Tipps und Tricks zum Einsatzfahren

Da ich meine Fahrlizenz noch nicht lang habe, wollt ich euch mal Fragen ob ihr generelle Tipps und Tricks fürs Einsatzfahren habt. Vielleicht habt ihr ja schon das ein oder andere erlebt und könnt uns ein paar Hinweise geben :slight_smile:

Hirnfahren

Blaulicht an = Physik ist nicht aus - besser bisschen später ankommen als gar nicht

  1. Blaulicht schaltet die Physik nicht aus.
  2. Langsam und vorausschauend fahren.
  3. Das Horn benutzten: Die Leute brauchen lange zum reagieren, je früher sie einen bemerken - desto eher machen sie auch Platz.
  4. Abstand halten - dicht auffahren bringt nix und ist gefährlich. Auch bei Ampeln etc macht es nur unnötig Stress bei den Autofahrern - dann geht gar nix mehr. Und ab und an fangen die Autofahrer auch mit den Rückwärtsgang an ^^
  5. Immer an die im Patientenraum denken. Scharfes Bremsen etc - nix gut.
  6. Versuch eine „klare Linie“ zu fahren. Auf mehrspurigen Straßen ist es zb meisten schneller auf einer Spur zu bleiben als hin und her zu wechseln. Wenn man auf einer Spur bleibt wissen die Autofahrer wo sie nicht sein sollen, wenn man hin und her wechselt wissen sie es nicht.
  7. Eine rote Ampel ist ein „Stop-Schild“. Nach der StVO muss man stehen bleiben, in der Praxis werden die meisten wsl nur auf „Schrittgeschwindigkeit“ herunterbremsen und drüber rollen. Jedenfalls aber so fahren, dass man SOFORT stehen bleiben kann. Alles andere ist auch haftungsrechtlich ein Wahnsinn!
  8. Safety first: Egal wie kritisch es ist, der Patient stirb nicht wenn der RTW 1 min später kommt, sondern wenn er verunfallt und der nächste dann vielleicht erst nach 15, 20min kommt (Grad am Land wo die Wege weit sind!).
  1. immer mit den ungewöhnlichsten Reaktionen der anderen Verkehrsteilnehmer rechen

Man muss nicht unbedingt bei jeder roten Kreuzung drüber. Überhaupt dann wenns mehrere spuren sind . Man kann schon mal warten bis es wieder grün wird . Vor allem mit Pat. an Board.

  1. An die Alarmierung bzw. den Patientenzustand angepasst fahren. → Wenn der Einsatz nicht von höchster Dringlichkeit ist, weniger Sonderrechte in Anspruch nehmen und damit das Risiko minimieren. Beim Transport des Patienen auch überlegen ob eine Einsatzfahrt überhaupt notwendig ist.
  2. Vorausschauend fahren und immer damit rechnen, dass die anderen nicht so reagieren wie sie sollten.
  3. Nützliche Abkürzungen (Schienenstraßen, Fahrverbote für normale PKWs, Fußgängerzonen, etc.) im Einsatzgebiet kennenlernen.
  4. Wenn man keine Ahnung hat wohin es geht, trotz Navi einen kurzen Blick auf einen Stadtplan/Google-Maps werfen. Navis spinnen manchmal oder stürzen ab.

Klar zeigen, was man vorhat. Blinken! Beim Überholen z.B. nicht zögerlich in der Mitte fahren, sondern die komplette linke Spur nutzen, dann wird man gut vom Gegenverkehr gesehen und es ist klarer, dass der Entgegenkommende stehen bleiben sollte.
(Das klingt so niedergeschrieben vlt. drastischer, als es gemeint ist. Natürlich geht das nicht überall.)

Rollen auf der Anfahrt verteilen, in deiner SEF-Anfangszeit den Teamleader bei Patientenversorgung evtl. an den Beifahrer abgeben, damit man den Kopf frei hat und sich aufs Hinfahren konzentrieren kann. (Da kommt es halt auch auf eure Dienstplangestaltung usw. an bzw. welche Gepflogenheiten es bei euch gibt.) Auch das Funken kann man ruhig dem Beifahrer überlassen (bzw. sollte man, da es ja dem Telefonieren am Steuer gleichgestellt ist).

Je nach Gusto und Vertrauen kann auch ein Navigator am Beifahrersitz viel Druck rausnehmen. Aber da muss man sich eher schon gut kennen, und manche machen lieber alles selber.

Bei 10 Min. Anfahrtsstrecke spare ich durch Raserei kaum etwas bei der Eintreffzeit, so gesehen holt man viel Zeit durch rasches Ausrücken heraus.

Beim Konvoifahren mit NEF oder EL RD ausreichend Abstand lassen.

Ansonsten gilt das oben bereits geschriebene: Lieber einmal eher weg vom Gas, lieber einmal öfter stehen bleiben, lieber einmal vor der Abfahrt auf einer Karte nachschauen.

Das geschriebene der Kollegen und „Horn - noch mehr Horn - DAUERhorn“ :wink:

Im Prinzip steht ja schon wirklich alles Nützliche & Gute da (y) … ich habe noch 2 Punkte, die ich gerade als EA unbedingt erwähnen möchte:

  1. Steh Dir selbst ein, dass Du noch nicht viel Erfahrung hast und fahre daher nochmal vorsichtiger, als Du es vielleicht tun würdest.
    Ich bin viele Monate bspw. eigentlich NIE in den Gegenverkehr gefahren, bis ich mir sicher war, die Situationen relativ sicher abschätzen zu können - das dauert!

  2. Frage und schäm Dich nicht. Anekdote von mir: Ich war mir bei der Zufahrt im Spital mit einem kritischen Patienten nicht sicher, wie ich genau zur notwendigen Station komme.
    Ich bin kurzerhand zum NEF Sani und habe ihn gefragt, wo die Station genau sei, da ich diese noch nie angefahren sei.
    Kurzerhand bot er mir an, voraus zu fahren UND bedankte sich (auch mit dem NA) im Nachhinein dafür bei mir, da wir so sicherstellen, dass der Transport so schnell/effizient wie möglich lief, anstatt so zu tun als ob.
    JA, natürlich gab es auch schon mal blöde Rückmeldungen - dann fährst halt eben so, wie Du es denkst. Aber Du hast es versucht! Es geht am Ende primär um den Patienten (neben dem Leben Deiner Kollegen etc. natürlich) und der kann nix dafür. :wink:

Danke für die Tipps. Da sind ein paar gute dabei, die ich mir Sicher im Hinterkopf behalten werde. :smiley:

Das wichtigste wurde schon gesagt. Blaulicht ein hebt nicht die Physik auf.

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Meine reichen von einer Vollbremsung und dann bleibt er quer über 2 Spuren stehen bis zu sie geben Gas und fahren dir mit einem 100er im Ortsgebiet davon.
Der Querverkehr probiert meistens doch noch vor dir reinzufahren, daher lieber den Vorrang nicht erzwingen.

Bei einem Transport überlegen wie und wo man parkt. Am besten (für mich) immer in Abfahrtrichtung stehenbleiben. Erspart reversieren mit dem Patienten an Bord und der TF muß nicht aussteigen zum Einweisen.

Aus eigener Erfahrung: Achtung auf Dachvorsprünge, die werden vom Rückfahrsensor nicht erfaßt und man hat ein zusätzliches Lüftungsloch im Auto :wink:

Das kann so manchen Autofahrer aber auch unnötig nervös machen und zu unüberlegten Handlungen ‚zwingen‘.

Vor unübersichtlichen Stellen, an denen selbst das Vorbeifahren auf der linken Spur na stehenden Fahrzeugen lebensgefährlich werden kann, verwende ich bewusst kein Horn und halte sehr großzügig Abstand.

Noch schlimmer: 2 Autos vor dem RTW - der Vordere fährt brav rechts ran und der Hintere überholt einfach ohne das Einsatzfahrzeug hinter sich zu bemerken. Das kann sehr schnell massiv ins Auge gehen.

Ich finde, Tipp Nr. 2 fasst das Ganze gut zusammen: youtu.be/TpoNbNcft44 :slight_smile:

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Das passiert erfahrungsgemäß genau dann, wenn man es unmittelbar hinter einem PKW erst einschaltet. Bei Dauerhorn kann er sich schon mal länger drauf einstellen, dass da jetzt was kommt.

BF fährt bei uns bspw. auch ausschließlich mit Dauerhorn - in 20 Jahren „Einsatzfahren“ in der Stadt sowie am Land, bin ich damit immer gut gefahren :wink:

Ich seh bei uns die Beschwerden schon eintrudeln wenn du das machen würdest… bei uns wird sich bei engstellen schon beschwert wenn du zu viel horn verwendest.

die tangieren mich aber nur peripher

Die Beschwerden würde ich auch unter den Tisch fallen lassen. Immerhin steht das Gesetz da hinter einem.

@SaniS: Auf der Landstraße fährst du aber nehme ich an ohne Dauerhorn, wenn weit und breit kein Auto in Sicht ist oder?

Muss RK_RD zustimmen. Beschwerden tangieren mich wirklich nur peripher. Ich bin verantwortlich, das Fahrzeug samt Mannschaft so sicher wie möglich an den Einsatzort zu bringen. Und dafür werde ich auch die mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausschöpfen. Und wenn der Herr Mustermann 10x den Mittagsschlaf unterbrechen muss :wink: