Ketamin beim pädiatrischen Krampfgeschehen - Eine klinische Untersuchung

Anbei ein Review einer Studie aus Ägypten zur Untersuchung der Therapiestrategie bei pädiatrischen Krampfanfällen.

Interessant: Ketamin dürfte einen signifikanteren Einfluss auf positive Outcomes in der frühen Therapie haben als bisher (in unseren Breitengraden) angenommen.

Aber Vorsicht mit voreiligen Schlüssen, der Autor Simon Carley des anbei angeführten Reviews bietet einen Ein- und Ausblick über die Erkenntnisse dieser Untersuchung.

Der ganze Blogeintrag:

Referenzen zum schnellen Nachschlagen:

  1. Othman AA, et al. Combined ketamine and midazolam vs. midazolam alone for initial treatment of pediatric generalized convulsive status epilepticus (Ket-Mid study): A randomized controlled trial. Pediatric Neurology. June 2025

  2. SGEM#482: Seize the Day with Ketamine and Midazolam for Pediatric Status Epilepticus

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Hast du die bottom line gelesen? —→ Benzo asap und wenn nicht erfolgreich eine andere Substanz.

Man kann sicher Ketamin nehmen, wir haben halt mehrere Alternativen am NEF…

(Und nebenbei bemerkt gibts auch Leitlinien zu dem Thema, wir brauchen keine außereuropäischen Studien. Ich hab nämlich den starken Verdacht, dass zahlreiche unserer Standardmedikamente dort nicht verfügbar sind. Dann mag das nächstbeste Ketamin sein, aber wir haben wahrscheinlich was näherbestes…)

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Danke für den Blick über den europaeischen Tellerrand.

Ja es mehrt sich die Evidenz, dass die zusaetzliche Wirkung auf die NMDA Rezeptoren von Ketanest in Kombination mit einem Benzo besser ist und man ab (oder schon mit) der zweiten Benzo Gabe eine Kombi mit Keta durchführen kann bzw sollte.

Die deutsche 2k Leitlinie ist leider schon nicht mehr gültig und aktuell in Ueberarbeitung. Mal schauen wie sie diesen Aspekt in der neuen Version beruecksichtigen und Ketamine von der 4th line zu 2nd line aufsteigt.

Noch ein paar Links ins nicht-europaeische Ausland:

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Ja hab ich, ich habe ja auch die dazu kommentiert, dass man keine falschen Schlüsse daraus ziehen soll.

Es ging mir lediglich um den Blick über den Tellerrand. Mir war das zuvor völlig unbekannt und ich habe das interessant gefunden.

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Natürlich ist die Gabe von (Es-)Ketamin ein weiterer Pfeiler, auf dem die Therapie fußen kann. U. a. natürlich auch bedingt durch die Pathophysiolgie des Krampfanfalls. Ich persönlich denke jedoch auch, dass die hochdosierte Benzogabe durchaus seinen Grund in den Guidelines hat, weshalb sich mir die Frage stellt ob nicht hochdosierte, therapieresistente Benzodiazepine in der Therapieresistenz den Weg zur Narkose ebnen, vorallem wenn, wie im Artikel erwähnt, zusätzlich zum Narkotikum auch ein (niedrig dosiertes) Analgetikum hinzukommt. Vorallem da aufgrund der Dosierungen ein anderweitiger Notfallpatient bereits Narkosedosen erhalten hätte. Natürlich ist auch das Levetiracetam vorzubereiten und zu geben, jedoch bin ich der Meinung, wenn hochdosierte Benzodiazpine keinen zufriedenstellenden Effekt mehr bieten (d. h. >10 mg i. v.) stellt für mich das Levetiracetam eher eine “Überbrückungsmaßnahme” dar, bis die Narkoseeinleitung mit Midazolam oder Propofol und Esketamin + Relaxans vorbereitet sind.

Ich bin jedenfalls gespannt auf die nächste deutschsprachige Guideline hierzu.

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Könntest du bitte genauer erklären inwiefern das Levetiracetam eine Übergangslösung zur Intubationsnarkose darstellt? Wenn Benzodiazepine (Stufe 1) und Schnellaufsättigung mit Antikonvulsiva (Stufe 2) zum Erfolg führen, weshalb sollte man grundlos auf Stufe 3 eskalieren. So hätte ich dich zumindest verstanden.

Irgendwie erschließt sich die Sinnhaftigkeit der Studie mir nicht ganz. Na no na ned beendet Mida plus ein weiteres Antikonvulsivum einen Krampfanfall schneller und effektiver als Mida in der selben Dosis als Monotherapie.

Aber ich denke dass man nicht jeden Krampfanfall initial wegknallen muss, genauso wie man einem Patienten mit gebrochenem Finger nicht zwingend Fenta i.v geben sollte auch wenn es genauso zum Erfolg führt wie eine Ibu und ein Schluck Wasser.

Es war so gemeint, dass man es antizipieren sollte und die Zeit nützt bis das Levetiracetam verabreicht ist, mal die Intubation vorbereiten zu lassen. Da war die Überlegung eher die Zeit während der Patient unter laufendem Levetiracetam noch krampft, bestmöglich zu nutzen, da ja der Krampfanfall trotzallem möglichst schnell durchbrochen werden soll.

Vermutlich spielt auch meine eigene Erfahrung mit, da ich es bisher nicht erlebt habe, dass der Status nach hochdosierten Benzodiazepinen mit Levetiracetam zu durchbrechen war, sondern zu frakt. Propofol (unter Intubationsbereitschaft) gegriffen oder bis zur Narkose eskaliert werden musste. Kann gut sein, dass ich da mein mentales Modell einfach falsch geschildert habe, dass ich aufgrund meiner Erfahrungen eher schnell an die Narkose denke.

Wenn der Patient natürlich auf Levetiracetam anspricht, sehe ich wie auch du, natürlich keinen Grund, dem Patienten eine Narkose zukommen zu lassen. Mir ging’s eher darum, meine Gedanken für so einen Fall zu teilen.

Und natürlich braucht auch der gebrochene Finger nicht gleich ein Fenta. :sweat_smile: