Ich stelle eine allgemeine Frage in den Raum an die Leute unter euch, die einen oder mehrere der gängigen Buchstabenkurse PHTLS, AMLS, EPC, TECC und GEMS absolviert haben.
Mittlerweile sind diese Kursprogramme ordentlich teuer (680 Euro) und obwohl ich nicht behaupten möchte, dass der Gegenwert nicht entsprechend ist, versteht ihr sicher, dass das insbesondere in unseren Gehaltsniveaus als Sanitäter nicht wenig Geld für einen Wochenendkurs ist. Ich bin gerne bereit in meine Aus- und Fortbildung ordentlich zu investieren aber bislang ist der Rettungsdienst keine Goldgrube gewesen…
Daher würde mich interessieren, wie ihr diese Kurse wahrgenommen habt, welche davon besonders empfehlenswert sind und welche Erfahrungen ihr damit gemacht habt.
Aktuell überlege ich, einen der kommenden AMLS Kurse zu besuchen aber habe eben aufgrund der hohen Kosten bedenken und möchte das nur machen, wenn das einen erheblichen Mehrwert bringt.
Ich kann dir wirklich empfehlen einen dieser Kurse zu besuchen.
Grundsätzlich hat jeder dieser Kurse einen Mehrwert und ist für die Praxis relevant. (Habe alle dieser Kurse bis auf TECC einfach bzw. teilweise auch mehrfach absolviert, AMLS und PHTLS sogar vor x Jahren in den USA)
Bezüglich des Preises stimmt es natürlich schon - es ist viel Geld. In einigen Fällen gibt es die Möglichkeit, dass der Dienstgeber (auch teilweise für Freiwillige) die Kosten (oder teilweise) übernimmt. Teils kannst du dir ja auch steuerlich Ausbildungskosten zurückholen. ERC Kurse sind sogar nochmal teurer.
Ein relevanter Aspekt ist sicherlich, wie gut eure interne Schulung ist bzw. die Möglichkeit gewisse Notfallbilder zu üben. Ich würde dann überlegen, was du am ehesten brauchst und danach entscheiden. Wertvoll ist der Besuch aller Kurse.
AMLS hab ich vor ein paar Wochen wieder selbst absolviert (mittlerweile 3 Mal). Ich lerne jedes Mal wieder etwas Neues, kann mein Wissen vertiefen und bereite mich auch gut darauf vor. Die Kurse sind gut organisiert, die Stationen spannend, aber nicht übertrieben. Falls du noch nie solch einen Kurs absolviert hast sind sicher AMLS und PHTLS eine gute Wahl.
Ich glaube das der Unterschied zu einer guten internen Fortbildung gar nicht so groß ist. Bzw. nicht so groß ist, dass es für die Praxis eine Unterschied macht.
Dennoch sind das durch die Bank gut strukturierte, optimierte und gut organisierte Formate. Man macht sicherlich nichts falsch so einen Kurs zu besuchen.
Großen Unterschied machen auch die Teilnehmer. Du wirst dort eher nicht auf unvorbereitete und wenig motivierte Teilnehmer treffen.
Ich würd dir einen Kurs trotzdem sehr ans Herz legen, und mir überlegen, mit welcher Thematik du dich am liebsten Auseinandersetzen willst bzw. dein wo größtes Interesse liegt - inhaltlich habe ich von allen BVRD Formaten profitiert (TECC und GEMS hab ich noch ausgelassent) - am anspruchsvollsten hinsichtlich den Inhalten bei Vorbereitung und im Kurs, beziehungsweise mit der meisten Alltagsrelevanz hab ich AMLS gesehen, EPC hat mir sehr coole Werkzeuge und vor allem Sicherheit für die Versorgung von Kindern mitgegeben, PHTLS vermittelte super Inhalte und Perfektion im Umgang mit den “gelben Tools”, dem kann - auch von den Fertigkeiten - keine interne Ausbildung das Wasser reichen. Hätt ich noch nie einen dieser Kurse gemacht, würd ich nicht mit AMLS, sondern EPC oder PHTLS beginnen - das ist aber nur mein persönlicher Eindruck
Was alle Kurse von “internen Fortbildungen” abhebt sind die zwei vollen Trainingstage - mit dem dichten Programm ist das Wissen enorm, dass du dir dort bei einer Kombination aus Impulsvorträgen und Übungsstationen aneignen wirst - abgesehen davon find ich den Blick über den Tellerrand und den Austausch mit anderen Kollegen einen großen Gewinn, da es um das jeweilige Konzept und den Patienten, und nicht das festigen eines “lokalen Protokolls” wie die Lehrmeinung einer organisatorischen Einheit und das auswendiglernen von Buchstaben geht.
Ich kann dir ebenfalls nur empfehlen, dich nicht von den - zugegebenermaßen stattlichen - Kosten abschrecken zu lassen, wie auch schon oben erwähnt kannst du diese zumindest bei der Arbeitnehmerveranlagung geltend machen, falls dich der Arbeitgeber - wie so oft - nicht unterstützt. - Vor einigen Jahren war ein teilweiser- oder kompletter Kostenersatz auch in meiner Organisation noch gelebte Praxis, derzeit spielt´s das leider nicht.
Es ist halt schon cool einen Kurs zu machen, der weltweit gleich ist. Die Literatur ist teilweise auch wirklich sehr gut. Aber ja, die Kosten sind da so eine Sache. Und mittlerweile bieten manche Hiorgs ähnliche Kurse an. Gratis. Bei RK Bgld gibt es zb einen zwei tägigen Kurs nur für NFS zur erweiterten Traumaversorgung. Das ist schon sehr nahe an PHTLS. Manche Inhalte sind da teilweise sogar cooler ( Training von invasiven Maßnahmen am Tiermodel usw.)
Ich hab PHTLS und AMLS besucht und bin geteilter Meinung.
Die Kurse sind super strukturiert und so gut vorbereitete Szenarien mit so kompetentem Instruktorenmaterial gibt es zumindest bei uns eher selten. Man profitiert einerseits von der Dichte des Programmes und auch vom Umfeld. D.h. lauter wirklich motivierte Kollegen, viel fachsimpeln etc.
Für meinen Geschmack muss ich aber sagen so wirklich viel NEUES hätte ich jetzt nicht gelernt.
Kann nur fürs RKNÖ sprechen, aber da sind wir im Traumabereich eh schon sehr nah dran am PHTLS finde ich. (Wenn man mal den Lehrmeinungsmurks teilweise ignoriert.)
Beim AMLS eigentlich auch nix neues wemma bisher auch schon vernünftiges xABCDE etc pp gemacht hat.
EPC werd ich dennoch besuchen, da hab ich bisher das meiste positive Feedback von Absolventen gehört.
Alles in allem jedenfalls gut investiertes Geld! Wenn man nicht erwartet dort super viel neues zu hören, lernen sondern eher mit dem Mindset hingeht 2 Tage auf sehr hohem Niveau zu üben und festigen → TOP!
PHTLS habe ich jetzt zweimal gemacht, würde ich nicht nochmal machen. Trauma Training gibt es auch bei uns sehr gute und die Qualität der Instruktoren war in meinem Kurs sehr durchwachsen.
AMLS war eine gute Wiederholung aber auch da gibt es gutes Szenarien Training in der eigenen Organisation.
EPC war wirklich gut, auch die Instruktoren Top. Würde ich wieder machen.
GEMS habe ich noch nicht gemacht, TECC ist mir zu teuer.
Ich hab sowohl den EPC wie auch GEMS Kurs gemacht. AMLS ist für kommendes Jahr in der Planung.
Meine ehrliche Ansicht zum GEMS: 90% der Sachen, die dort beübt wurden kann man mit motivierten Sanis auch problemlos auf den jeweiligen Dienststellen üben. Das was hingegen sehr spannend waren, waren die Fachvorträge der Instruktoren bzw. der GEMS-Diamant. Da waren u.a. im Bereich des Erwachsenenschutz sehr viel neues dabei, was ich zumindestens nicht am Schirm hatte.
Man merkte, dass der Focus jetzt nicht zwangsläufig auf dem X-ABCDE-SCHEMA kritischen Patienten liegt und die auch versuchten, in die Richtung alternative Versorgungswege zu gehen.
Beim EPC, ich hab kaum Erfahrung mit dem kritisch Kranken Kind und kann meine Erfahrungen an 2 Händen in bald 10 Jahren Rettungsdienst abzählen. Für mich war der Kurs also der am meisten lohnende, weil erfahrenere Kollegen drüberschauen konnten und die Situationen geübt wurden, die am seltensten vorkommen
Ich sehe den Mehrwert der Kurse, sie sind auch bestimmt gut, ABER ich sehe nicht ein einen Kurs um viel Geld zu absolvieren der nicht zur Gänze von der Dienststelle übernommen wird. Gerade als ehrenamtlicher habe ich dafür nur eine Anwendung - meine unentgeltliche Tätigkeit.
Außerdem bin ich kein Fan davon dann bspw. beim EPC von Leuten was erzählt zu bekommen die im echten Leben weder ein kritisch krankes Kind gesehen haben oder eines behandelt haben. Da bekommen Med Studis eine Instruktorenzulassung und die KinderAnäPflege nicht.
AMLS und PHTLS besucht, weil Organisation sie bezahlt hat. Wie manche Vorredner schon meinten: eine gute Fortbildung intern organisiert ist da nicht schlechter.
Ich war vor allem von der Qualität der Simulation in den Fallbeispielen entsetzt. Low fidelity hat schon seine Berechtigung. Für 600+x Euro will ich schon “train as you fight” erleben inklusive Monitor-Simulatoren, ordentlichen Patient:innendarstellern und strukturiertem Debriefing in Richtung des Lernziels. Durch das “schnell schnell”-Durchpeitschen in 2 Tagen leidet die Qualität da doch deutlich find ich.
Je nach Lerntyp wirst Du mit den Fachbüchern allein auch schon sehr glücklich, diese gibts bei Medimops und Co für kleines Geld
Der AMLS Kurs war für mich der Beste und nützlichste. Man lernt schon sehr viel dazu und das Buch, wenn auch in englisch ist sehr gut gestaltet.
PHTLS hingegen war enttäuschend. Ich komme vom ASB und wir machen ja schon ITLS. Da ist nur ein marginaler Unterschied in der Herangehensweise. Auch war das Equipment beim PHTLS Kurs nicht mehr ganz frisch und ziemlich abgegriffen und teilweise kaputt oder beinahme unbrauchbar. PHTLS hat damals, also vor einem Jahr noch das Stiffneck gelehert, wo wir es schon seit fast 4 Jahren nur mehr sehr restriktiv einsetzen. Das habe ich auch im Feedback hinterlassen.
EPC war so lala. Pedi-Dreieck und Ticls etc. kannte ich schon und das Kindersicher nutze ich eigentlich auch schon sehr lange. Da war dann nicht mehr so viel drin was ich brauchen konnte. Manche Dinge in den Büchern sind ausserdem zu “amerikanisch”. Also, beispielsweise die Zahlen in Bezug auf Missbrauch oder die Häufigste Missbrauchsform (Kind in heisses Wasser eintauchen), empfand ich etwas unpassend für Europa.
Meine Kurse wurden überwiegend von MA70 Leuten gelehrt. Das fand ich etwas einseitig da man auf lokale Gegebenheiten eher weniger einging und viel “Wiener Lokalcolorit” da dabei war. Die Leute selbst sind natürlich top. Aber eine Mischung aus verschiedenen Vereinen wäre speziell beim PHTLS schön gewesen.
Meine Experience war eine andere. Bei mir waren sowohl eine Hebamme, Neonat Intensiv Pflege als auch MA70 Leute dabei, welche da schon viel gesehen haben und auch entsprechend berichtet haben.