Weil wir ja von fragwürdigen Entscheidungen gesprochen haben:
Kardioversion bei einem Patienten ohne Instabilitätskriterium mit keiner vorhergehenden medikamentösen Therapie. Noch dazu Proporol Mono ohne Analgesie, auf der Couch ohne Präoxygenierung oder Vorbereitung von Atemwegshilfen und weil alles so schön war lassen wir den Patienten danach daheim.
Übersehe ich was oder ist das schon eher verhaltensauffällig vom Notarzt?
So geht das nicht, keine Präoxygenierung, keine gscheite Lagerung, nonono
Sedierung vs. Analgosedierung ist hier immer wieder ein Thema. Propofol alleine bietet keine Analgesie (bei der NA-Prüfung wäre es Punktabzug), dennoch ist es klinische Praxis. Es kommt auch darauf an wie schnell man das Propofol spritzt, Sedierungen sind mehr Kunst als Kochrezept.
insgesamt find ich die Truppe irgendwie suspekt, wie sie da rumsitzen… irgendwie kein rundes Bild
Bekanntes valvuläres Vorhofflimmern, Antikoagulation wird eingenommen - INR bekannt und im Zielbereich (2,1 sagt er - 2-3 sollts sein).
So gesehen könntest kardiovertieren… (haben sie gecheckt ob er nüchtern ist? Nein oder?)
Würd ichs machen? Nein
Der Patient ist stabil. Vor Ort Frequenzkontrolle (Beta-Blocker und Magnesium) und Transport ins KH. Dort kann man dann schauen, nen Revers unterschreiben lassen, hat kontrollierte Bedingen….
Wenn man muss geht eCV so:
Monitoring und Präoxygenierung, O2 Gabe über Reservoirmaske - Intubationsbereitschaft
Substanz ist wahrscheinlich egal, man sollte das nehmen das man am besten kennt. Ketofol geht sehr gut, Fentanyl + Midazolam (beides antogonisierbar - sehr sicher), Esketamin mono (bei kontrollierter Umgebung)….
Vor Ort belassen würd ich den eigentlich nicht. Ned unbedingt mitfahren, aber einen Checkup hat sich der verdient. Belassen heißt ja, das ich den Patienten aktiv zuhause lasse - und warum sollte man das präklinisch bei Patienten die man nicht kennt, wo man ned alle Infos hat, kein Labor etc - machen? Bin ja kein Hellseher.
eCV präklinsich bei stabilem Patienten - kann man machen wenn einem langweilig ist, ist aber nicht wirklich der Auftrag des Rettungsdienstes. Propofol Mono passt schon so. Das machen Internisten (die vermutlich 95% der eCVs machen) immer so, und bei mir hat sich noch nie ein Patient über Schmerzen beklagt. Aber: Präoxygenierung muss sein (ITN-Bereitschaft halt ich für übertrieben, aber Ambu sollt schon in Griffweite sein), und ich würd den guten Herren auf einen Untergrund legen, wo man im Fall der Fälle auch mal kurz draufdrücken kann. Belassen geht auf keinen Fall, Patienten gehören nach einer Sedo schon ein bisschen überwacht (idR 1-2 Stunden).
Ich weiß ja net was der initiale RR war (im liegen syst 117 bei 60 HF) aber bei dem ungesunden hautkolorit seelenruhig alle 100000 Werte zu erheben und dann überrascht sein wenn er präkollaptisch wird.. der hätt entweder gleich auf den Boden gesetzt gehört oder nach Ersteindruck mit seinem Bürosessel rausgerollt zur RTW Trage. kein Wunder dass sich da immer nur 1 Einsatz pro Folge ausgeht wenn sich das künstlich in die Länge zieht. Hauptsache Elektrische Trage, die reißt sie raus.
Naja, mehr oder minder pragmatisches Vorgehen in der Stadtrettung halt. Medikamentös haben die Kollegen in Kombi mit dem Notarzt eh akzeptabel gehandelt. Dass man vor der Kamera nicht immer die perfekte Aussage trifft, ist halt menschlich.
Bei diesem Einsatz fällt mir jedenfalls ein sehr professionelles RTW Team auf. Der RTW-Teamleader ist fachlich top drauf. Der Lenker scheint zwar vom Verhalten etwas “alte Schule” aber “macht brav was der junge Teamleader sagt”.
Das Vorgehen des NA ist zwar naja… alles andere als hübsch und auch nicht dem Lehrbuch entsprechend. Aber letzten Endes wie schon gesagt wurde im Bezug auf Narkose auch innerklinisch medizinische Praxis. Den Patienten daheim zu lassen, tja… entweder hat er große Cojones und entsprechende Erfahrung oder keine Angst und Ahnung. Vom Verhalten her, tippe ich auf ersteres.
Innerklinisch gehst du auch spätestens eine Stunde nach Kardioversion nach Hause. Das schockiert mich jetzt nicht wirklich. Nach einer Endo/Gastro mit Propofol in irgendeiner Ordi bist auch genau so lange dort wie du halbwegs gerade stehen kannst.