Ich hoffe, mein Posting ist nicht so rübergekommen, dass ich hier „alle anderen“ als boshaft-reaktionär hinstellen wollte. Ich gebe zu, ein wenig find ichs auf der emotionalen Schiene schon lustig, dass das (von einigen) immer als „Hort der Bremser“ gesehene RK in diesem Punkt einmal nicht im Mittelpunkt der Kritik steht. ![]()
So, aber jetzt weg von persönlichen Befindlichkeiten. Die Fachdiskussion ist viel spannender. In dem Bereich nämlich wirklich.
Danke grissu, ich finde dein Posting fasst den Sachverhalt unseres Rettungssystems absolut korrekt zusammen. Ich glaube allerdings nicht, dass das so spezifisch österreichisch ist. ERC 2020 (Manchester virtuell) gab es genau die gleichen Diskussionen - das Beispiel war, was die Wasserrettung irgendwo in den USA/Kanada machen soll. Weil Beutel-Maske könnens nicht so wirklich, und bisher habens dann immer Mund-zu-Mund gemacht, und das trauen sie sich jetzt nicht mehr wegen Covid. Und deshalb machen sie jetzt Compression only bis der Rettungsdienst kommt. Das halte ich für die schlechteste aller Lösungen.
Das Problem bei all den Guidelines (insbesondere bei der S1-Leitlinie aus DE) ist aus meiner Sicht, dass sie immer von Personal ausgehen, das die Maßnahme auch wirklich beherrscht. Und was die tun sollen, die niemals an echten Menschen trainieren konnten, das wird nicht untersucht. Da kenn ich auch nur einzelne Experten (eben Nolan, aber auch andere), die auf Nachfrage mündlich (auch öffentlich) sagen, dass ein SGA der zweiten Generation eine gute, vermutlich die beste Möglichkeit ist, irgendwie Luft reinzubekommen „until someone arrives who has received proper training“ (Zitat Nolan).
Was ich gar nicht vestehe ist allerdings, warum da vor ~ 2 Jahren so ein Anti-Larynxtubus-Shitstorm losgebrochen ist, der dazu geführt hat, dass ASB et. al. den LT für RS wieder zurückgezogen haben.
Für das Ändern einer eingeführten klinischen Praxis ist normalerweise eine klare Evidenz notwendig, die belegt, dass die bestehende klinische Praxis schlechter ist, als das, worauf gewechselt wird. Es gibt aber keine Evidenz, dass bei Personal, das nie am echten Menschen trainiert wurde, die Beutel-Masken-Beatmung besser ist als der LT.
Oftmals wird auf die Atemwegsmanagement-Leitlinie aus Deutschland verwiesen, als ob die ein Gesetz wäre. Ist sie nicht. Das ist eine S1-Leitlinie. Expert*innenmeinung. Mehr nicht. Abgesehen davon, dass ich aus der S1-Leitlinie nicht herauslesen kann, dass Beutel-Maske einfacher wäre als SGA (im Gegenteil, es sind mehr Anwendungen unter Supervision vorgesehen als beim SGA). Wenn man sich an die S1-Leitline hält, dann dürfen alle RS nur mehr Mund-zu-Mund-Beatmung machen.
Deshalb versteh ichs einfach nicht, warum man den LT bei einigen Organisationen wieder abgeschafft hat.
