Wiener Polizei - First Responder mit Defi...

Ich war gestern bei einem sehr guten Freund ([size=85]wir sind beide gemeinsam im Rettungsdienst, aber auch hauptberuflich als Intensivpfleger, „groß“ geworden und haben u.a. mit einem weiteren Freund und einer ebenso befreundeten Ärztin/Notärztin viele Jahre lang einen wöchentliche Permanenzdienst auf einem Wiener NAW geleistet. Mein Freund ist noch immer im RD tätig, und relativ gut vernetzt[/size]), und wie üblich sind wir, zum Leidwesen unserer Familien, wiedereinmal zu Geschichten rund um den Rettungsdienst gekommen.

Wir haben erfahren (wirklich neu ist das glaube ich eh nicht), das die Idee Streifenwagen/-Besatzungen der Wiener Polizei als First Responder einzusetzen tatsächlich und scheinbar sehr konsequent umgesetzt wird.
So sollen in jedem Bezirk (Anton bis Wilhelm) je 2 Streifenwagen als First Responder bei der RLSt. gemeldet sein, und aufgrund der GPS-Daten auch im (grafischen) Einsatzleitsystem dargestellt sein.
Wenn nun ein entsprechender Notfall anzufahren ist, soll einer der Bezirksstreifen, wie grafisch sichtbar, eingesetzt werden. Da in Wien die Wahrscheinlichkeit nicht sehr klein ist, dass ein Streifenwagen näher zum Einsatzort steht als ein „anderer“ First Responder (zB. KTW) und/oder ein RTW, sollen diese Fahrzeuge (alle mit AED und Ambu… ausgestattet) DIREKT von der RLSt. zum BO entsandt werden. Man hat auch in der Realität schon folgende Einsatzkonstellation erleben können:

Einsatzgrund: B-los, vmtl.Laienreanimation im Laufen
Ersteintreffender und von der RLSt. direkt entsandter FR → Bezirksstreifenwagen.
Zweiteintreffend als quasi 2. FR bzw. da der nächste freie RTW weit entfernt/nicht verfügbar auch als Primärrettungsmittel → ein KTW einer der „fw/befreundeten“ Rettungsorganisationen. Teile der Besatzung waren deutlich besser qualifiziert, als auf KTWs üblich.
Lage vor Ort:
Reanimation wird duch die beiden Polizisten des Bezirkswagens, mit dem vorhandenen Ambu und dem AED (schon angelegt), suffizient durchgeführt. Der Patient kann mit dem AED der Polizei erfolgreich defibrilliert werden. Gemeinsam mit der mittlerweile eingetroffenen NEF-Besatzung wird der Patient weiter stabilisiert und dann, da in kürzerer Zeit noch immer kein RTW verfügbar, vom KTW mit NEF-Begleitung hospitalisiert.

Also fix vorgesehen → 2 Streifenwagen pro Bezirk. Von einem befreundeten Chefinspektor haben wir erfahren, dass auch der Wachkommandant, wenn er sich mit Fzg. auf eine übliche Streife in seinem Einzugsgebiet (KOAT bzw. PI) begiebt, direkt bei der RLSt. anmeldet und ebenfalls als FR zur Verfügung steht.
Sollten an Einsatzort der Polizei-FR „hoheitliche“ Aufgaben, wie zB. Absicherung, Festnahmen, Kontrollen, Ermittlungen u.a. polizeiliche Aufgaben, anfallen ist bis zur Abschluß der FR-Tätigkeit ein weiterer Streifenwagen oder andere in der Nähe befindlichen Polizeikräfte zu entsenden.
Ob schon alle Polizeifahrzeuge mit AED ausgerüstet sind, ist uns leider aktuell nicht bekannt.
Ebenso haben wir erfahren, das am grafischen Einsatzleitsystem in der RLSt. „alle“ Polizeifahrzeuge aufscheinen sollen, was ich mir allerdings nicht wirklich vorstellen kann, schon alle als FR gemeldeten Fahrzeuge (min. 26) würden die grafische Darstellung ordentlich auffüllen, da ja theoretisch neben den NEF/RTW/NKTW des Rettungsverbundes auch alle KTW der befreundeten Organisationen und, wie schon an anderer Stelle diskutiert, ebenso die Fahrzeuge aus NÖ, aufscheinen müssten. Das alles ist wahrscheinlich technisch umsetzbar, aber ob das auch wirklich so ist, und / oder das auch so Sinn macht, ist eine andere Frage.
Vielleicht kann hier ein Forumsfreund der MA70 mit Infos aushelfen.

Das System der Polizei-FR (wer bezahlt die entsprechende Ausrüstung - BMI???) soll angeblich bundesweit etabliert werden.
Wenn ich mir dieses System allerdings in meinem Heimatbezirk Tulln vorstelle, wo wir von internen Quellen erfahren, nachts z.B. nur 1 (max 2) Bezirksstreifen verfügbar sind, und das bei der Größe des Tullner Bezirks, wie soll das dann funkionieren? Da ist in benahe jedem Fall irgendeiner der vielen FR der Bezirksstellen schneller als jeder andere (falls der Notfall nicht zufällig im direkten Bereich des einsatzbereiten Streifenwagens aufläuft). Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass die wenigen vorhandenen Polizeikräfte mit Polizeiaufgaben gebunden sind, deutlich größer als in Wien.

Nichtsdestotrotz für Wien eine deutliche Verbesserung! Schon seit Jahren kämpfen bekannten/befreundeten Kapazunder (Univ.-Prof.s) der NFA im AKH um eine Verbesserung der präklinischen Notfallversorgung, angefangen von z.b. den KTWs ALLER Rettungsorganisationen als FR, verbesserte Breitenausbildung in Erster Hilfe, Verbreitung und Erweiterung von AED-Standorten, Polizisten als Ersthelfer, Ausstattung von Streifenwagen mit AEDs und Beatmungsbeutel, Schulungen und vieles mehr!

Zur Info für alle die es noch nicht kennen, gibt es es von 144 Notruf Niederösterreich - Definetzwerk Österreich und dem Verein PULS - Verein zur Bekämpfung des plötzlichen Herztodes eine genau Karte mit Information zu ALLEN dem Definetzwerk Österreich gemeldeten DEFI-Standorten. Toll wie diese Karte in der letzten Zeit gewachsen ist, Wien, NÖ, OÖ und Kärnten sind schon sehr umfassend dargestellt- (y)

Also aus der Praxis kann ich berichten, dass bei vielen meiner Reas in letzter Zeit ein SW FR anwesend war und schon brav gearbeitet hat. Meistens sind sogar mehrere Streifen anwesend und unterstützen. Sie sind sehr motiviert und wollen gar nicht aufhören wenn der RD eintrifft. Der großteil löst uns dann auch wieder gern ab. Sie werden wohl ziemlich gedrillt (ich glaub MA70 übernimmt in Wien die Ausbildung) und wollen das unbedingt umsetzen.
Eindeutig weiter so!
KTWs fahren meiner Beobachtung nach immer seltener zu.
Die Wiener KTWs erscheinen aber mit ziemlicher Sicherheit nicht im ELS der MA70 auf. allerhöchstens die NKTWS die direkt disponiert werden sofern die Hand Tetras GPS freigeschalten haben. Da hört man aber oft Standortfragen also eher auch nicht.

Das ist aber keine Erfindung von NNÖ144 - in vielen österreichischen Rettungsleitstellen bereits seit Jahren Standard inkl. Standortübermittlung des AED an den Notrufenden (nebst der Anleitung).

Aber das System mit den Polizeifahrzeugen als FR macht Sinn und sollte auf jedenfall weiter intensiviert werden, auch in anderen Gegenden. Denke nur an eine kleine Landgemeinde, die zwar (noch) einen Polizeiposten hat und der nächste RD aber weit weg ist. Da würde es vor Allem auch Sinn machen!

Sorry, hast Du von der vor kurzem umgesetzten Reform und Schliessung vieler PI in Österreich nichts mitbekommen?
Gerade bei uns in NÖ sind die PI duetlich ausgedünnt worden. Auch die Landgemeinde die „NOCH“ keine PI hat… ??? :astonished:
Es wird keine Landgemeinde geben die in den nächsten Jahren eine PI bekommen wird, eher werden die in der Nachbarschaft auch noch geschlossen… :wink:
Die Wahrscheinlichkeit „wer“ näher ist, wird sich alalong zu den RD-Dienststellen verlagern, falls das nicht eh schon der Fall ist.

Außerdem werden bei den ausgedünnten PI und Bezirksstreifen (obwohl, die sollten ja eigentlich mehr werden, PI ZU, alle Beamten auf die Straße war doch das Motto, oder…)
wohl eher die „hoheitlichen“ Aufgaben überwiegen, den FR-Einsätze möglich sein.
zB. nachts ein schwerer VU in unserer Gegend: 1 Bezirksstreife und evt. 1 Sektorstreife - so die nicht anderweitig gebunden sind, FR der RD-Organisationen sind rasch vor Ort, aber z.b.
der nächste RTW (so er nicht eh schon mir Sanitätseinsätzen vulgo Krankentransport gebunden ist) wird dann schon eher etwas dauern, geschweige der nächste NAW/NEF.
In meinem unmittelbaren RD-Einzugsbereich (2 RK-Bezirksstellen, 1 RK-Ortsstelle) gibt es nachts bestenfalls 3 RTW meist/oft aber nur 2. Diese müssen dann aber auch den
anfallenden KT abwickeln. So ist der RTW der nächsten Bezirksstelle nachts immer wieder unterwegs um Heimtransporte z.B. aus dem Universätsklinikum (One-Way 26km, 30min) zu holen, oder andere Einweisungen zu erledigen, im Besten Fall One-Way 15km/20min sonst 26km/30min, vom Standort des RTWs aus gesehen.

Also FR der Polizei am Land, möglich, sinnvoll, aber machbar? Und man bedenke die Kosten der AEDs für alle Streifenwagen - wer soll das bezahlen? Das BMI das massiv einspart?

Jedenfalls bin ich gespannt, wie sich diese Sache wirklich entwickeln wird. In den Medien jedenfalls gibts dazu nichts, eher intern und unter der Hand… :wink:

Ich glaube, Du hast dich verlesen - ich schrieb, Landgemeinden die b einen[/b] Polizeiposten haben. Klar werden die weniger, aber an Fixstützpunkten ja dennoch denkbar :wink:

Hast Recht, habe mich glatt verlesen, und das ein paar mal… Sorry

Feuerwehren gibt es in NÖ noch zahlreich. Diese sind ebenfalls als First Responder denkbar.

Feuerwehren wären eventuell wirklich eine ganz gute Sache. Etliche Feuerwehren haben bereits Defis, und so könnten diese dann auch sinnvoller genutzt werden. Besonders in Gegenden wo es keine RD-Dienststellen in unmittelbarer Nähe gibt oder wo die vorhanden RTW mit KT unterwegs sind wie im Beispiel von Alfredo würde das die Eintreffzeit von einem Defi und weiteren Ersthelfern am Notfallort deutlich verkürzen.
Was ich jetzt nicht beurteilen kann ist die rechtliche Situation von solchen Systemen, aber wenn es bei der Polizei umsetzbar ist, dann müsste es bei den Feuerwehren vermutlich auch möglich sein.

Die Marktgemeinde Ernstbrunn betreibt seit einiger Zeit über die Freiwillige Feuerwehr bereits ein First Responder Pilotprojekt.

Auf Grund eines Initiativantrages der Marktgemeinde Ernstbrunn - Horst Gangl und ASB-FMD Alfred Wald wurde gemeinsam mit der NÖ Notrufzentrale - 144 ein Pilotprojekt „First Responder“ und mit der Freiw. Feuerwehr Ernstbrunn gestartet.
Wir leisten gemeinsam mit dem Roten Kreuz einen Beitrag für die medizinische Erstversorgung der Verunfallten bzw. bei Notarzteinsätzen.

Infos unter:
http://www.ff-ernstbrunn.at/FMD-Ernstbrunn/Startseite/Startseite.htm

Ich weiß, ich kenn den FR der Feuerwehr Ernstbrunn auch persönlich. Allerdings ist er NFS bei der MA70 und fährt in seiner dienstfreien Zeit FR-Einsätze in seiner Heimatgemeinde. Dieses FR-Projekt wird zwar von der Feuerwehr betrieben, der FR ist allerdings ausgebildeter Sani und wird soweit ich weiß zu den gleichen Einsätzen wie die FR des RK alarmiert.
Ich hab in meinem Posting eigentlich gemeint, dass man Feuerwehrleute ohne Ausbildung nach SanG als FR mit einem Defi zu Reanimationen alarmiert werden, so ähnlich wie bei der Polizei.

Trotzdem läuft das Projekt von der Feuerwehr Ernstbrunn aus und nicht über die MA70 oder eine RD-Organisation.
Die Anzahl jener Feuerwehrkameraden, die auch gleichzeitig eine Ausbildung im medizinischen Bereich haben ist für mein Empfinden in den letzten Jahren stetig gestiegen, außerdem besitzt nahezu jedes aktive Feuerwehrmitglied einen 16h Erste Hilfe Kurs.
Alarmierungstechnisch seitens der Rettungsdienstleitstelle ist es ebenfalls kein Problem zu einem Atem-Kreislaufstillstand in einem bestimmten Gebiet First Responder XY mitzualarmieren.
Da das Abfrageschema aus dem amerikanischen Raum kommt und dort die Feuerwehr zur Unterstützung ebenfalls mitalarmiert wird ist dieser Verweis in den Protokollen imho sogar vermerkt.

Die Rechtslage wird jedoch bei einem Feuerwehrmitglied mit 16h Erste Hilfe Kurs ident zu einem Feuerwehrmitglied mit Ausbildung zum Rettungssanitäter sein oder?