AV Block + Hypertonie

Informationen und Hilfe zur RS- und NFS-Ausbildung

AV Block + Hypertonie

Beitragvon Menico » Di 21. Jan 2020, 13:34

Hallo zusammen,

hatte am WE einen Pat. mit AV Block 3 und Hypertonie (RR > 220)
Wäre hier eine Blutdrucksenkung indiziert oder gefährlich? Habe dazu im Netz keiner Infos gefunden.
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Beitragvon anaestheasy » Di 21. Jan 2020, 13:49

Hättest du eine ausführlichere Anamnese zu diesem Patienten? Symptome, bek Erkrankungen, Meds. Anhand welcher Kriterien hast du den AV-Block 3 diagnostiziert?
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Beitragvon Menico » Di 21. Jan 2020, 14:04

Hab' ich.

Pat. kommt eigenständig in die Hausarztpraxis des Wochenendnotdienstes, weil ihn der selbst gemessene Blutdruck (sys. > 220) beunruhigt und sein Herz so langsam schlägt.
Als wir eintreffen liegt der Pat. voll monitorisiert auf einer Untersuchungsliege. Keine akuten Beschwerden. Keine Kaltschweißigkeit. Keine Synkopen. HF bei 40 und rhythmisch. Sättigung 99%. RR 180/80.
Pat. macht einen "guten" Eindruck und fühlt sich auch nicht krank.

Im EKG sind die P Wellen deutlich von den Kammerkomplexen disassoziiert. QRS-Komplexe sind breit. Hin und wieder kommt jedoch ein schmaler QRS Komplex durch.
Die P-Wellen kommen mit einer Frequenz von ca. 80-90 (somit auch keine Bedarfstachycardie erkennbar).

Als Vorerkrankung ist nur der Bluthochdruck bekannt gegen den er einen Betablocker einnimmt (welchen genau, weiß er nicht).

In diesem Fall wäre es natürlich sicher unangebracht gewesen etwas Blutdrucksenkendes zu geben da er keine Symptome gehabt hat. Aber es hat mich ins Grübeln gebracht ob man bei Bradykardien bzw. Herzrhythmusstörungen generell den RR nicht angreifen sollte.
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Beitragvon anaestheasy » Di 21. Jan 2020, 14:08

Danke.

Nun, wenn du hin und wieder schmale QRS-Komplexe gesehen hast, kann kein AV-Block 3 vorgelegen sein. Hast du nicht zufällig das EKG?
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Beitragvon Menico » Di 21. Jan 2020, 14:31

Leider nein.

AV I und AV I (Mobitz 1 und 2) haben wir aber definitiv ausgeschlossen. Die schmalen Komplexe waren vll. 2 bis 3 pro Minute.
P-Wellen waren auch klar erkennbar, daher war es auch einfach zu erkennen, dass kein Zusammenhang zu den QRS Komplexen bestand.

Da die P und T Wellen "normal" konfiguriert und auch die QT Zeit angemessen war, haben wir die Elektrolyte ausgeschlossen.
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Beitragvon alexxd_12 » Di 21. Jan 2020, 17:32

anaestheasy hat geschrieben:Danke.

Nun, wenn du hin und wieder schmale QRS-Komplexe gesehen hast, kann kein AV-Block 3 vorgelegen sein. Hast du nicht zufällig das EKG?


Naja könnte ja ein Mobitz mit 5:1 (oder sowas) Überleitung und ventrikulärem Ersatzrythmus gewesen sein.
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Beitragvon Menico » Di 21. Jan 2020, 19:29

Darauf haben wir explizit geschaut. Es war keine Regelmässigkeit erkennbar.

Laut NA sei es durchaus möglich, dass beim AV 3 auch mal eine Erregung normal übergeleitet wird.
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Beitragvon Inselzivi » Di 21. Jan 2020, 21:41

Menico hat geschrieben:Hab' ich.

Pat. kommt eigenständig in die Hausarztpraxis des Wochenendnotdienstes, weil ihn der selbst gemessene Blutdruck (sys. > 220) beunruhigt und sein Herz so langsam schlägt.
Als wir eintreffen liegt der Pat. voll monitorisiert auf einer Untersuchungsliege. Keine akuten Beschwerden. Keine Kaltschweißigkeit. Keine Synkopen. HF bei 40 und rhythmisch. Sättigung 99%. RR 180/80.
Pat. macht einen "guten" Eindruck und fühlt sich auch nicht krank.

Im EKG sind die P Wellen deutlich von den Kammerkomplexen disassoziiert. QRS-Komplexe sind breit. Hin und wieder kommt jedoch ein schmaler QRS Komplex durch.
Die P-Wellen kommen mit einer Frequenz von ca. 80-90 (somit auch keine Bedarfstachycardie erkennbar).

Als Vorerkrankung ist nur der Bluthochdruck bekannt gegen den er einen Betablocker einnimmt (welchen genau, weiß er nicht).

In diesem Fall wäre es natürlich sicher unangebracht gewesen etwas Blutdrucksenkendes zu geben da er keine Symptome gehabt hat. Aber es hat mich ins Grübeln gebracht ob man bei Bradykardien bzw. Herzrhythmusstörungen generell den RR nicht angreifen sollte.


man möge mich korrigieren aber betablocker als therapie für hypertonie bei keiner bekannten komorbidität ist eher ungewöhnlich, gerade weil die beta-blocker bradykardien/av blöcke auslösen können.
einer dieser unausstehlichen medizinstudenten die ehrenamtlich im RD unterwegs sind.
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Beitragvon zeillerkommentar » Mi 22. Jan 2020, 14:42

Nein, Labetalol wäre mitunter das am besten geeignete Mittel. Ist bei uns halt nicht so verbreitet, in US ists 1. Wahl.
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Beitragvon D3xter » Do 23. Jan 2020, 13:57

Der Beschreibung nach klingt das nach einem höhergradigen AV-Block II.

Der höhergradige AV-Block II ist definiert mit:
  • Überleitung von 3:1 oder höher
  • Unterschied zum AV-Block III ist, dass es eine Verbindung zwischen zumindest einer P-Welle und einem QRS-Komplex gibt

Quelle: https://litfl.com/av-block-2nd-degree-h ... -av-block/

Bei Herzrhythmusstörungen mit Hypertonie stellt sich mir die Frage, ob die Hypertonie direkt/indirekt durch die HRS enstanden ist.
Wenn ja, macht es nicht viel Sinn den Blutdruck zu senken, stattdessen sollte das Hauptproblem behandelt werden.
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