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Beitragvon raphidtd » Mi 23. Nov 2022, 23:53

Hi!

Grundsätzlich unterschreibt ein Pat. bei einem Revers ja, dass er jegliche medizinische Haftung auf sich nimmt und der RD nicht für etwaige Schäden verantwortlich gemacht werden kann. (Vorausgesetzt natürlich dieser ist ZOPS orientiert und nicht medizinisch besachwaltet)

Ein Kollege hatte heute einen Fall, wo er bezüglich "Sozialindikation" in die Wohnung eines Mannes gekommen ist, welcher in einem stark verwahrlosten Umfeld lebte und sich sichtlich nicht mehr selbst pflegen, waschen etc. konnte. Die Heimhilfe hat den RD eben diesbezüglich gerufen. Wirkliche Beschwerden hatte der Pat. keine.
Vitalparameter waren laut dem Kollegen alle im Normbereich, bis auf den Blutucker, dieser war bei knapp 400. (Komplett ohne Symptome)
DM ist nicht bekannt, Pat dürfte auch schon länger in keiner medizinischen Einrichtung mehr gewesen sein.

Polizei wurde von der Heimhilfe kontaktiert, da diese auf eine Unterbringung durch den Amtsarzt gehofft hat, welche aber nicht stattfand, bzw. gar keiner gerufen wurde, da Pat nicht akut selbst- oder fremdgefährdend sei.

Hättet ihr einen NEF zur Belassung gerufen? Oder ist der Revers soweit ausreichend, selbst wenn der Patient in den nächsten Tagen aufgrund eines diabetischen Komas zB. verstirbt? (eine einwandfreie Dokumentation vorausgesetzt)

Würde mich interessieren, in wie fern einen ein Revers wirklich rechtlich absichert.
Zuletzt geändert von raphidtd am Mi 23. Nov 2022, 23:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Lan » Do 24. Nov 2022, 00:02

Prinzpiell schützt der Revers nicht zu 100% und es kann auf jeden Fall zu Ermittlungen kommen siehe den Grazer Fall https://www.krone.at/2165338 - leider weiß ich nicht ob es hier Neuigkeiten gibt.

Ich würde auch sagen neben einem unterschriebenen Revers ist die Frage wie der Wille des Patienten war und dieser dokumentiert ist. Wenn auch aus der Doku klar herausgeht, dass die Heimhilfe alarmiert hat und Patienten keine Hilfe/Hospitalisierung möchte bei vorhandener Orientierung, würde ich ohne schlechtem Gewissen den Revers unterschreiben lassen und fahren(ohne NEF Nachforderung).
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Beitragvon Menico » Do 24. Nov 2022, 01:20

raphidtd hat geschrieben:Hättet ihr einen NEF zur Belassung gerufen? Oder ist der Revers soweit ausreichend, selbst wenn der Patient in den nächsten Tagen aufgrund eines diabetischen Komas zB. verstirbt? (eine einwandfreie Dokumentation vorausgesetzt)

Nein, kein NEF. Anständig dokumentieren, Zeugen unterschreiben lassen und gut ist.
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Beitragvon FlyingFox » Do 24. Nov 2022, 07:45

Im von dir geschilderten Fall würde ich einen Revers ohne NEF als ausreichend empfinden.

1. Der Pt hat nicht selbst den RD alarmiert (in so einem Fall würd ich mir schon schwerer tun, da ja zumindest initial erkennbar war dass der Pt. "Hilfe" in irgendeiner Form gerufen hat)
2. Es gibt eine "vertrauenswürdige" dritte Person vor Ort (Heimhilfe), die ich entsprechend unterschreiben lassen würde.
3. Es gibt keine AKUTE medizinische Indikation den Pt. zu hospitalisieren.

Klar, umfangreich dokumentieren ist ein Muss (aber eigentlich eh immer).
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Beitragvon Amphiaraos » Do 24. Nov 2022, 09:38

Dokumentieren und Revers unterschreiben lassen.
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Beitragvon don.pedro » Do 24. Nov 2022, 13:33

…. Akkut keine Hilfe benötigt … bei 400 BZ bin ich mir da nicht so sicher 🥶
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Beitragvon Menico » Do 24. Nov 2022, 13:35

don.pedro hat geschrieben:…. Akkut keine Hilfe benötigt … bei 400 BZ bin ich mir da nicht so sicher 🥶

raphidtd hat geschrieben:DM ist nicht bekannt, Pat dürfte auch schon länger in keiner medizinischen Einrichtung mehr gewesen sein.

Für einen schlecht (bzw. in dem ja gar nicht) eingestellten Diabetiker ist das doch nur ein durchschnittlicher Freitagabend 8-)
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Beitragvon RK_RD » Fr 25. Nov 2022, 10:55

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Beitragvon RK_RD » Fr 25. Nov 2022, 10:57

Lan hat geschrieben:Prinzpiell schützt der Revers nicht zu 100% und es kann auf jeden Fall zu Ermittlungen kommen siehe den Grazer Fall https://www.krone.at/2165338 - leider weiß ich nicht ob es hier Neuigkeiten gibt.
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Bitte wenn du schon sowas behauptest, dann sollte es wenigstens stimmen. Im besagten Fall wollten sie nicht transportieren und haben sie mehr oder weniger zum Revers gedrängt, soweit aus anderen Medien bekannt.
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Beitragvon RK_RD » Fr 25. Nov 2022, 10:58

raphidtd hat geschrieben:Polizei wurde von der Heimhilfe kontaktiert, da diese auf eine Unterbringung durch den Amtsarzt gehofft hat, welche aber nicht stattfand, bzw. gar keiner gerufen wurde, da Pat nicht akut selbst- oder fremdgefährdend sei.


Und es braucht eine akute psychische Krankheit die nur auf einer Psych behandelt werden kann.
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