Ebrantil, Erfahrungen

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Ebrantil, Erfahrungen

Beitragvon Menico » Di 7. Jan 2020, 13:26

Hi zusammen,

in Vlbg. haben wir jetzt Ebrantil freigegeben bekommen. Bzw. einen Onlinekurs für alle NKler und ab Februar haben wir das Zeugs am Auto.
Ich "wundere" mich allerdings etwas über den Algorithmus den wir dazu bekommen haben.

Kontraindikationen:
Allergie auf den Wirkstoff, Aortenisthmusstenose, Dialyseshunt, Stillzeit -> Alles wie im Beipackzettel

Zusätzlich noch (einiges steht im Beipackzettel als "besondere Vorsicht" bzw. "Dosisreduktion empfohlen"):
Schwangerschaft, Starker Alkoholkonsum in den letzten 12 Stunden,
Einnahme von Antihistaminika (im Beipackzettel ist nur Cimetidin erwähnt), Leber- oder Nierenfunktionsstörungen, Cerebrales Geschehen

Außerdem dürfen wir nur 5mg verabreichen und das bis max 20mg wiederholen (also titrieren mit max. 4 Gaben)
Ich nehme an damit möchte man die Nebenwirkungen umgehen die durch "zu schnelle Gabe" auftreten können.

Wie sehen die Algos in anderen Bundesländern aus?
Was sind eure Erfahrungen mit Ebrantil?

Bei meinen bisherigen Einsätzen haben die Notärzte immer mal mit 15-20mg angefangen (wie es auch im Beipackzettel vorgeschlagen ist) und dann geschaut was sich tut. Ggf. dann nochmal soviel gegeben und bei ausbleibender Wirkung mal was anderes probiert.
Dateianhänge
2020-01-07 13_25_22-Arzneimittelliste 2_Hypertensive Krise.pdf - Adobe Acrobat Reader DC.png
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Re: Ebrantil, Erfahrungen

Beitragvon Dorsk » Di 7. Jan 2020, 13:29

Schau dir doch einfach im Vergleich die SOPs in Deutschland an, z.B. vom DBRD, oder vom Rhein-Neuss-Kreis.

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Beitragvon virtue » Di 7. Jan 2020, 14:11

Warum beidseits eine manuelle Blutdruckmessung? Gibt es da ein Begründung, insbesondere wo doch in Vorarlberg auf allen RTWs ein C3 vorhanden ist? Eine Kontrollmessung ist ja durchaus sinnvoll, bevor man mit der Therapie beginnt, aber warum ist dezidiert festgehalten, dass beide Messungen manuell erfolgen müssen?

/edit: ASB NÖ bzw. die Liste vom Bundesverband sieht maximal 25mg Urapidil in je 5mg-Schritten im Abstand von 3 Minuten vor (bei RR > 200mmHg). Die Art der Messung und Quantität wird hierbei nicht angegeben.

/edit2: Wird der Nitrospray in Folge aus der AML gestrichen (für den Hypertensiven Notfall) und fällt dieser für die Indikation dann raus (so wie wie im restlichen Österreich beim RK ja bereits vor längerem geschehen)?
Zuletzt geändert von virtue am Di 7. Jan 2020, 14:17, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitragvon RedTiger » Di 7. Jan 2020, 14:23

im Vergleich dazu Wien bei MA70:
1. RR > 230mmHg mit Symptomen
2. Kontraindikationen sind: Unverträglichkeit/Aortenstenose/Ateriovenöser Shunt/Stillzeit/Alter <= 16
3. Zielwert = max 20% vom Ausgangswert & Besserung der Symptome
4. Verabreichung: 5mg langsam und titriert über 5min., 1x wiederholbar.

Bis jetzt 2x gemacht, in beiden Fällen schon mit 5mg -> RR <200 (einmal 175, einmal 190) mit Sympt.-Besserung.

und ASB Wien:
1. RR > 200mmHg mit Symptomen
2. Kontraindikationen: Unverträglichkeit/neur. Symptomatik/ACS/Aortenstenose/Alter < 8 Jahre/keine Zuverlässige Anamnese
3. Zielwert nicht unter 160mmHg & Besserung der Symptome
4. Verabreichung: 5mg alle 3 Minuten, max 25mg + Isotone kristalloide Lösung mit langsamer offenhaltender Flussrate.
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Beitragvon RedTiger » Di 7. Jan 2020, 14:30

virtue hat geschrieben:Warum beidseits eine manuelle Blutdruckmessung? Gibt es da ein Begründung, insbesondere wo doch in Vorarlberg auf allen RTWs ein C3 vorhanden ist? Eine Kontrollmessung ist ja durchaus sinnvoll, bevor man mit der Therapie beginnt, aber warum ist dezidiert festgehalten, dass beide Messungen manuell erfolgen müssen?


Kann ich mir schon erklären - automatische RR-Messung ist bekanntlicherweise fehleranfällig auf Artefakte (Anzeichen die dafür Sprechen, dass der Wert ein Schmarrn ist, sollten allerdings jedem bekannt sein) und man will damit wohl verhindern das irgendwer der den Monitor anstatt den Patienten therapiert und vielleicht irgendwem mit Normotonie einfach abschießt weil er irgendeinem Fantasiewert am Monitor vertraut. Mit der beidseitigem RR-Messung will man wohl verhindern, dass eine mögliche Aortendissektion die auf einer Seite 200/110 und auf der anderen Seite 130/80 hat abgeschossen wird. - Warum man dann nicht den V.a. auf Aortendissektion als Kontraindikation reinschreibt ist mir auch nicht ganz klar.
Zuletzt geändert von RedTiger am Di 7. Jan 2020, 14:32, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon anaestheasy » Di 7. Jan 2020, 15:06

Weil eine Aortendissektion keine Kontraindikation für Urapidil ist. Vielmehr sogar eine Indikation.
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Beitragvon atomization » Di 7. Jan 2020, 15:08

Immer dieser bluthochdruck
Wenn der patient keine organschäden hat, wird nichts gemacht, tlw nicht mal transportiert und an den hausarzt verwiesen -> guidelines

Btw ebrantil wirkt umso "ärger" je schneller gespritzt wird, das erklärt viele verschiede erfahrungen der kollegen
… denn sie wissen nicht, was sie tun
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Beitragvon Menico » Di 7. Jan 2020, 15:38

virtue hat geschrieben:Warum beidseits eine manuelle Blutdruckmessung? Gibt es da ein Begründung, insbesondere wo doch in Vorarlberg auf allen RTWs ein C3 vorhanden ist? Eine Kontrollmessung ist ja durchaus sinnvoll, bevor man mit der Therapie beginnt, aber warum ist dezidiert festgehalten, dass beide Messungen manuell erfolgen müssen?


Die beidseitige Messung ist zum Ausschluß einer Dissektion. Die war beim Nitro noch als KI gelistet. Ich glaube das ist noch ein Überbleibsel und einfach ein Fehler im Algo.
Seit dem Softwareupdate im Dezember nach dem der C3 jetzt die Signalqualität der Messung anzeigt müsste meiner Meinung das mit der manuellen Messung nicht mehr unbedingt sein.

Das Nitro ist für den Bluthochdruck jetzt komplett gestrichen. Beim ACS und kardialen Lungenödem aber noch freigegeben.
Außerdem wurde im Zuge der Umstellung auch die Dosierung von ASS beim ACS angepasst. Von 500mg auf 250mg.

atomization hat geschrieben:Immer dieser bluthochdruck
Wenn der patient keine organschäden hat, wird nichts gemacht, tlw nicht mal transportiert und an den hausarzt verwiesen -> guidelines


Stimmt. Ich senke den Blutdruck auch nicht um des Blutdrucks willen...
Wenn keine Symptome feststellbar sind muss man halt schauen. Aber ohne Symptome wird auch selten jemand die Rettung rufen.
Letzten Monat hatte ich eine Dame mit einem Druck von 275/100... Gehfähig, keine Beschwerden. Die hat halt angerufen weil sie routinemäßig gemessen hat und ihre Medikamente nicht gewirkt haben. Die wurde dann halt normal auf die Interne gebracht.
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Beitragvon RedTiger » Di 7. Jan 2020, 17:06

anaestheasy hat geschrieben:Weil eine Aortendissektion keine Kontraindikation für Urapidil ist. Vielmehr sogar eine Indikation.


Richtig, allerdings sollte eine Blutdrucksenkung erst mit Morphin&Betablockern angestrebt werden und erst dann zur weiteren Stabilisierung Vasodilatatoren eingesetzt werden. Einen Verdacht auf Aortendissektion sehe ich jedoch anders als eine hypertensive Entgleisung als unbedingte Notarztindikation. Mit diesem sollte man in diesem Fall vielleicht auch die Einleitung medikamentöse Therapie bis zu seinem Eintreffen telefonisch absprechen.
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Beitragvon Leuko » Di 7. Jan 2020, 17:32

Was ich zwar einsatztaktisch sinnvoll, aber rechtlich interessant finde: Der NA wird erst alarmiert, wenn die wiederholte Gabe nicht erfolgreich ist. In welcher Form ist bei euch die gesetzlich geforderte "Verständigung des NA" geregelt bzw. wie wird es praktisch gelebt? Gibt es einen Journal-Arzt bzw. etwas vergleichbares, der allgemein von NK-Anwendung verständigt werden muss?

Beim RK NÖ gibt es derzeit übrigens gar keinen Algorithmus für die hypertensive Krise, seit der Nitrospray gestrichen wurde, weil er off-label verwendet wurde...
Was man so hört soll aber eine neue, ausgeweitete AML kommen.
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