Bodycams im Rettungsdienst. Ein sinnvolles Device?

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Bodycams im Rettungsdienst. Ein sinnvolles Device?

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14
40%
 
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Bodycams im Rettungsdienst. Ein sinnvolles Device?

Beitragvon Angelo2020 » Di 21. Jun 2022, 12:18

Hallo liebe Kolleginnen und Kollegen,

derzeit schreibe ich eine Facharbeit zum Thema "Bodycams im Rettungsdienst. Ein sinnvolles Device?"

Folgende Unterpunkte möchte ich zum Thema Bodycams einführen.

- Gewalt im Rettungsdienst
- Einsatzdokumentation bei schwierigen Einsätzen
- Telemedizin.

Nun meine Fragen an euch.

Was denkt ihr über Bodycams im RD?
Würden diese zur Sicherheit der Sanitäter beitragen?
Hat jemand bereits Erfahrung mit dem Thema Bodycams?

Ich freue mich auf eure Antworten.

Vielen Dank im Voraus!

Liebe Grüße ;)
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Bodycams im Rettungsdienst. Ein sinnvolles Device?

Beitragvon Menico » Di 21. Jun 2022, 12:33

Ein sehr zweischneidiges Schwert meiner Meinung nach.

Im Gegensatz zur Polizei, kommen wir nicht vorrangig in gefährliche Situationen und wir haben fast immer mit Menschen in vulnerablen Situationen zu tun.
Von daher würde ich den routinemäßigen Einsatz von Bodycams bei uns mal ausschließen.

OnDemand für Telemedizin? Absolut!
Aber dann wird vmtl. was deutlich besseres als Bodycams nötig sein.
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Bodycams im Rettungsdienst. Ein sinnvolles Device?

Beitragvon eklass » Di 21. Jun 2022, 13:01

Prinzipiell stimme ich Menico zu.
Hinzu kommt die Komponente, dass ich den generellen Trend zur Videoüberwachung eher kritisch sehe und den Effekt enden wollend.
Wird nicht ganz zufällig sein, dass dein Beispielbild aus UK stammt, wo man sich es ja angewöhnt hat, möglichst jeden Quadratzentimeter zu CCTVen.
Und dennoch gehen die "knive crimes" durch die Decke. Kann man jetzt drüber diskutieren ob es ohne CCTV nicht noch schlimmer wär, aber so prinzipiell sagt das halt schon was aus.

Und auch sonst gibt's ja genug Studien, die die negativen Effekte von Bodycams zeigen. Die Frage ist halt, wieviel Bias da drinnen ist.

Interessantes Thema jedenfalls, in welchem Rahmen schreibst du die Facharbeít?
... aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen
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Bodycams im Rettungsdienst. Ein sinnvolles Device?

Beitragvon RK_RD » Di 21. Jun 2022, 13:49

eklass hat geschrieben:Und auch sonst gibt's ja genug Studien, die die negativen Effekte von Bodycams zeigen. Die Frage ist halt, wieviel Bias da drinnen ist.


Was wären das für negative Effekte?
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Bodycams im Rettungsdienst. Ein sinnvolles Device?

Beitragvon Angelo2020 » Di 21. Jun 2022, 14:46

Danke für deine Meinung.


Menico hat geschrieben:Ein sehr zweischneidiges Schwert meiner Meinung nach.

Im Gegensatz zur Polizei, kommen wir nicht vorrangig in gefährliche Situationen und wir haben fast immer mit Menschen in vulnerablen Situationen zu tun.
Von daher würde ich den routinemäßigen Einsatz von Bodycams bei uns mal ausschließen.

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Beitragvon Angelo2020 » Di 21. Jun 2022, 14:47

Vielen Dank für deine Meinung.

Diese Facharbeit wird im Zuge meiner Unteroffiziersausbildung benötigt.

Liebe Grüße ;)

eklass hat geschrieben:Prinzipiell stimme ich Menico zu.
Hinzu kommt die Komponente, dass ich den generellen Trend zur Videoüberwachung eher kritisch sehe und den Effekt enden wollend.
Wird nicht ganz zufällig sein, dass dein Beispielbild aus UK stammt, wo man sich es ja angewöhnt hat, möglichst jeden Quadratzentimeter zu CCTVen.
Und dennoch gehen die "knive crimes" durch die Decke. Kann man jetzt drüber diskutieren ob es ohne CCTV nicht noch schlimmer wär, aber so prinzipiell sagt das halt schon was aus.

Und auch sonst gibt's ja genug Studien, die die negativen Effekte von Bodycams zeigen. Die Frage ist halt, wieviel Bias da drinnen ist.

Interessantes Thema jedenfalls, in welchem Rahmen schreibst du die Facharbeít?
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Bodycams im Rettungsdienst. Ein sinnvolles Device?

Beitragvon eklass » Di 21. Jun 2022, 15:39

RK_RD hat geschrieben:
eklass hat geschrieben:Und auch sonst gibt's ja genug Studien, die die negativen Effekte von Bodycams zeigen. Die Frage ist halt, wieviel Bias da drinnen ist.


Was wären das für negative Effekte?


Hatte dazu mal eine Studie gelesen, finde sie jetzt nimmer.
Übergriffe auf Polizisten haben zugenommen, wobei hier der Bias sein könnte, dass das mit dem Hintergrund der Videoüberwachung ein Beweis vorhanden ist und sich die Polizisten davor gedacht haben "Ach was solls, meld ich's nicht, das glaubt mir eh wieder keiner"
Find grad nur den Artikel dazu: https://www.govtech.com/em/safety/body- ... fects.html.
Da stehen auch noch ein paar andere drinnen.
Oder hab ich damals nur irgendeinen Artikel dazu gelesen? Keine Ahnung mehr :D

Diese Facharbeit wird im Zuge meiner Unteroffiziersausbildung benötigt.

Alles Gute für Arbeit und Ausbildung. Interessant, dass dafür keine Literaturarbeit erforderlich ist sondern ihr tatsächlich selbst Daten erheben sollt.
Kannst deine Erkenntnisse gern mit uns teilen wenn sie fertig ist.
... aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen
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Bodycams im Rettungsdienst. Ein sinnvolles Device?

Beitragvon 25B01 » Di 21. Jun 2022, 15:41

Im ländlichen Bereich sicherlich ein praktisches Tool für die Telemedizin. Hier ist ja vorrangig die weite Anfahrtsstrecke für den Notarzt bzw. in das Krankenhaus das Problem, hinzu kommen überwiegend ehrenamtliche und unroutinierte Sanitäter, welche von einer raschen notärztlichen Meinung maßgeblich profitieren können.

Im städtischen Bereich, und hier nehme ich gezielt Wien als Beispiel her, wäre ein derartiges Device schon lange überfällig! Bei der Masse an Stellungnahmen und der Dichte an nur schwer nachweisbaren verbalen und körperlichen Übergriffen auf den Rettungsdienst steht der Gesetzgeber endlich in der Bringschuld dem Rettungsdienst den Schutz zu bieten den er benötigt. Streitfragen wären mit einem minimalen Aufwand nichtig und für den 0815 Einsatz sehe ich kein Hindernis das Devise einfach auf der Uniform zu belassen. Gekoppelt mit einer Loopaufnahme welche sich selbst jede Minute löscht (bzw. nur auf Knopfdruck dauerhaft gespeichert wird) würde so auch dem Sanitäter selbst kein Schaden entstehen.

Ich verstehe hier offen gesagt den Widerspruch nicht. Es geht um unsere Sicherheit und um unsere Integrität im Dienst. Da kenne ich keinen ausschlaggebenden Einwand der dagegen sprechen könnte.
Nur ein Tölpel erhebt seine Meinung über eine Expertise.
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Bodycams im Rettungsdienst. Ein sinnvolles Device?

Beitragvon eklass » Di 21. Jun 2022, 15:56

Einfach mal aktiv damit beschäftigen, Gegenargumente zu finden, wärs.

1) Die Arbeit mit Patient:innen erfordert einen deutlich höheren Anspruch an den Datenschutz als bei der Arbeit der Polizei. Das wird rechtlich schon ziemlich knackig.
2) Streitfragen sind nur aus Sicht der Sanitäter:innen nichtig. Wenn wenn der/die erste Angehörige das Handy zückt wird auch weiterhin darauf bestanden werden, dass das sofort wieder ausgemacht wird. Und das zurecht mMn. Daher verzerrt eine Bodycam die Argumentation deutlich zu Gunsten des Sanitäters (Ist bei der Polizei übrigens nicht so, die dürfen gefilmt werden)
3) Glaubst echt, nur Sanis gehts im Gesundheitswesen so? Ich werde als Pfleger deutlich öfter verbal oder körperlich attackiert, sollen wir da jetzt auch mit Bodycams herumlaufen? Das endet dann tatsächlich in einer totalen Videoüberwachung, was es bringt, hab ich oben schon ausgeführt.
4) Der Gesetzgeber hat hier schon gewirkt, der hat nämlich die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers (§ 1157 ABGB) geschaffen und somit solltest du dich mit deinem Anliegen besser an deine Arbeitgeberin wenden, wenn du meinst, Bodycams sind the way to go.
5) Letztenendes ist es wiedereinmal die alte Frage, die uns nicht nur auf dieser Mikroebene beschäftigt, sondern die sich bis hinauf zur EU zieht: Wollen wir eine komplette Überwachung aller wegen ein paar Deppen? Keine Ahnung, kann ich selbst nicht beantworten, obwohl ich mich schon lang damit beschäftige und eben für und wider abwiegen kann...
Zuletzt geändert von eklass am Di 21. Jun 2022, 15:59, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitragvon 25B01 » Di 21. Jun 2022, 16:16

eklass hat geschrieben:Einfach mal aktiv damit beschäftigen, Gegenargumente zu finden, wärs.

1) Die Arbeit mit Patient:innen erfordert einen deutlich höheren Anspruch an den Datenschutz als bei der Arbeit der Polizei. Das wird rechtlich schon ziemlich knackig.
2) Streitfragen sind nur aus Sicht der Sanitäter:innen nichtig. Wenn wenn der/die erste Angehörige das Handy zückt wird auch weiterhin darauf bestanden werden, dass das sofort wieder ausgemacht wird. Und das zurecht mMn. Daher verzerrt eine Bodycam die Argumentation deutlich zu Gunsten des Sanitäters (Ist bei der Polizei übrigens nicht so, die dürfen gefilmt werden)
3) Glaubst echt, nur Sanis gehts im Gesundheitswesen so? Ich werde als Pfleger deutlich öfter verbal oder körperlich attackiert, sollen wir da jetzt auch mit Bodycams herumlaufen? Das endet dann tatsächlich in einer totalen Videoüberwachung, was es bringt, hab ich oben schon ausgeführt.
4) Der Gesetzgeber hat hier schon gewirkt, der hat nämlich die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers (§ 1157 ABGB) geschaffen und somit solltest du dich mit deinem Anliegen besser an deine Arbeitgeberin wenden, wenn du meinst, Bodycams sind the way to go.
5) Letztenendes ist es wiedereinmal die alte Frage, die uns nicht nur auf dieser Mikroebene beschäftigt, sondern die sich bis hinauf zur EU zieht: Wollen wir eine komplette Überwachung aller wegen ein paar Deppen? Keine Ahnung, kann ich selbst nicht beantworten, obwohl ich mich schon lang damit beschäftige und eben für und wider abwiegen kann...


Wenn wir alle beim Kontext bleiben hauts auch mit dem produktiven Gespräch hin ;)

1. Dass solche Entscheidungen nicht von heute auf morgen kommen weil ein paar Sanitäter die Idee gut finden ist hoffentlich klar. Natürlich muss erst der rechtliche Raum für derartiges geschaffen werden. Schade, wenn man derart obligatorisches als Grundlage für eine Negativierung meiner Meinung hernimmt. Objektiv bleiben (y)
2. Wenn ein Angehöriger oder Patient ein Handy in die Hand nimmt weil er meint ich behandle meinen Patienten falsch so ist das sein gutes Recht. Er drückt allerdings in diesem Moment auf Aufnahme wohingegen man eine Bodycam ausschließlich dann aufnehmen lässt wenn etwas wichtiges passiert. Nichts desto trotz muss ich zugestehen, dass hier eine gewisse Doppelmoral entsteht. Hier verweise ich gerne wieder auf den rechtlichen Raum welcher erst geschaffen werden muss.
3. Nein, glaube ich nicht. Das hier heißt allerdings SanForum. Hier geht es um den Rettungsdienst. Wenn du als Krankenpfleger gerne im Nachhinein deinem Chef erklären willst wieso du deinen rabiaten Patienten mit dem Feuerlöscher schlafen gelegt hast weil er mit einem Messer auf dich losgegangen ist ist das schön, das gehört aber eher in das NurseForum. Der Vorfall vor wenigen Monaten, wo ein Wiener Kollege einen Patienten auf dem Boden fixiert hat wäre einer dieser Fälle die schnell gelöst wären.
4. Es geht hier nicht um mein Wohlbefinden sondern um meine Meinung zum Threat. Ich weiß nicht ob du es mitbekommen hast aber hier wird nach Meinungen gefragt. Da muss man damit leben können, dass nicht jeder die Selbe hat. Keine Sorge, wenn mich in der Arbeit etwas stört oder ich Verbesserungsvorschläge finde gebe ich meinem Arbeitgeber Bescheid.
5. Auch hier verweise ich wieder auf noch zu schaffenden rechtlichen Raum. Und bei aller Kollegialität... Wer bei jeder Webseite alles akzeptiert, auf Facebook, Instagram, Google und Konsorten mit seinen Daten nur so um sich wirft und gerne mal seine Standortdaten für diverse Apps preisgibt braucht jetzt keinen auf Moralapostel machen wenn Brüssel uns zum "gläsernen Menschen" macht.

Es würde mich freuen wenn wir jetzt wieder zu einem konstruktiveren Konsens zusammen finden könnten. Es liegt mir fern bei einer Meinungsumfrage irgendjemanden zu diffamieren bzw. mich diffamieren zu lassen. Dein Standpunkt ist klar, ich hoffe meiner kann jetzt auch auf sich belassen werden.

LG!
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