RD in Südtirol&Italien

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RD in Südtirol&Italien

Beitragvon WKBZ » Do 5. Mär 2020, 16:32

Hallo,

auf Wunsch einiger Teilnehmer hier. Eröffne ich hier diesen Thread. Vor ab füge ich ein paar ältere Beiträge von mir ein, bei denen ich unser System beschrieben habe.

WKBZ hat geschrieben:Zum Thema Krankenpflege im RD- System Italien kann ich meinen Beitrag leisten.
In Italien gibt es leider nur 2 anerkannte Berufsbilder im RD. Dies ist zum einem der Arzt(Medico), das zweite Berufsbild ist der Krankenpfleger (Infermiere). Bedeutet 3 Jahre Hochschulstudium + 2 Jahre Arbeitserfahrung in einem Notfallbereich (area critica=Intensiv, Notaufnahme) um im RD eingesetzt zu werden. Rettungssanitäter haben in Italien (bis auf Ausnahmen) nur BLS –Ausbildung und sind ehrenamtlich aktiv. Meist konzentriert sich die Ausbildung auf 120 h + Praktikum. Für den Einsatz im Krankentransport ist die Ausbildungszeit auch deutlich kürzer. In Italien gibt es in den meisten Regionen allgemein es eine Unterscheidung zwischen BLS und ILS/ALS – RTW. BLS-Einheiten werden mit 2/3- Sanitäter besetzt u finden sich meistens in ländlichen Gebieten. In Italien gibt es auch in jedem Dörfchen eine Hiorg (mit verschiedenen Namen u sind alles eigenständige Organisationen z.B. Croce Blu, Croce Giallo usw.). Im ALS-Bereich sind Sanitäter (Haupt- u Ehrenamt) nur als Einsatzfahrer zu finden. Aufgabenbereich ist das Lenken des Fahrzeugs und die Sicherheit am Einsatzort. Invasive Kompetenzen haben Sanitäter gesetzlich keine. D. h. keine Kompetenz im Regelfall für I.V. , Medikamentenapplikation und keine Kompetenz zum Nadelstechen bei der Blutzuckermessung. In manchen Regionen zählen das Aufziehen von Medikamenten und das Vorbereiten einer Infusion als ausschließlich pflegerische Maßnahme.

Die Kompetenz über welche die verschiedenen Figuren im RD verfügen unterscheidet sich von Region zu Region (Regionen sind zuständig für die Organisation des RD), teilweise sogar von Provinz zu Provinz(Trentino o Südtirol).

Somit ist auch die Ausbildungsgrundlage von Krankenpfleger im RD eine völlig verschiedene. Die 3 Grundausbildung + 2 Jahre Arbeitserfahrung bleibt Italienweit dieselbe.

Um dann im RD eingesetzt zu werden, gibt es je nachdem welche Kompetenzen die jeweilige Region zugesteht auch Unterschiede in der Anforderung u Ausbildung. Generell werden ALS u ITLS – Kurse verlangt u ein kurzes Praktikum im RD mit Krankenpfleger. In Systemen in denen der Krankenpfleger teilweise schon heute Notarztersatz ist (Lombardei, Trentino), werden auch höhere Ausbildungslevel verlangt. Beispiel hierfür wäre ein pflegewissenschaftlicher Master in Notfallrettung. Dementsprechend weitreichend sind auch die Kompetenzen für KP freigegeben. Diese werden vom ALRD der Region definiert. Organisiert wird der RD über den 118 Notfalldienst der Region o Autonomen Provinz. Dies beinhaltet Leitstelle, Ausstattung und Bedarf der RD-Mittel, sowie Kompetenzen u Protokolle der KP, Sanitäter und Ärzte
Grundkompetenzen für Krankenpfleger italienweit sind I.V. Zugang mit NACL, BZ-Messung, 12 – Kanal EKG, Blutabnahme fürs Labor, Medikamentengabe wie NKA. Zudem noch Glukose und Adrenalin u Amiodaron bei Rea.
Bei akuten Notsituationen in denen kein NA verfügbar ist, können erweiterte Maßnahmen mit telefonischer Absprache mit dem Arzt in der Leitstelle erfolgen. ETI wird nur in wenigen Regionen für KP erlaubt. Meist wird Airwaymanagement durch LT o Larynxmaske freigegeben.
In manche Regionen Italiens wird der KP mit erweiterter Ausbildung schon als Paramedic verwendet und eigenständig eingesetzt u auch disponiert. Er rückt aus entweder mit einem RTW oder mit einem PEF = Pflegereinsatzfahrzeug (Autosanitaria).
https://www.youtube.com/watch?v=xXQNijeRXKA

In vielen Regionen wird der Krankenpfleger nur als Arztassistent angesehen und rückt meist mit dem NEF o RTH aus. Hier assistiert der KP bei der Notfallversorgung, ähnlich wie ein NKV aufn NEF. Somit sind viele Automedica mit einem 3 Team besetzt. NA, KP und Sanitäter. Es gibt aber auch NEF die mit NA+ KP oder NA u Sani besetzt sind.

Das im Link erwähnte Südtirol hat ein paar Eigenheiten hervorzurufen.

Das Rettungssystem ist stark an dem deutschsprachigen Raum angelehnt. Im RD aktiv sind das Weiße Kreuz Südtirol und das Rote Kreuz Italien – Provinzverband Südtirol. Das WK ist an ca. 90 % der Notfalleinsätze in Südtirol beteiligt. Im restlichen Italien gibt es sehr viele kleine Hilfsorganisationen im RD, die nur im jeweiligen Ort aktiv sind und deshalb auch unterschiedlich organisiert sind.
Ausbildungs technisch gibt es in Südtirol drei Stufen (A,B,C) wobei B und C für den RD relevant sind. B ist ca. mit dem öster. Rettungssanitäter gleichzustellen und ungefähr das was in Italien als Sani auf dem RTW zu finden ist. Der C – Kurs in Südtirol gegenüber dem restlichen Italien eine höhere Ausbildug. Sie ist mit dem Notfallsanitäter ohne Notkompetenz gleichzusetzen. C-Kurs erlaubt in Südtirol die Assistenz beim NA Einsatz. http://www.weisseskreuz.bz.it/de/ich-wi ... st-77.html
RD-Krankenpfleger werden In Südtirol an allen größeren KH eingesetzt. Entweder am RTW, ITW o am NEF.
Neben früheren gerichtlichen Kompetenzstreitigkeiten zwischen C- Sanis u KP. gilt es nun zu klären, wie sinnvoll der KP eingesetzt wird.
Zuletzt geändert von WKBZ am Do 5. Mär 2020, 16:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon WKBZ » Do 5. Mär 2020, 16:52

WKBZ hat geschrieben:Hallo, C-Level ist eben nur so eine Südtirol Dings, da in früheren Zeiten viel Ausbildung in D und Ö gemacht wurde und heute noch teilweise werden. Aber auch die Sanitäter der AREU Lombardei (Tecnico) sind gut ausgebildet. Die gesetzliche Lage in Italien bietet hier keinerlei Spielraum für invasive Tätigkeiten bei Sanitätern. Da es kein Berufsbild für Rettungssanitäter gibt. Es gibt zwar Möglichkeit sein Handeln mit Notstand zu erklären, dies muss aber auch der Richter so sehen und alles gut gehen. Ich muss auch eingestehen, dass es auch in der Arbeitsweise pro Bezirk bedeutende Unterschiede gibt.
Die KP der AREU haben SOPs die in Absprache mit der Leitstelle (Turnusarzt) aktiviert werden können. Arzt kann auch entscheiden, dass zusätzlich ein NEF o RTH nachalarmiert wird.
Zwar eine veraltete Version, reicht aber um sich einen Überblick über die SOP zu verschaffen:
http://www.ipasvi.it/archivio_news/attu ... bardia.pdf


Mittlerweile tob in Italien der Konflikt zwischen Pflege und Ärzteschaft betreffend ihrer Kompetenzen in der Notfallmedizin. Da auch hier der rechtliche Rahmen bei den Krankenpflegern unzureichend ist. Speziell geht es um die wia Telefon vom Arzt delegierten Maßnahmen. Wie so oft werden in Italien Fakten geschaffen und der gesetzgeberische Rahmen ist auf dem gleichen Stand wie vor 20 Jahren. Zudem soll ein Berufsbild für den RD kommen, teilweise werden 1000h vorgesehen, an den Kompetenzen und dem Fachwissen soll sich aber wenig ändern.
Für Südtirol zeigt sich so langsam der Rückgang der Ehrenamtlich im RD. Immer mehr Schichten werden mit HA gedeckt. Zudem befindet sich gerade am einem Wendepunkt. Ausbildung, Bedarf und Technik werden im Südtiroler RD neu überarbeitet. Positiv ist , dass das WK jetzt breitenmäßig ITLS propagiert und das Kursformat aus Deutschland inkl Instruktoren kommt.
Im Bereich der Pflege im RD innerhalb Südtirol hat sich auch etwas geändert. Fast alle KPs die vorher auf den RTW waren, bilden jetzt eine Union mit NA auf dem NEF. Somit sind seit 2019 alle NEF (bis auf 1) mit RS,KP,NA besetzt. Der ITW hat die gleiche Besetzung. NAWs kommen noch ohne KP aus. Die frühere Eigenständigkeit bei den Maßnahmen für KP ist mittlerweile eingeschränkt worden und auch fast nicht mehr möglich, da KP in Südtirol begrenz alleine auf dem RTW unterwegs sind. Aktuell gibt es 2 KP Werktags für Sekundärfahrten und eine KP-RTW in BZ tagsüber.
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Beitragvon WKBZ » Do 5. Mär 2020, 16:54

Also ganz Allgemein gehalten, es gibt in Italien alles und nix.
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Beitragvon bacho » Do 5. Mär 2020, 17:06

Danke für den Einblick in ein scheinbar sehr diverses System.
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Beitragvon giulio » Do 5. Mär 2020, 19:58

Danke für den ausführlichen Bericht. Ich bin in Meran am NEF und RTW mitgefahren. Dort gab es keinen KP am NEF aber dafür einen KP auf einem RTW. Ich bin leider auf dem ohne KP mitgefahren.
Einen Pfleger am NEF hat es, schon garnicht als 3ten, nicht gebraucht. Am RTW mit zusätzlichen Kompetenzen sicher nicht unklug. Aber hatte ein bissl den Eindruck als wären die dort Fremdkörper.
Der KP im RD in Italien historisch gewachsen, da werden die Sanis wohl gesetz und kompetenzlos bleiben. Bleibt zu hoffen dass die KP gut ausgebildet sind, weil ein Pflegestudium alleine macht keine gute Notfallmed.fachkraft und das das Studium dort überall so top ist würde ich auch anzweifeln.
Schade dass die Sanis dort so klein gehalten werde , hatte in Meran keinen schlechten Eindruck von deren Kompetenzen.
Zuletzt geändert von giulio am Do 5. Mär 2020, 20:01, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitragvon Menico » Fr 6. Mär 2020, 10:14

Danke. Klingt sehr spannend.
Welche Kompetenzen hat denn ein KP standardmäßig in etwa (um es einfach zu halten sprechen wir mal von Südtirol)?
Klingt so ungefähr wie unser NKI... Was kann ein Arzt telefonisch deligieren?
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Beitragvon WKBZ » Fr 6. Mär 2020, 12:16

Hi, grundlegend diese I.V. Zugang mit NACL, I.O., BZ-Messung, 12 – Kanal EKG, Blutabnahme fürs Labor und Atemwegsicherung mittels I-Gel. In den letzten Jahren gab’s hier ein hin und her. Grundlegend war im Notstand alles erlaubt was sich der KP in verschiedenen Fachkursen angeeignet hat. (u.a. BTM, sogar vereinzelt ETI bei Rea). Voraussetzung war das Fehlen eines Notarztes und die Absprache über Telefon (wie das dann bei der ETI gelaufen ist keine Ahnung). Mittlerweile gibt es einen neune ärztlichen Leiter RD (Primar Landesnotfalldienst), und allgemein ein neues med. Team im Landesnotfaldienst (Zentraldienst für die Organisation des RD inkl. Leitstelle). Alle top Leute mit Erfahrung in Präklinik, Intensivmedizin und teils Feuerwehrwesen. Die haben diese Grauzone die sich entwickelt hat grundlegend reguliert. Das heißt KP wird meistens Tätig auf Anweisung vom physisch anwesenden NA. Telefonische Absprachen gibt es immer noch (auf die können sich auch die normalen RS berufen und Absprachen treffen), Freigaben werden aber stark reguliert und im Notfall angewandt. Weil unter anderem die gesetzliche Grundlage für die Delegation fehlt. Das ist mit auch ein Grund warum es weniger RTW mit KP gibt. Der im Fall Meran auch trotz Eigenständigkeit immer mit NEF entsendet wurde, so fern verfügbar. Hat sich jetzt seit Frühjahr 2019 geändert und NA u KP bilden in Meran, Bozen, Brixen, Bruneck eine Einheit. Zwar gibt es Werktags Mo-FR 7-19) in Meran und Brixen zwei Sekundärkp. die vor allem Verlegungen begleiten sollen als Pilotprojekt. Das Projekt sah auch vor in Meran für drei Monate einen eigenen RTW mit RS u KP im Team zu besetzen. Auswertung erfolgt zurzeit und Entscheidung steht aus. Kosten nutzen spielt hier eine Rolle, weil der KP zwar in der Notaufnahme mitarbeitet, jedoch als planbare Stelle fehlt. Zudem wurden zwei neue Notarztmittel geschaffen. Es gibt einen neuen RTW (Pelikan3 im Westen des Landes) und der ITW/NAW 409 aus Bozen rollt 24H. Am Tag ist er vor allem mit Verlegungsfahrten von überwachten Pat. zwischen den KH. Beschäftigt, die nicht zeitkritisch sind und soll dabei die Notarztstützpunkte entlasten. Natürlich ist er auch für instabile Intensivpatienten da, die werden aber vorwiegen so machbar mit RTH verschoben u zeitkritische Sachen mit RTH oder Bodengebunden.

Zum Thema Kompetenzen muss man logischerweise auch auf die Ausbildung achten. Neben dem dreijährigen Bachelor-Studium in Krankenpflege, benötig man für den Einsatz im RD als KP zudem eine zweijährige Erfahrung im Notfallbereich des Krankenhauses. Entweder Intensiv, Kardiointensiv, OP-Bereich oder Notaufnahme . Zudem gibt es einen 6 Tages Kurs zum Thema RD mit zusätzlichen Bezug auf Trauma, RD-Gerätschaften und MANV, inkl. Praktikum im RD (RTW o NEF) in seinem Stützpunkt. Die KP haben zudem die Möglichkeit im Rahmen ihrer jährlichen Fortbildung Kursformate (ALS,PALS,PHTL) in der Notfallmedizin zu buchen. Die genauen Inhalte des Kurses hab isch auch als PDF und kann öffentlich eingesehen werden.
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