KompetAenzen, Qualfikationen, Fähigkeiten von SanitäterInnen

Hallo,

Da ja sehr viel von über zukünftige Ausbildungen von RDlern diskutiert wird - verlängerte Ausbildung (inkl. Stunden) - Paramedsystem etc. (siehe Beitrag Treffpunkt Medizin etc.)

Mich würde interessieren, was aus eurer Sicht ein Sanitäter braucht: Kompetenzprofil, Handlungsfeld etc? :slight_smile:

Sprich: Was MUSS er können und was gehört dazu?! Wäre für Antworten dankbar :slight_smile:

Ich mag sohle Diskussionen nicht.

Trotzdem werde ich antworten, groß herumdiskutieren möchte ich nicht, aber meine Positionen begründe ich auf Wunsch auch genauer.

In meinen Augen könnte man die schweizerische Ausbildung zum diplomierten RS 1 zu 1 übernehmen. Wir haben ein anderes Schulsystem, bei uns wären die Zugangsvoraussetzungen eine abgeschlossene Berufsausbildung (also eine Lehre, quasi ein Berufsschulabschluss) oder aber die Matura. Pflichtschulabschluss ist definitiv zu wenig. Selbst (und das ist nicht negativ gemeint, bitte nicht falsch verstehen) die Blechschädel bei der Berufsfeuerwehr verlangen einen Lehrabschluss, dabei würde ich aber meinen, dass die Tätigkeit bei der Feuerwehr intellektuell weniger fordernd ist als eine Tätigkeit im Rettungsdienst.

Bei dem System nach Schweizer Vorbild kann man flexibel agieren, es gibt in der Schweiz Notarztsysteme, Paramedicsysteme und Mischsysteme. Manchmal kommt auch einfach die Anästhesiepflege dazu. Die ärztlichen Leiter der Rettungsdienste wären dabei gefordert die jeweils passende Form zu finden. Wien würde sich zum Beispiel für ein reines Paramedic-System anbieten, vielleicht ein paar (<5) NEF zur Qualitätssicherung und für wirklich schwierige Dinge wie Narkosen, schwere VU etc. Neben ein paar festangestellten Notärzten zur Ausbildung und Qualitätssicherung und für paar Dienste (jedenfalls mit Facharztstandard) sollte die Notärzte aber aus den Spitälern kommen (Willi, AKH, KH-Nord, Stiftung, KFJ und vielleicht Hanusch abwechselnd mit Hietzing - brauchts mehr?). Die dazugehörigen Sanis sollten dann in der restlichen Dienstzeit in den Notaufnahmen mitarbeiten (Geht ja auch so als NFS Praktikant recht gut). Es sollte außerdem klar sein, dass auf jeden RTW einer dieser Sanis gehört. Dazu müsste eine Hilfsfrist von 15 min (in 90% der Fälle) für das Eintreffen eines solchen RTW definiert werden. First-Responder, KTW etc die die Eintreffzeit verkürzen sind natürlich erwünscht.

Diese Sanitäter sollten in etwa das bekommen, was Krankenpfleger in öffentlichen Spitälern auch bekommen, dazu die üblichen Zulagen (die wahrscheinlich höher sein werden?). Außerdem sollte es möglich sein mit der Ausbildung in Notaufnahmen und auf Aufnahmestationen zu arbeiten, ganz normal ums selbe Geld (im Sinne einer Durchlässigkeit). Mit einer gewissen Berufserfahrung sollte man außerdem eine verkürzte Ausbildung zu einem DGuKP Äquivalent (etwa 1 statt 3 Jahre) durchlaufen können und somit überhaupt den Beruf wechseln können. Umgekehrt sollten DGuKP eine verkürzte Ausbildung zum Sani und DGuKPs mit Intensivkurs eine noch verkürztere Ausbildung absolvieren können. Damit wäre Durchlässigkeit in alle Richtungen gegeben.

Zu den Kompetenzen:

Das sollte man individuell entscheiden können, allerdings sollten Dinge wie Venenzugang, i.o. Zugang bei der Reanimation, Infusionstherapie, ALS, supraglottische Atemwegssicherung, Kardioversion, Pacing und grundlegende Medikamente gesetzlich verankert werden.Welche man grundlegend ins Gesetz schreiben sollte, und welche man nur der Verordnung definieren sollte weiß ich nicht. Jedenfalls sollten diese grundlegenden Maßnahmen bundeseinheitlich sein und regelmäßig evaluiert werden. Dazu sollte aber auch klar sein, dass es keine Grenzen gibt - sofern ein ärztlicher Leiter weiterführende Maßnahmen erlauben will hat er keine Grenzen (insbesondere auch nicht das SMG). Das Land und die Topographie sind so unterschiedlich, man kann nicht das ganze Land über einen Kamm scheren. Außerdem sind Ärzte ja an sich was sehr gutes, wenn sich ein Land ein notarztlastigeres System leisten will - warum nicht (Die Hilfsfrist müsste mE trotzdem gewahrt werden)? Außerdem sollte man die Möglichkeit schaffen, auch ein paar „Funkdienst-Medikamente“ verabreichen zu dürfen. Man könnte so vielleicht ein paar Patienten mehr belassen und somit das Gesundheitssystem insgesamt entlasten.

Das Handlungsfeld sollte die Klinik und Präklinik umfassen, eine freiberufliche Tätigkeit scheint mir problematisch, aber nicht unmöglich. Die Kompetenzen müssten dann aber meines Erachtens auf ein sinnvolles Maß beschränkt sein (etwa durch separate Kontrolle) oder die Qualitätssicherung die im RD durch einen ärztlichen Leiter sichergestellt wird müsste auf andere Weise verwirklicht werden.

Kompetenzprofil:

Die Schwere eine Erkrankung oder Verletzung erkennen (An sich schon Herausfordernd) und den Zustand des Patienten bis zum Erreichen einer geeigneten Krankenanstalt stabilisieren oder verbessern.

Unterhalb dieser Qualifikation sollte man das SanG so lassen wie es ist, die NKI ist wahrscheinlich unnötig. Aber das derzeitige System mit RS bis NKV würde auch weiterhin eine Möglichkeit für Ehrenamtliche bieten am Rettungsdienst teilzunehmen. Über die genauen Kompetenzen kann man dann noch reden - es gibt aber auch mit einem neuen System keinen Grund dem Ehrenamtlichen den i.v. Zugang zu verbieten.

Was jedenfalls klar sein sollte: So ein Gesetz brächte eine Übergangsfrist von 5-10 Jahren, das ist keine Kleinigkeit. Außerdem müsste die Finanzierung umgestellt werden, dabei kann man sich am Deutschen oder am Schweizer System orientieren. Man könnte auch etwas NHS-mäßiges machen, aber da bin ich skeptisch.