Tätigkeitsbereich Fieldsupervisor [Wien]

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Tätigkeitsbereich Fieldsupervisor [Wien]

Beitragvon giulio » Sa 27. Jan 2018, 12:53

Liebe Leute,
ich möchte mir kurz Zeit nehmen und nach wiederholten Unklarheiten zum Thema Fieldsupervisor euch ein bisschen über den Aufgaben- und Tätigkeitsbereich des FISU informieren.

Das FISU System so wie es dzt. existiert hat seinen Ursprung in den Jahren 2007 bis 2010 in denen die CIRC Studie stattfand. Damals hieß die FISU nach AKL (Akademieleitung) und wurde eingesetzt um die Durchführung der Studie zu überwachen und die Qualität zu gewährleisten.
Das System blieb bestehen und wurde auf die allgemeine Qualtitätssicherung ausgeweitet.
Mittlerweile heißen die AKL Fahrzeuge Fieldsupervisor, angelehnt an die Systeme aus dem angelamerikanischen Rettungsdiensten und unterliegen einen speziellen Ausrückeordnung. Die Anzahl der Fahrzeuge wurde auf 3 erweitert und setzt sich aus Zentrale-FISU, Penzing- FISU und Aspern-FISU zusammen. Stellt sich ein Arzt aus dem AKH (NFA) zur Verfügung, bezieht einer der drei FISU Standort im AKH und nennt sich AKH-FISU. Die Ausrückeordnung und Ausstattung ist die gleiche, das Fahrzeug ist lediglich zusätzlich mit Giften ausgestattet und einem Arzt besetzt.
Die Ausstattung der Fahrzeuge besteht aus LP-15, Einsatzrücksack zumindest mit Notfallkompetenz Medikamenten (meistens erweitertes Ampullarium), Videolaryngoskop McGrath, Lucas 2, O2, Stifnecktasche inkl. Beckengurt und Rettungsboa.

Die Einsatzzahlen der Fahrzeuge im Jahr 2017 reichen von ca. 1500 Einsätzen des ZTR-FISU und ca. 400 Einsätzen des AKH-FISU.

Es versehen dzt. 17 Sanitäter Dienst als FISU. Alle Sanitäter sind NFS-NKI, Lehrsanitäter und besuchen das Pilotprojekt zur Ausbildung zum Dipl. NFS. Ebenso haben die meisten Kollegen Ausbildungen wie ERC-ALS,PHTLS,AMLS, EPC. Einige FISU sind zusätzlich HEMS Crew Member.
Die Einschulung als Lehrsanitäter und FISU dauert 1 Jahr.

Am Einsatzort ist der Hauptaufgabenbereich des FISU die Supervision, für viele Kollegen und Ärzte sind die FISU aber willkommene kompetente Kollegen am Einsatzort. Ist ein NA Vorort kann man sich oftmals auf eine bloße Beobachtung beschränken, sich ev. um die Angehörigenbetreuung und das KH-AVISO kümmern. Gerade in Zeiten der 2 Mann/Frau-Besatzung werden aber immer öfters alle Hände benötigt.
Ist kein NA Vorort übernimmt je nach Qualifikation des RTW Teamleaders auch das Teamleading.
FISU haben eine eigene Digitale Dokumentationsmöglichkeit betreffend der Qualität der Arbeit des anwesenden Sanitätspersonals, parallel dazu werden die Einsätze am Toughbook dokumentiert.
Am Ende eines Einsatzes wird ein Feedbackgespräch geführt um Probleme, Unklarheiten oder auch gute Leistungen anzuprechen. War eine befreundete Organisation an dem Einsatz beteiligt, ist auch diese herzlich eingeladen an dem Feedbackgespräch teilzunehmen, aber leider nicht immer willig dazu.
Da kommen wir auch schon zu den Problemen. Befreundete Organisationen und auch so manche NAs sind nicht immer erfreut von unserer Anwesenheit. Zum einen wollen einige Kollegen sowie Ärzte nicht von uns beobachtet werden und man merkt dieses Unbehagen und zum anderen fühlen sich viele Ärzte in Ihrer in ihrem "Ärztedasein" beschnitten. Diese Probleme gehen auch mit dem über das Ziel hinausschießen ein paar FISU einher. Für diese Tätigkeit braucht es ein gute Portion Fingerspitzengefühl im Umgang mit Kollegen und Ärzten.

Im Großen und Ganzen finde ich dieses Projekt ausgezeichnet und hat mit Sicherheit zur Qualitätssteigerung beigetragen. Es gibt auch in einigen österreicheschen und europäischen Rettungsdiensten Interesse dieses System, welches sich doch zum amerikanischen FISU System unterscheidet, zu übernehmen.
Obwohl wird derzeit unseren Platz im Wiener RD gefunden haben und nicht mehr wegzudenken sind, müssen wir unserer Daseinsberechtigung stätig unter Beweis stellen und am Ball bleiben. Ich persönlich freue mich auf die Zukunft und hoffe, dass das System so oder auch in Zukunft adaptiert lange bestehen bleibt.
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Beitragvon zeillerkommentar » Sa 27. Jan 2018, 13:40

giulio hat geschrieben:Da kommen wir auch schon zu den Problemen. Befreundete Organisationen und auch so manche NAs sind nicht immer erfreut von unserer Anwesenheit. Zum einen wollen einige Kollegen sowie Ärzte nicht von uns beobachtet werden und man merkt dieses Unbehagen und zum anderen fühlen sich viele Ärzte in Ihrer in ihrem "Ärztedasein" beschnitten. Diese Probleme gehen auch mit dem über das Ziel hinausschießen ein paar FISU einher. Für diese Tätigkeit braucht es ein gute Portion Fingerspitzengefühl im Umgang mit Kollegen und Ärzten.


Ich sehe das eigentlich völlig neutral und hör mir immer gerne externes Feedback an. Meistens sind da sehr gute Punkte dabei, manchmal weniger und manchmal kommen auch Punkte die wir bei der JUH ganz bewusst anders machen/gelernt haben. Da muss man darüber stehen, auch im Bewusstsein, dass das Feedback der FISUs ein Feedback ist und die "fachliche Aufsicht" durch das ABZ der JUH (Respektive ASB, RK etc) erfolgt.

Meiner Beobachtung nach ziehen sich ein paar Issues durch die meisten FISUs: Zb bedingungslose Liebe zu Spineboard und LUCAS und das Begehren möglichst viele Patienten unter Reanimation ins Krankenhaus zu transportieren.
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Beitragvon marlin » Sa 27. Jan 2018, 14:07

Vielen Dank für diesen Beitrag, sehr interessant zu lesen und schön, so etwas aus erster Hand zu hören.
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Beitragvon olfa » Sa 27. Jan 2018, 20:58

Danke.
Wie kann man sich in etwa die Ausrückorder vorstellen?
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Beitragvon giulio » Sa 27. Jan 2018, 21:34

@zeillerkommentar:
Das es ein Begehren gibt möglichst viele Pat. unter CPR ins KH zu bringen kann ich nicht unterschreiben, die bedingungslose Liebe zu Spineboard und Lucas teilw. schon. Wobei unsere Kollegen großteils sehr gut auf das Spineboard geschult sind und die Praktikabelizität erkannt haben und es auch bei Reanimationen sehr gerne verwenden. Situationsbedingt wird aber auch die Vakuummatratze regelmäßig verwendet. Der Lucas ist ebenso ein praktisches Tool vorallem kann ich so einen Mann/Frau frei spielen und den Pat. während des Transportes zB durchs Stiegenhaus reanimieren. Brauch ich dir wahrsch. nicht erklären. Wenn genug Leute am BO sind lasse ich aber auch gerne manuell reanimieren. Einge Fisu haben bestimmt eine Affinität zu dem Gerät.

@olfa: Der Fisu fährt zu jedem Eco Code, und zu einigen Delta Codes wie Stich/Schussverletzungen und Verkehrsunfällen.
Teilw entscheidet der Disponent spontan dass er den Fisu zu einem Einsatz dazu alarmiert.
Zudem kann ich mich zu jedem Einsatz dazu melden wenn ich möchte.
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Beitragvon Amphiaraos » So 28. Jan 2018, 13:17

Hi!
Da ihr in der Qualitätssicherung tätig seit:
Welche Kriterien überprüft ihr und konntet ihr schon eine Qualitätssteigerung feststellen?
Gibt es irgendwo Berichte, Zahlen usw dazu?
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Beitragvon giulio » So 28. Jan 2018, 14:47

Zahlen konnten wir bis dato keine liefern, abgesehen von Einsatzahlen und unseren subjektiven Eindrücken und der subj Qualitätssteigerung. Das würde auch kritisiert. Jetzt haben wir seit einem halben Jahr die Möglichkeit die Tätigkeit des Personals zu dokumentieren und nach einem Jahr odee länger zu evaluieren. Da ist der Umgang mit Bergematerial, Sicherheit am Einsatzort, Atemwegsmanagement und vieles weitere einzeln zu bewerten.
Wir sind mit Sicherheit keine Qualitätssicherung im Sinne eines großen Unternehmens, da fehlt uns das nötige geeignete Personal.
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Beitragvon geraldbaeck » So 28. Jan 2018, 15:35

Vor ein paar Wochen hatte ich im Rahmen eines NKTW Diensts meine erste Reanimation. FISU und NEF waren relativ bald vor Ort. Aus meiner Sicht als SAN1 war der FISU eine große und sehr professionelle Unterstützung und zu keinem Zeitpunkt irgendwie ungut, wie ich das von KollegInnen schon mal gehört habe. Feedbackgespräch gab es für uns leider keines, wahrscheinlich weil wir gar nicht wussten, dass so etwas üblich/möglich ist.
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Beitragvon cyrux » So 28. Jan 2018, 20:10

Das System ansich ist ja ganz nett, wie es rechtlich gedeckt ist, dasss eine "Qualitätssicherung" mit Sondersignal zufährt ist mir allerdings etwas schleierhaft.
Ebenso hat jemand der nicht im "Team" ist auch kein "Teamleader" zu sein, das führt zwangsweise zu Komplikationen wenn man sich nicht kennt beispielsweise.

Zumindest stelle ich mir als "auswärtiger RD" so vor.

Und ganz ehrliche Meinung zum Feedback.... man weis selbst was gut gelaufen ist und was nicht, das klärt man auf der Rückfahrt zur/auf der Dienststelle schon mit den Kollegen.
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Beitragvon giulio » So 28. Jan 2018, 20:25

Also sei mir nicht böse, aber "man weiß selbst was gut und schlecht gelaufen ist" ist doch ein bissl anmaßend. Einem erfahrenen Lehrsanitäter der sich noch dazu außerhalb des Szenarios aufhält hat einen viel Besseren Blick auf Fehler die passieren und Dinge die besser gemacht werden könnten. Das is btw. keine Ma70 Erfindung, das Pit-Stop Crew Model funktioniert sehr ähnlich. Ich geh noch einen Schritt weiter und hoffe dass es bald auch ein CIRS gibt, in dem wir Fehler dokumentieren können.

Sobald ich am Einsatzort eintreffe bin ich im Team und wenn ich die höchste Ausbildung habe, übernehme ich auch das Teamleading, im Sinne des SanG und in weitere Folge im Sinne des Patienten, egal ob die anwesenden Kollegen mich kennen oder nicht. Ich stelle mich eh vor. Und im übrigen kennt ihr das Nef Team sprich den Notarzt auch nicht immer ...

Die rechtliche Grundlage bzgl. des Blaulichts kann ich dir nicht genau erklären, sollte aber nicht an so einem Blödsinn scheitern, wenn ich mir anschaue wer so mit Blaulicht durch die Gegend fährt.
Zuletzt geändert von giulio am So 28. Jan 2018, 20:27, insgesamt 1-mal geändert.
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