Flumazenil bei Kokainüberdosis?

Hallo zusammen, der Einsatz ist schon lange, aber ich frage mich bis heute ob wir in dieser schwierigen Situation richtig gehandelt haben.

Alarmierung: ca 4:30 RD-23D2I Überdosis-Bewusstlos, A? B? w 17j, Nef bereits dazualarmiert. Rtw mit 2 RS

Die Eskalation begann bereits 5 sek. nach Statusgabe. Der Dispo informierte uns, dass es sich jetzt um eine Tele Cpr handelt und die Eltern reanimieren . Da war dann der Puls bei gefühlt 180 bei uns, dazu war es noch meine erste Cpr und dann gleich so ein junger Pat… Dann ging alles ganz schnell C2 wurde dazualamiert und wir bekamen bereits einen Schockraum (hatte ich davor noch nie, aber props an den Dispo). Am Bo angekommen ging der Lenker bereits ins Haus und ich holte alles Sachen aus dem Auto. Im Haus angekommen lag die Pat reglos am Boden initial mit keiner erkennbare suffizienten Atmung, also starteten wir die Cpr und gaben eine Lagemeldung an nef und C2. Leider mussten viele Gegenstände vor dem Defi kleben wegräumen wodurch nach ca. 1-2 min die Elektroden klebten und die erste Analyse lief. Kein Schock empfohlen und ein normaler Sinusrythmus am Monitor, danach began die Pat laut zu schnaufen. Danach Atemwegssicherung mit Wendl esmarch und 15 l O2 über Maske mit res.. Laut fremden Anamnese nam die Pat eine Menge Kokain zu sich. Der Pat bekam dann durch den NA, der ca 3-4 min später eintraf, Flumazenil iv, wodurch die Pat. Minuten später kurz wach wurde. Jetzt stellt sich auch die Frage: Flumazenil bei einer Koka Überdosis? Eigentlich müsste es sich dann um einen Mischkonsum handeln? Am Ende ging alles gut, wir stornierten den Hubschrauber und transportierten sie begleitet ins Kh. Dazu frage ich mich bis heute, ob wir wirklich alles richtig gemacht haben. Ich weiss es ist eine blöde Frage aber es beschäftigt mich schon so lange und wollte mal nach eurer Meinung in die Runde fragen.

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Servus,

nach deiner Erzählung erkenne ich einen strukturierten Einsatzablauf nach BLS. Bei nicht normaler Atmung bei B- Pat. habt ihr mit Drücken-Schocken-Blasen (wenns denn auch zeitnah gekommen ist) für euch den Treffer ins Schwarze gelandet. Persöhnlich ist mit wichtig, dass man am echten Pat. insb als RS auch die Atemwegssicherung lt. lokalem Protokoll vornimmt. Immer wieder sehen wir RS die bei der 1. Rea dann im Stress halt doch zur BMV ohne Atemwegshilfen greifen. mMn sind solche Experimente in Reallife eher suboptimal.

Genau diese Einsätze sind sehr wichtig für die persöhnliche Weiterentwicklung. Kurz gesagt: Wenns halt einfach nicht so ist wie wir es immer trainiert und besprochen haben…

Zwischen den Zeilen lese ich, dass dich das Thema schon länger mitnimmt. Schnapp dir doch das Team und macht eine moderierte Nachbesprechung.

Wichtig: Das SvE-Team zu Informieren gehört zur Karriere-Checkliste eines guten Sanis unbedingt mit dazu :slight_smile:

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Da muss ich direkt mit einem abgedroschenen Spruch starten: Dumme Fragen gibts nicht. Weiters kann ich mich eigentlich nur @Landretter anschließen: Deine Beschreibung nach habt ihr eurer Qualifikation entsprechend den Einsatz sinnvoll abgearbeitet. Die Gesamtsituation war natürliche bescheiden, aber ich denke ihr habt das beste daraus gemacht. Wenn dich der Einsatz schon länger belastet, dann nutz auf jeden Fall alle Möglichkeiten die deine Bezirksstelle dir zur Verfügung stellt.

Was mich aber (wie dich, wenn ich deinen Post richtig verstanden habe) schon etwas stutzig macht, ist die Flumazenil Gabe. Vorneweg: Ich hab bis auf den NFS keine Medizinische Ausbildung. Mein Pharmawissen ist dementsprechend sicher deutlich eingeschränkter als das vieler anderer Forumsmitglieder. Würde mich dementsprechend auch über weiteren Input von besser qualifizierten Mitgliedern freuen. Trotzdem: Meines Wissens nach wird ein Kokainintox typischerweise symptomorientiert behandelt, wobei hierzu durchaus auch Benzodiazepine selbst verwendet werden (Agitation etc.). Initial direkt mit einem Benzo-Antidot zu starten kommt mir auch komisch vor, wobei ich natürlich nicht vor Ort war. Stand unter Umständen ein Mischintox mit Benzo-Beteiligung im Raum? Falls für dich die Möglichkeit besteht, würde ich an deiner Stelle mal bei dem NA nachfragen, wie er zu dieser Entscheidung gekommen ist und die Antwort eventuell hier teilen (letzteres einfach, weil mich die Begründung interessieren würde). Nach Möglichkeit würd ich auch den gesamten Einsatz mit der NEF-Mannschaft besprechen. Diese können dir deine Einstiegsfrage wahrscheinlich am besten beantworten.

Falls die Flumazenil-Gabe tatsächlich ein Fehler war (was ja leider jedem passieren kann), liegt das aber auch nicht in eurer Verantwortung, und ich würde mir deswegen keinen Kopf machen!

Nicht indiziert, Flumazenil ist ein GABA A Rezeptor Antagonist, Kokain ist ein Monoamin-Wiederaufnahmehemmer (Dopamin, Serotonin, Noradrenalin)

Ich halte diese Einschätzung deinerseits für sehr plausibel, wenn die Kausalität der Zustandsverbesserung durch Flumazenil wirklich gegeben war und es keinen anderen Umständen geschuldet war, muss etwas im Spiel gewesen sein dass an die GABA A Bindungsstelle bindet an die auch Flumazenil bindet (Alpha und Gamma glaub ich) und das sind eigentlich nur Benzos und Z-Drugs (das sind Schlafmittel, glaube aber dass das keine Straßendroge ist.) Auf Kokain trifft das aber definitiv nicht zu.

Ich halte es sogar angesichts des (halbwegs abgesichert klingenden) Kokainkonsums für gefährlich, weil’s die Benzos reduziert. Nimmt man dem die Benzos weg, wirkt das Koks wieder voll und der Sympathikus tobt sich aus…

Wir wissen nicht, was den Bewusstseinsverlust und die vermutete Atemdepression verursacht hat. Ich tippe darauf, dass es nie ein Stillstand war… Ohne Rhythmus und genauere Vitalwerte bleibt aber alles Spekulation.

Zwei Inputs noch: Wie schon gesagt, im Rahmen der BLS -Kompetenzen alles korrekt gemacht. Aus meiner Sicht ist es Verantwortung des senioritätshochsten NFS, die Nachbesprechung zu moderieren und niemand sollte seine erste CPR (wir auch immer das ausging) ohne gründliche Nachbearbeitung erleben.

Zum Flumazenil (und da auch Naloxon): Ich hab jetzt die Literatur nicht bei der Hand… Aber es wird zunehmend empfohlen, eher die Vitalfunktionen zu unterstützen als auf Teufel komm raus alles zu antagonisieren. Natürlich muss man es machen, wenn es eng wird. Aber das bisher übliche „spritz ma mal und schau ma, was passiert“ ist zunehmend umstritten.

Ohne nähere Details zu kennen und ohne jemand einen Vorwurf machen zu wollen:

Für mich klingt das leider ein bisschen nach einer Panikreaktion:

Oh mein Gott, Junger Patient, Vermutlich Drogen, schaut scheiße aus: → ich antagonisiere mal alles was geht und dann schauen wir weiter…

Soll wirklich kein Vorwurf sein, aber ich hab genau sowas leider viel zu oft erlebt.

Ob es wirklich ein Arrest war frag ich mich bis heute, deswegen auch die Frage ob wir alles richtig gemacht oder möglicherweise etwas initial übersehen haben…

Die meisten jungen kritisch vergifteten Patienten nehmen halt einfach Benzos, deswegen funktioniert es auch mehrheitlich, zumindest meiner Erfahrung nach.

Klar senken Benzos den Sympathikotonus ABER in diesem Fall lag vor dem/der Kollegen/Kollegin kein symptomatischer tachykard agitierter KokainOverdoser sondern eine bewusstlose 17 Jährige im (fraglichen) ROSC mit FRAGLICHEM rezenten Kokain Konsum. In dieser Situation Rücksicht auf so etwas zu nehmen was 1. statistisch unwahrscheinlich und 2. klinisch (zumindest laut dem Bild dass ich mir anhand der Erzählung in meinem Kopf gemalt habe) ebenfalls unwahrscheinlich ist, halte ich für schwer argumentierbar.

Wenns aussieht wie ein Stillstand wirds bis zum eindeutigen Beweis des Gegenteils behandelt wie ein Stillstand.

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