Paramedics made in Austria

Informationen und Hilfe zur RS- und NFS-Ausbildung

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Beitragvon RK_RD » Di 9. Apr 2019, 17:34

defi007 hat geschrieben:Zum Abschluss noch ein recht plakatives Beispiel, das das Problem sehr gut verdeutlicht:
Eine Friseurin muss eine dreijährige Lehre absolvieren, damit sie mir die Haare schneiden darf (bitte nicht abwertend verstehen).
Wie lange ein Sani braucht, damit er an einem kritischen Patienten herumdoktern darf, brauch ich euch jetzt ja nicht zu sagen...


Und das obwohl sich gerade Männer selbst die Haare schneiden können.
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Beitragvon VenFlow » Di 9. Apr 2019, 23:36

Das Problem ist halt das der Marktführer, genauso wie schon vor über 100 Jahren in der Pflegeausbildung handelt. Er versucht eine so gering als mögliche Ausbildung zu erhalten um hierdurch die "Ehrenamtlichen vor einer zuhohen zeitlichen Belastung zu schützen und die Atraktivität für das Ehrenamt und die Bereitschaft sich einzubringen zu erhalten". Diese Aussagen kommen von stv. Bundesrettungskommandanten der klarerweise auch Landesrettungskommandant ist. Die bei der Veranstaltung anwesenden "Ehrenamtlichen" seiner Organisation dachten ob der Worte schon an einen Fenstersturz nach, da sie gerne mehr Ausbildung hätten.
Bezüglich der Novelle des SanG habe ich bisher nur erfahren, dass die Fortbildungsverpflichtung für NFS wohl statt 8h wie beim RS 10h im Jahr betragen soll. Aber das ist irgendwie logisch, da selbst mit dreijähriger Ausbildung als DGKP hat man nur 60h in fünf Jahren an Fortbildungspflicht hat. Bezug nehmend auf das Beispiels mit der Friseurin, muss ich sagen in Österreich gibt es ein Problem mit staatsnahen Berufen. Ein Justizwachebeamter hat ein Jahr oder ein Polizist zwei Jahre Ausbildung, in Deutschland ist es für beide je drei Jahre.
Zurück zu kommen auf die Pflege 1914 vertrat das RK auch die Ansicht zwanzig Doppelstunden reichen für die Pflege, obwohl es damals schon sehr gute Stundenpläne mit 600h Theorie gab. Als dann vorgeschrieben wurde, dass die Krankenschwester mindestens 200h Theorie bedürfe kann man das Geschrei des Vereins bis heute in den Archiven nachlesen.
Grundlegend empfinde ich eine abgestufte und durchlässige Ausbildung sinnvoll, wo man ein, zwei und dreijährig ausgebildete Personen hat, welche dann aber auch Maßnahmen setzen können müssen, weil ein drei Jahre ausgebildeter "Rettungsmann und Krankenträger" der eh auch wieder jeden ins Spital bringen muss bringt auch nichts, da kann man auch bei 100h Theorie bleiben.
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Beitragvon D3xter » Do 11. Apr 2019, 12:13

defi007 hat geschrieben:Ja, jeder hat ein Recht auf eine adäquate, qualitativ hochwertige und einheitliche präklinische Versorgung, ganz egal ob er in der Stadt oder am Land lebt. Die Länge der Wege hat doch nichts mit der Qualifikation des Personals und der Ausstattung der RTWs zu tun!!
Klar, kann nicht jeder Ort seinen eigenen RTW-C haben und ja man benötigt im ländlichen Bereich zum Teil ein anderes / adaptiertes System als in der Stadt – z.B. First Responder, etc..
Die meisten die am Land leben, wissen aber ob der längeren Wege und leben mit den Vor-/Nachteilen. Meiner Erfahrung nach rufen dort viele, im Gegensatz zur Stadt, auch nicht wegen jeder Bagatelle die Rettung.


Und da beißt sich die Katze in den Schwanz. Es sollen alle Patienten dieselbe Versorgung bekommen und man nimmt den kleinsten gemeinsamen Nenner.
Auf der anderen Seite wird es nie eine Qualitätssteigerung geben, da keiner eine längere Ausbildung mit mehr Kompetenzen machen darf, solange nicht wirklich alle mitziehen.

Und warum müssen die Wiener dieselbe Versorgung wie in anderen Bundesländern hinnehmen, nur weil NÖ/OÖ/usw. die bessere Ausbildung/Sanitäter nicht zahlen kann/will?
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Beitragvon VenFlow » Do 11. Apr 2019, 16:05

D3xter ich verstehe ihren Einwand:
Und warum müssen die Wiener dieselbe Versorgung wie in anderen Bundesländern hinnehmen, nur weil NÖ/OÖ/usw. die bessere Ausbildung/Sanitäter nicht zahlen kann/will?

möchte dem aber entgegensetzen, dass in Deutschland die Ausbildung der Pflegehilfe / Pflegeassistenz an die Bundesländer ging, womit man jetzt theoretisch 16 verschiedene Modelle von 200h bis zwei Jahren Ausbildung in Deutschland hat. Würde man dies auf den RS und NFS umlegen, so gäbe es 9 verschiede Ausbildungen und der Stermärker, müsste für das Burgenland eine Nostrifikation machen, der Wiener für Salzburg usw. das wäre kaum zu kommunizieren und zu erklären. Allerdings vertrete ich auch die Ansicht, dass die MA70 hier als problematisch anzusehen ist, da sie nicht an der Problemlösung mitarbeitet, sondern versucht eigenständig Konzepte ohne die vorhergehende Genehmigung zu implementiert und aus ihren MitarbeiterInnen Versuchskaninnchen macht.
Auf der anderen Seite wird den MitarbeiterInnen direkt der Mund in diesen Belangen verboten und halt das "ewige Lied des Ehrenamtes" gespielt und Befragungen der Mitarbeiter initiiert, wo die teilnehmenden Mitarbeiter die Anonymität anzweifeln und daher nur wie gewünscht antworten.
Meine Meinung ist das man ein vernünftiges Ausbildungskonzept durchsetzen könnte mit verschiedenen Stufen, wenn man nicht immer nur das negative darstellt, sondern das Verbesserungs und Kostenreduktionpotential herau arbeitet, weil dann muss auch der Verein schell die Fahne streichen.
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Beitragvon D3xter » Do 11. Apr 2019, 19:06

VenFlow hat geschrieben:möchte dem aber entgegensetzen, dass in Deutschland die Ausbildung der Pflegehilfe / Pflegeassistenz an die Bundesländer ging, womit man jetzt theoretisch 16 verschiedene Modelle von 200h bis zwei Jahren Ausbildung in Deutschland hat.


Sowas möchte ich natürlich vermeiden und deswegen sollte mMn im SanG eine weitere Stufe dazukommen.
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Beitragvon VenFlow » Fr 12. Apr 2019, 12:18

D3xter und wo soll dann die Ausbildungsstufe über dem NFS NKA/NKV/NKI eingesetzt werden?
Ich greife einmal auf die Pflege zurück, wo durch die Akademisierung des DGKP auf Fachhochschulniveau jetzt geschaut wird, dass man die bisherigen Stellen welche mit DGKP's zu besetzen waren auf Pflegefachassistenten oder Pflegeassistenten herabstuft um damit Kosten zu sparen. Derzeit gibt es je Bundesland in der Pflege Vorgaben 20 % DGKP, 60 % Pflege und Pflegefachassistenten, 20 % Heimhilfen zumindest in der Steiermark, wobei Heimhilfen eigentlich nicht in die Pflege, sondern der Betreuung zugerechnet werden müssen.
Wenn jetzt eine Stufe über dem NFS NKA/NKV/NKI geschaffen wird ohne diese zwingend in bestimmten Bereichen vorzuschreiben, ist dass identisch wie der Diplomfachsozialarbeiter Altenarbeit, welcher in der Steiermark vom Gehalt der Pflegeassistenz gleichgesetzt ist in der Masse der Organisationen, aber eine dreijährige Ausbildung hat.
Das jetzt auf den Rettungsdienst umgemünzt, würden sie eine dreijahre Ausbildung machen und dann für das Gehalt eines RS arbeiten? Daher ist eine neue Ausbildungshöhe ohne der verpflichtenden Zuweisung eines Aufgabengebietes nicht zielführend, wie man an den Absolventen von Hr. Prof. Redelsteiner sieht die logischerweise eher in die Pflege, denn in den Rettungsdienst gehen, da es dort doch eine bessere Bezahlung gibt.
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Beitragvon gehtscho32 » Sa 13. Apr 2019, 16:51

VenFlow hat geschrieben:Das jetzt auf den Rettungsdienst umgemünzt, würden sie eine dreijahre Ausbildung machen und dann für das Gehalt eines RS arbeiten?

Der Traum für jeden Ökonomen, jung, hochqualifiziert, billig und willig. nur Vorteile, keine Nachteile ;-)

Im Ernst, ohne gesetzliche Vorgabe auf Landesebene wird es zu keiner Professionalisierung kommen.
Siehe Deutschland und der NFS, da müssen die Krankenkassen die Ausbildungskosten als Prävention bezahlen, das Vorhalten ist auf Landesebene über die Hilfsfrist geregelt.

In Österreich soweit ich weiß nur in Wien so geregelt, dass der NFS am RTW beim Notfall-Pat. hinten sein muss.

In NÖ wird grad drum gestritten, siehe Diskussionen RTW-CN, in Tirol hat mans ausprobiert, aber wieder aus Kostengründen eingestellt.
Dafür will man (z.B. in OÖ) 40-stündige Rettungshelfer als Lenker / Zivi. Wir sind weit weg von einer Verbesserung.
Zuletzt geändert von gehtscho32 am Sa 13. Apr 2019, 16:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon cyrux » So 14. Apr 2019, 09:14

Ziemlich gut auf den Punkt gebracht aber egal wo, es hapert an dem der zahlt und das ist die Politik.
Land und Gemeinden tun sich halt gegenseitig nicht weh...
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