Wieder mal ein Thema mit anscheinend genügend Trigger Potenzial:-)
Ich wiederhole gerne was ich iR meiner Instruktor / PAL Tätigkeit den frischen und nicht frischen Sanis immer wieder vor Augen führe:
In der Notrufrettung tätig zu sein bedeutet vor allem dass wir betreffend SOP/BLL etc. immer sehr straight arbeiten aber dies betrifft nur 25% unserer Arbeit- der Rest ist situationselastische Anpassung an die nie selben Gegebenheiten vor Ort, sei es wie man Angehörige vor Ort einbindet (oder weg-beschäftigt) , oder aber wie man die Übergabe gestaltet.
Diplomatie, Empathie und viel Doku eintippen- daneben ein wenig versorgen/therapieren, so würde ich einen Standard Notrufeinsatz zusammenfassen.
Aber um beim topic zu bleiben, bei mir beginnt es beim
Buchen via AVN (quasi Online Bettenmann in NÖ) . Wenn man sich die Zeit nimmt zusätzlich zum gewählten Symptom (zb Allergie Dringlichkeit gelb) bei Bemerkungen ein paar Stichworte beizufügen (RR 80 initial, 6,5mg Supra erhalten jetzt stabil) dann ergibt es sich oft dass man bei Eintreffen in der Rettungsgarage bzw. Anmeldung bereits durchgewinkt wird zur Triage und man dort Fast-Lane mäßig gleich drankommt. Kann hier aber nur von meinem Haus sprechen, aber subjektiv führt frühere Info auch zu reibungsloseren Übergaben, und ich meine da keine minutenlangen Telefonate sondern wirklich nur ein paar Stichwörter bei den Bemerkungen im Buchungsfeld des AVN.
Oft ist es auch hausgemacht wenn die Pflege die Augen verdreht: wir nehmen keine Schuhe mit (war zu stressig), vergessen Rückrufnummer der Angehörigen (dafür war keine Zeit), Hausarzt (wen interessierts) usw. Diese Infos sind aber für das Spital ebenso wichtig wie für uns unsere 7 Zwerge und die Info wieviele ml Elomel durch welchen x färbigen PVK geflossen sind. Und dann steht man viell auch noch beim gefühlt langsamst tippenden Triage Kollegen und wird an die Szene aus Zoomania erinnert.
Und immer vor Augen führen: wenn ich um 2 Uhr früh mit Patient Nr 2 im RtwC Dienst (Stehzeit lt Statistik 69%) total ausgeruht und motiviert mit einem frequent traveller auf der Internen aufschlage, ist das viell der 50. Patient seit Dienstbeginn für die Kollegen der Pflege- 48x Hausarzt und 2 mit Tendenz irgendwann mal ein Notfall zu werden. (Bitte keine Diskussion „falsch im Job, so ist das halt etc“ daraus machen) da muss man so feinfühlig sein und auch die andere Seite verstehen, wenn die Übergabe suboptimal verläuft.
Insgesamt denke ich dass wir (in NÖ) ganz gut unterwegs sind- die ACN filtert via 1450 einiges weg, im operativen Dienst haben wir dank RETTS/TNA\EVA ebenfalls die Möglichkeit unseren Klienten einen Transport auf eine NFA zu ersparen- und wenn es zu einer Übergabe im KH kommt sollte man sich wie ein Diplomat an die Befindlichkeiten vor Ort anpassen: „Du fragst doch eh lieber die Patienten, aber die Werte hab ich dir aufs EKG geschrieben,ok?“, „wir haben schon umgelagert, das ist euch lieber hab ich gehört“, „übernimmst du unsere Werte oder kontrollierst du noch den RR?“.
Ich kann mir für mich sprechen aber es ist ein angenehmeres Zusammenarbeiten je mehr man sich gegenseitig aufeinander einlässt und manchmal die eigenen Prioritäten zurücksteckt im Sinne unserer Patienten- irgendwann wird es eine für alle gültige sop „Übergabe“ geben, welche Buchstaben Kombi auch immer das wird, ich hoffe ich erlebe das noch
Dann wird es mit den Übergaben leichter (für beide Seiten) und wir können uns ein anderes Thema vornehmen.