SMD NÖ: neuer RTW

Der SMD NÖ hat kürzlich ihren neuen RTW vorgestellt, und ein Detail ist tatsächlich besonders spannend. Er führt einen LUCAS2 mit sich. Ich hab euch das Video von Instagram verlinkt

SMD NÖ: neuer RTW

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LUCAS2 dabei, aber dafür auch einen normalen Tragsessel und eine manuelle Fahrtrage :sweat_smile:

Die Addition erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht so ganz. In der letzten Herausgabe der Guidelines des ERCs wurde festgestellt, dass eine mechanische Kompression im Vergleich zur manuellen Kompression absolut keinen Unterschied gemacht hat. Weder bei ROSCs, noch bei der Überlebensrate nach 30 Tagen, noch beim neurologischen Outcome danach. Die US-Amerikanische AHA stellt da sogar ähnliches fest:

„The task force continues to suggest against routinely using mechanical CPR devices while acknowledging their utility in specific situations.“
Link: https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/CIR.0000000000001361

Da hätte ich lieber das ganze Geld investiert in eine elektrische Fahrtrage und einen wirklichen RTW ohne Tragsessel (Stairchair mit Raupe bitte). Das braucht man im RD Alltag auch bedeutend öfters als einen LUCAS2. Ich verstehe die Prioritätensetzung einfach nicht…

Ich gehe ehrlich gesagt davon aus, dass der LUCAS2 schon im Vorgänger oder in einem anderen Fzg. war und einfach mitgenommen wurde. Ich glaub eher nicht, dass heute noch jemand einen LUCAS2 neu beschafft, falls das überhaupt noch möglich ist.

Und bei Fahrtrage und Tragsessel ist es möglicherweise ähnlich, sowas hält normalerweise ja deutlich länger als ein Fahrzeug, das im RD nach 3-5 Jahren das Ende einer sinnvollen Nutzung im Regeldienst erreicht.

Möglicherweise wurde also gar nicht so viel Geld investiert, zumindest nicht in die Ausstattung.

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Zu einer modernen Reanimationsversorgung gehört eine Möglichkeit für eine mechanische Thoraxkompression einfach dazu. Z.b. Abtransport mit laufender CPR ad ECMO/eCPR, prolongierte CPR bei Lyse und Hypothermie. Da steht lediglich dass sie keinen Vorteil bietet unter normalen CPR-Bedingungen aber sehr wohl das hier:

Dass einige Kollegen dies missverstehen und den Schluss daraus ziehen der LUCAS hätte seinen Stellenwert verloren ist falsch und ein gefährlicher Trugschluss.

Daher erschließt sich mir nicht ganz wie man so „eine Addition“ nicht verstehen kann oder warum man eine elektrische Trage, die rein der Ergonomie des Sanis dient, dieser vorziehen würde. Mal abgesehen dass du gar nicht abschätzen kannst, ob das Geld dafür überhaupt aus dem gleichen Budget gekommen wäre.

Die Frage sollte nicht „Warum das eine und nicht das andere?“ sondern eher „Warum nicht beides?“.

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Für diese Situation gibt es weiterhin eine Empfehlung, ist also ein absolut valider Punkt. Wenn es so weit kommt, ist aber auch ein NEF vor Ort und die führen auch normalerweise einen LUCAS2 oder ähnliches mit. Dahingehend erschließt es sich mir weiterhin nicht, warum man es unbedingt am normalen RTW mitführen muss.

Was aber auch meiner Erfahrung nach ein Großteil der Reanimationen sind.

Naja, die ERC Guidelines sagen folgendes:

the ERC recommends considering mechanical chest compression only if high-quality manual chest compressions are not practical (e.g., during percutaneous coronary intervention or ECMO cannulation) or compromise provider safety (e.g. during transport)

Von den gegebenen Beispielen, kann ich in dem Fall nur der Nutzung während dem Transport etwas abgewinnen. Prolongierte CPR fällt da mMn. nicht rein, aber ich lasse mich gern eines besseren belehren. Ich bin auch offen für weitere Beispiele.

Weil weiterhin die eindeutige medizinische Evidenz dafür fehlt, trotz Sonderfälle.

Korrekt, ein Trugschluss meinerseits.

Weil Geld nicht in Hülle und Fülle vorhanden ist und man somit Dinge priorisieren muss?

Ich bin der Meinung, dass eine mechanische Reanimationshilfe à la LUCAS2 am NEF gut genug aufgehoben ist und am RTW Overkill ist. Da ist das Geld woanders besser investiert.

In NÖ nicht - außer St. Pölten

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Das ist das was OpenEvidence an Evidenz dafür gefunden hat.

Der Einsatz von mechanischen Thoraxkompressionssystemen während des Transports und bei prolongierter kardiopulmonaler Reanimation wird von der American Heart Association ausdrücklich in ausgewählten Situationen empfohlen, wenn hochwertige manuelle Kompressionen nicht möglich oder für das Rettungsteam gefährlich sind, etwa im fahrenden Rettungswagen oder bei Personalmangel.[1][2] Die Routineanwendung wird nicht empfohlen, da große randomisierte Studien keinen Überlebensvorteil gegenüber manueller CPR zeigen und teilweise sogar schlechtere neurologische Outcomes beobachtet wurden.[1][2][3][4][5][6]

Für den Transport mit laufender Reanimation zeigen Registerdaten und Metaanalysen, dass mechanische Systeme die Überlebensrate nicht verbessern, aber die Sicherheit des Personals und die Kontinuität der Kompressionen erhöhen können.[7][4][8] Die International Liaison Committee on Resuscitation und die American Heart Association betonen, dass der Einsatz in solchen Situationen akzeptabel ist, sofern Unterbrechungen minimiert werden.[1][4][8]

Bei prolongierter CPR (>45 Minuten) gibt es Hinweise aus Registerstudien, dass der Einsatz mechanischer Systeme mit einer signifikant besseren 30-Tage-Überlebensrate assoziiert sein kann, insbesondere wenn die manuelle CPR durch Erschöpfung oder Personalmangel nicht mehr in ausreichender Qualität durchgeführt werden kann.[7][9] Die Datenlage hierzu ist limitiert und von niedriger Evidenzqualität, weshalb der Einsatz individuell abgewogen werden sollte.[3][5]

Zusammenfassend gilt: Mechanische Thoraxkompressionssysteme sind in Situationen wie Transport und prolongierter Reanimation eine sinnvolle Option, wenn manuelle CPR nicht praktikabel oder sicher durchführbar ist, aber sie sollten nicht routinemäßig eingesetzt werden.[1][2][3][7][4][8][5][6]

References

  1. Part 7: Adult Basic Life Support: 2025 American Heart Association Guidelines for Cardiopulmonary Resuscitation and Emergency Cardiovascular Care. Kleinman ME, Buick JE, Huber N, et al. Circulation. 2025;152(16_suppl_2):S448-S478. doi:10.1161/CIR.0000000000001369.
  2. Part 3: Adult Basic and Advanced Life Support: 2020 American Heart Association Guidelines for Cardiopulmonary Resuscitation and Emergency Cardiovascular Care. Panchal AR, Bartos JA, Cabañas JG, et al. Circulation. 2020;142(16_suppl_2):S366-S468. doi:10.1161/CIR.0000000000000916.
  3. Mechanical Versus Manual Chest Compressions for Cardiac Arrest. Wang PL, Brooks SC. The Cochrane Database of Systematic Reviews. 2018;8:CD007260. doi:10.1002/14651858.CD007260.pub4.
  4. Out-of-Hospital Cardiac Arrest: Prehospital Management. Ong MEH, Perkins GD, Cariou A. Lancet (London, England). 2018;391(10124):980-988. doi:10.1016/S0140-6736(18)30316-7.
  5. Mechanical Versus Manual Cardiopulmonary Resuscitation (CPR): An Umbrella Review of Contemporary Systematic Reviews and More. El-Menyar A, Naduvilekandy M, Rizoli S, et al. Critical Care (London, England). 2024;28(1):259. doi:10.1186/s13054-024-05037-4.
  6. Manual Mastery vs. Mechanized Magic: Current Opinions on Manual vs. Mechanical Chest Compressions. Crowley C, Salciccioli J, Pocock H, Moskowitz A. Current Opinion in Critical Care. 2024;30(6):597-602. doi:10.1097/MCC.0000000000001208.
  7. Mechanical Chest Compression Devices Under Special Circumstances. Gässler H, Kurka L, Rauch S, et al. Resuscitation. 2022;179:183-188. doi:10.1016/j.resuscitation.2022.06.014.
  8. Mechanical CPR: Who? When? How?. Poole K, Couper K, Smyth MA, Yeung J, Perkins GD. Critical Care (London, England). 2018;22(1):140. doi:10.1186/s13054-018-2059-0.
  9. Use of Mechanical Chest Compression for Resuscitation in Out-of-Hospital Cardiac Arrest-Device Matters: A Propensity-Score-Based Match Analysis. Primi R, Bendotti S, Currao A, et al. Journal of Clinical Medicine. 2023;12(13):4429. doi:10.3390/jcm12134429.
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Krems hat auch einen LUCAS3 mit

Spannend, warum?

Also mit welcher Argumentation? Es gab mal welche, die zu Testzwecken ausgeliefert wurden auf 3 NEFs (also Lucas, Corpuls Stemple und Autopulse) - kommt der noch von da oder bezieht sich das auf die eCPR in StP?

Bin es ihnen aber sehr vergönnt. Das gehört tatsächlich in jedes NEF hinein meiner Meinung nach

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Die Begründung kenne ich nicht, ich weiß nur dass er da ist.

Danke für den Hinweis, war mir leider nicht bewusst.

Danke! Bin dennoch der Meinung, dass diese am NEF besser aufgehoben wären, weil man dann eine geringere Stückzahl brauchen würde und man sich somit Geld spart, dass dann (normalerweise) woanders zur Verfügung steht.

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Zu manueller Fahrtrage und Tragestuhl:

Sie haben in der Beschreibung ja geschrieben: Standardausstattung NÖ

:sweat_smile::sweat_smile:

der Tragsessel muss aufgrund der Mindestausstattungsverordnung leider an Bord sein (siehe https://ris.bka.gv.at/Dokumente/Landesnormen/LNO40026086/Anlage.pdf). Würde das Fahrzeug ausschließlich als RTW-C und nie als RTW in Dienst sein, wäre ein Treppenstuhl ausreichend und kein Tragsessel erforderlich. Nachdem der SMD Aspang jedoch kein RTW-C Stützpunkt ist und nur RTW & KTW betreibt, muss der Tragsessel mit dabei sein.

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Stimmt. Gut mitgedacht
Das ist der Knackpunkt. Dieser RTW muss ihn drinnen haben und darf nicht auf den Tragstuhl verzichten
Damit kann es im rtw Ausbau dann evtl. auch mit der elektronischen fahrtrage knapp werden

Lt. der Verordnung müsste ein RTWC keinen Monitor an Bord haben sondern nur einen AED? Und er dürfte eigentlich keinen Tragsessel verbaut haben? Kann das wer bestätigen?

Theoretisch wäre lt. Liste ein AED mit 6-Kanal-EKG und eine tragbare Kapnographie und ein NIBP möglich. Eine tragbare Kapnographie (nicht metrie) ist recht kostspielig und deshalb wäre es in diesem Fall unpraktikabel nicht auf ein Multifunktionsgerät zurückzugreifen und ich vermute dass es deswegen auch keiner macht.

Technisch gesehen wäre ein AED ausreichend, jedoch müsste dann auch ein 6-Kanal-EKG, ein NIBP-Gerät, ein Pulsoxy mit spCO und eine Kapno einzeln verfügbar sein.

Zudem kann lt. Verordnung im RTW-C ein Raupenstuhl alternativ zum Tragsessel verlastet sein.

Da es sich um eine Mindestausstattungsverordnung handelt, liegt es nicht in der Natur der Sache dass dadurch etwas nicht vorhanden sein darf.

Anlage.pdf (472,3 KB)

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Natürlich darf man mehr an Bord haben als in der Verordnung, die gibt ja wie der Name schon sagt lediglich ein Mindestmaß an Ausstattungsgegenständen pro Fahrzeugtyp vor.

Ich gehört, dass der LUCAS nun auf dem Auto ist, weil die NEF-Stützpunkte verringert werden, und ja wie gesagt, da dieser Sprinter nur als RTW und nicht RTW-C im Einsatz ist, hat er auch den Dlouhy-Tragesessel.