen Absicherung und der Verwertbarkeit bei Gericht
  • Die gesundheitlichen Spätfolgen durch das oft vorhandene, schwere Tragen von Patienten (egal ob Notfall oder nicht!)
    Schleppen müssen sie eher weniger, aber so ein Nasenbeinbruch und Leberhacken sind auch nicht fein
  • Die Ernährungsproblematik im RD (Stichwort Fastfood)
    Nun meist ist es auch nur die Leberkässemmel, aber da ist jeder selber schuld
  • Die 365/24/7 Schichten und wechselnden Tag- und Nachtdienste
    Objekte müssen auch bei Nacht bewacht werden
    Von daher nein ich will nicht tatsächlich beides vergleichen, aber der RS hat kein Alleinleidensanspruch, da gibt es noch viele Berufe und die werden meist wesentlich schlechter bezahlt. Das heißt nicht ich missgönne jemanden sein Gehalt, aber man sollte auch realistisch blieben.

Ein ordentliches Berufsbild des Sanitäters gibt es so in Österreich nicht. Es ist eine sonstige Hilfstätigkeit im Gesundheitsbereich. Es gibt keinen Berufsschutz, keine eindeutige Anerkennung als Schwerarbeit, keine anerkannten Berufskrankheiten, usw.

Der Rettungssanitäter hat meines Erachtens seine Berechtigung als Einsatzlenker für die Durchführung von qualifizierten Krankentransporten und von Notfalleinsätzen bei denen eine Vitalgefährdung des Patienten nicht zu erwarten ist. Darüberhinaus als Personalressource für Ambulanzdienste, sowie Großschadens- und Katastropheneinsatz. Alles Tätigkeiten in denen die Ehrenamtlichkeit durchaus seine Berechtigung und Notwendigkeit hat.

Siehe oben.
Ja auch ein RS kann mit viel Eigenengagement, Fortbildungen und vor allem Einsatzerfahrung, routinierter und sicherer sein als so mancher NFS-NKx der nur alle paar Monate einen Dienst macht und nur seine Pflichtfortbildungen erfüllt. - Tatsache ist, es steht nirgends drauf: RS mit x000 und mehr Stunden Einsatzerfahrung und x00 und mehr Fortbildungsstunden - sondern einfach nur RS, das heißt 100 Stunden Theoriekurs und 160 Stunden Praktikum - die oft auch nur am KTW abgesessen wird und der Sanitäter bis zur Prüfung keinen einzigen Notfall gesehen hat.
Und ja ich halte diesen Kurs pauschal gesagt als Grundlage zu kurz und zu oberflächlich um eigenverantwortlich als Transportführer auf einem Transportmittel zu agieren. Auch wenn es natürlich die Möglichkeit gibt die fehlenden Grundlagen andersweitig als durch einen NFS Kurs erwerben - aber man kann natürlich auch einen NFS Kurs machen…

Doch auch den NFS halte ich nicht für die ausreichende Ausbildung um eigenverantwortlich echten Notfallpatienten - eventuell auch ohne einen Arzt bei der Hand - gegenüber zu stehen (auch nicht mit NKV/I). In unseren Nachbarländern sitzen auf den Rettungsmitteln, welche zu potentiell vitalgefährdeten Patienten geschickt werden Fachkräfte welche eine mehrjährige Ausbildung absolvieren, während wir auch als NKI lediglich 990 Stunden Ausbildung was etwa 25 Wochen - also einem halben Jahr - entspricht.

Völlige Zustimmung, diese absurden Vergleiche sind einfach nur eines: Völlig absurd.

Tut mir leid, aber ein Securityfahrzeug fährt keine Blaueinsätze. Den Vergleich lasse ich nicht gelten.

Auch hier muss ich widersprechen.
Die Dokumentation eines RS im Rettungsdienst ist bei mehreren Einsätzen täglich wichtig.
Ich glaube nicht, dass Securitymitarbeiter täglich mehrere Zwischenfälle wie Schlägereien haben, die sie rechtlich absichern müssen.

Kann man so stehen lassen, wenngleich Nasenbeinbruch & Leberhacken sicher auch nicht an der Tagesordnung sind (Schleppen dagegen schon).

Will ich auch gar nicht sagen. Aber (obwohl mir als EA das Thema Bezahlung völlig egal sein kann) ich finde es einfach nicht fair, dem RS zu attestieren, seine Tätigkeit wäre nichts wert oder bestenfalls als Hilfshackler zu sehen. Mag ja sein, dass es Ausbildungstechnisch den Anschein hat, aber v.a. in Sachen Verantwortung (Menschenleben etc.) ist das definitiv nicht angemessen.

Klar, nirgendwo ist ersichtlich, wer hinter dieser Qualifikation steht und genau deswegen wehre ich mich gegen solche Pauschalisierungen. :wink:
Dass ein RS als Transportführer auf einem RTW (ich kann jetzt nur für Wien sprechen) im Normalfall nichts verloren hat, unterschreibe ich gerne auch.
Ich persönlich sehe nur keinen Grund, warum ein RS nicht als Einsatzlenker und/oder als San2 (bezogen auf die 2er Besatzung RTW MA70) fungieren können sollte.
Der TPF deckt ja alle notwendigen weiteren Kompetenzen ab (sei es nun Medikamentengabe, i.V. Zugang, etc.) und hat im RS eine entsprechende, darin sehr wohl ausgebildete, Assistenz & Unterstützung.
Darüber hinaus hat er (in Wien) entsprechende Schulungen und Fortbildungen absolviert und Voraussetzungen erfüllt, um eine RTW-Freigabe zu bekommen (ich kann leider nicht beurteilen, ob das Organisationsintern ist oder durch die MA70 so vorgegeben, was ich hoffe).
Im Fall der Fälle kommt dann ja auch noch der NFS vom NEF samt NA dazu.

Hierzu habe ich einfach eine andere Meinung (in einem NA-System). Hätten wir kein NA-System, würde ich Dir 100%ig zustimmen. :slight_smile:

das ganze kommt mir hier so vor, wie bei den leuten, die sich billig ein grundstück neben der autobahn kaufen, haus bauen und dann alles dafür tun, dass teure lärmschutzmaßnahmen ergriffen werden…

selbst ausgesucht würd ich sagen!

Als „San2“ kann man alles dazu setzen, schön ist es wenn er/sie Sachen tragen kann, eine Herzdruckmassage durchführen und ein Monitoring etablieren kann. Das sollte mit der RS Ausbildung ja klappen, alles was darüber hinaus geht ist schön und man freut sich.
Wie gesagt, meiner Meinung nach gehört etwas auf dem Ausbildungsstand des Dipl. RS (CH)/NFS (DE)/etc. auf einen Rettungswagen als Transportführer und etwas auf der Stufe eines NKV als Lenker dazu. - Warum? Gerade beim hochkritischen Patienten sollten viele Dinge parallel ablaufen und wenn alles an einem hängt kann das nicht so funktionieren wie wenn jemand dabei ist, dem man auch mehr delegieren kann.

Falls einer kommen kann, weil einer frei ist. - Selbst wenn es einen gibt, stellt sich die Frage nach dem Wann… - Bis dahin sollte halt mehr passieren als das „einfühlsame Händchen halten“. (jaja ich weiß Polemik, ich kann mir’s leider nicht verkneifen)

Wäre jeder RTW ein NAW, dann bräuchten wir es nicht - so ist meine Meinung und dann würde ich dir 100% zustimmen. :wink:
Es gibt zahlreiche Dinge, wo der Sanitäter nichts tun kann/darf - obwohl der Patient nicht die Zeit hat auf einen Arzt, der vielleicht gar nicht kommt - zu warten. Ein System so zu konzipieren ist meiner Meinung nach fahrlässig.

@ Red_tiger

  • Darf man da erfahren wo? Den NFS darf man in dem Bereich wo ich bin nur machen, wenn man auch SEF ist, da man nur für das NEF benötigt wird und um als bestausgebildeter als Fahrer zu fungieren gibt mir auch zu denken.

Dieses Thema haben wir schon mehrmals an div. Beiträgen erörtert.
Wissen aneignen, auf eigene Kosten ist immer möglich (Bundesheer, Incentive Med, ABZ ASB, Deutsche Rettungsdienstschule, Außerordentlicher Hörer an einer Uni …

Den Benefit eines über den RS hinausgehenden Wissenserwerb muss man aber strikt trennen. Beim GRP etc. bringt es gar nichts. Dem Patienten zumeist schon. Was aber noch schwieriger ist, wie halte ich mein Wissen on Top, schön dass ich einmal das EKG zu interpretieren gelernt haben, in einem SEW ist nur eine Halterung dafür drinnen :wink: daher das zumeist! im obigen Satz;

Zu meinem Eintrag: Eine Trennung Krankentransportdienst und Rettungsdienst hat für mich primär keine Auswirkung auf die Form der Beschäftigung (auch in Deutschland fahren ehrenamtliche Rettungsassistenten - inzwischen vmtl. auch Notfallsanitäter neben hauptberuflichen). Auch ist jede Form von Pauschalierung bezüglich Wissen und Ausbildungsstand nicht meine Intention.

Für eine sinnvolle Diskussion muss meiner Meinung nach allerdings der Mindestausbildungsstand herangezogen werden. Für den Krankentransportdienst ist der für mich beim heutigen Rettungssanitäter auch in Ordnung - er kann einen ev. doch bedrohlichen Zustand erkennen, erweiterte Erste Hilfe leisten und beherrscht eine effizient Reanimation mit Defi.

Für den Rettungsdienst müsste im Vorfeld Klarheit darüber herrschen, was ich möchte. Soll der Sanitäter im Notfalleinsatz erweiterte Kompetenzen haben und nach SOP deutlich mehr invasive Maßnahmen inkl. Medikamentengabe beherrschen, muss auch die Ausbildung entsprechend aufgewertet werden. 3-jährige Ausbildung auf (Fach)-Hochschulniveau wie in Deutschland mit eigenem Berufsbild und entsprechendem Berufsschutz, … wäre dann natürlich wünschenswert. Eine entsprechend angepasste Entlohnung ist dann natürlich auch zu berücksichtigen!

Derzeit ist allerdings die (politische) Entscheidung zu einem notarztgestützten System gefallen - dies wird aber über kurz oder lang auch nicht ohne mehr finanziellen Anreiz für die Notärzte zu besetzen sein (siehe Problematik in Wien). So oder so wird es teurer werden. Für mich wäre natürlich ein Kombinationssystem aus besser ausgebildetem und eigenständigerem Rettungsdienstpersonal unterstützt von Notärzten die optimale Variante - dies ist aber auch die teuerste Lösung und schon alleine deshalb unwahrscheinlich…

Die typisch österreichische Lösung wäre ein Rettungsdienst mit Notfallsanitätern, die eventuell ein bisschen mehr dürfen als bisher bei kurzer Aufschulung (weil billiger und einfacher umzusetzen) und dann im Regen stehen gelassen werden, weil aufgrund Einsparungen der nächste Notarzt 30 Minuten bis zum Notfallort braucht… Und selbst das wäre schon ein Meilenstein, denn aus 20-jähriger Erfahrung wird einfach weitergewurschtelt wie bisher - Hauptsache es wird nicht teurer…