Erfahrungsbericht: Emergency Pediadric Care (EPC) - Kurs

Wie vielleicht schon einige mitbekommen haben, der Bundesverband Rettungsdienst bietet nun zusätzlich zu den bereits bekannten Kursformaten NAEMT PHTLS und AMLS nun auch das jüngste NAEMT Kursformat - den Kinderkurs „Emergency Pediadric Care“ - kurz EPC - an.

Ich hatte vergangenes Wochenende das Vergnügen diesen Kurs zu besuchen und möchte meine Erfahrung zum Thema Kursinhalt schildern.
Von der Patientenanamnese basiert der Kurs natürlich auf dem international verbreiteten üblichen Ablauf: Visueller Ersteindruck - ABCDE & lebensrettende Therapie - kritisch/nicht kritisch und Transportentscheidung - evtl. erweiterte Anamnese/Diagnostik/Therapie.
Der Kurs behandelt sowohl traumatologische als auch nicht-traumatologische Notfälle bei Kindern. Vorkenntnisse wie AMLS/PHTLS bzw. die Konkurrenzformate EMPACT/ITLS machen durch Überschneidungen bei dem Grundkonstrukt und insbesondere der ABCDE Untersuchung Sinn, wären allerdings nicht unbedingt notwendig. Was macht den Unterschied aus: Für die Kinder wurde ein eigener Ersteindrucks-Algorithmus entwickelt der das kritische Kind bereits vor der ABCDE Untersuchung auf den ersten Blick erkennen soll. Physiologische Unterschiede bei Kindern in verschiedenen Altersstufen vom Säugling bis zum Jugendlichen gegenüber dem Erwachsenen und die daraus resultierenden Unterschiede in der Notfallsituation sind Inhalt. Zusätzlich werden natürlich auch die kinderspezifischen Krankheitsbilder (Fieberkrampf, Krupp, Epiglottitis, Bronchiolitis, etc.) - aber auch das Thema Kindesmisshandlung inkludiert. Eine besondere Rolle spielt auch die Anwendung eines Kindernotfallbandes (Rückschluss von der Körpergröße auf das Gewicht und damit auf normale Vitalparameter und Medikamentendosierungen). Notfallgeburt und Kinderreanimation werden werden lediglich angeschnitten, sind jedoch nicht zentraler Kursinhalt. Die Erstversorgung des Neugeborenen gemäß EPC-Algorithmus ist zwar Thema - doch ist der Kurs kein Geburtskurs und schon gar kein Kinderreanimationskurs (wie etwa die ERC Kursformate EPLS/EPILS bzw. NLS).

Zum Kursablauf: Zur Kursvorbereitung ist ein Pre-Test auszufüllen, der zu Hause ausgearbeitet werden soll und bei Kursantritt abgegeben wird. Wie man es von anderen internationalen Kursformaten kennt, besteht der zweitägige Kurs einerseits aus Theorieblöcken und andererseits aus Praxisstationen in Kleingruppen (~5 Teilnehmer mit 2 Instructoren). Der Kurs schließt mit einer theoretischen Prüfung ab - eine praktische Prüfung wie bei AMLS/PHTLS gibt es nicht. Mittagessen an beiden Kurstagen ist im Preis inbegriffen, ebenso wie ein Kursdinner am ersten Abend.
Zu den Unterlagen: Ebenfalls im Preis inbegriffen ist ein Kursbuch (die neueste Version des englischsprachigen PEPP-Buches) welches die Kursinhalte wiederspiegelt. Eine deutsche Übersetzung des Kursbuches gibt es bisher nicht, auch wenn es Seitens der deutschsprachigen Facultys (D, CH, A) für die Zukunft angedacht ist. Schul-Englisch-Kenntnisse sowie Google zum Übersetzen der medizinischen Fachwörter sind meiner Erfahrung nach ausreichend. - Sollte jemand absolut nicht zu recht kommen mit dem Buch, so bekommt er entsprechende deutschsprachige Unterlagen mit denen die wichtigsten Inhalte ebenfalls erlernt werden können.

Der Kurs selbst steht unter der medizinischen Leitung der österreichischen Kindernotfall-Koryphäe OA Dr.med. Christian Scheibenpflug und dem Trauma-Experten und Chefarzt des ungarischen RDs Dr.med. Laszlo Gorove welcher in Österreich für quasi sämtliche Trauma-Kursformate als Instructor tätigt ist. Viele der Vortragenden sind bekannte Gesichter von diversen anderen internationalen Kursformaten.
Der Kurs vergangenes Wochenende fand außerdem noch mit der Unterstützung von mehreren deutschen und schweizer InstructorInnen statt. Der Kurs war der erste reguläre Kurs in Österreich, nach dem Einführungskurs im vergangenen Dezember. Bei den Präsentationen bzw. Vorträgen gibt es noch kleine Holprigkeiten durch noch nicht perfekte Übersetzungen, die aber insbesondere durch den ständig anwesenden Dr. Scheibenpflug durch Präzisierungen und Ergänzungen ausgebügelt werden.

Mein Fazit: Alles in allem, ein sehr interessanter Kurs zu einem Thema bei dem viele Kolleginnen und Kollegen berechtigterweise Angst haben - denn für Kindernotfälle ist ja im RS Kurs schon gar nicht viel - und auch im NFS Kurs nicht besonders viel - Platz. - In diesem Bereich kann man jedoch hoffen, dass in Zukunft die EPC Grundlagen eines Tages in den NFS-Kurs inkludiert werden, so wie es bei AMLS/PHTLS ja meines Wissens nach bereits bei vielen NFS-Kursen der Fall ist. Ich kann den Kurs jedenfalls für alle, die mehr Sicherheit und Hintergrundwissen bei Kindernotfällen haben wollen, weiterempfehlen.
Abschließend noch der Link mit weiteren Informationen zum Kurs: http://www.epc-austria.at

Danke, dass du deine Erfahrungen hier teilst. Bringt den Kurs für mich auf die To-Do-Liste.

Schön langsam wird man mit den Refreshern nicht mehr fertig… ERC, AMLS, PHTLS, EPC… hui. :wink:

Ich habe den Kurs auch besucht und muss sagen dass ich ihn nicht so lehrreich fand. In den Theorievorträgen wurde mir kaum was erzählt, was ich nicht schon mal gehört hätte und in den Praxisstationen fehlte die einheitliche Lehrmeinung und auch teilw. die Kompetenz. Die Lehrkräfte aus De und CH waren sehr gut, die Kollegen der österr. Faculty sind zwar ebenfalls top Leute, müssen sich aber in Zunkunft besser aufstellen.
Ein ganz wichtiger Punkt wäre für mich, dass die Faculty neben Sanitätern auch (erfahrene) Ärzte und andere Fachleute ins Boot holt und unterrichten lässt. Da gehören Kinderintensivmediziner ev. Kinderintensivpfleger und für den ein oder anderen Vortrag vll. andere Fachkräfte wie Sozialpädagogen dazu.
Mit diesen Fachkräften und mehr Erfahrung ( war erst der 2te Kurs) des unterrichtenden Sanitätspersonals, kann der Kurs noch ganz gut werden.

Als positiv bleibt dieses Kinderheftchen, der Unterricht im Umgang mit selbigen und die unschlagbare Erfahrung und daraus resultierende Kompetenz von dem Dr. Scheibenpflug zu erwähnen.

Vielen Dank für diesen ausführlichen Erfahrungsbericht - das hilft, den neuen Kurs einschätzen zu können und ich finde, das klingt ja sehr spannend.

user, wie vertiefend waren denn die Theorievortrage (weil du sagst, du wusstest schon alles) und wie viel Zeit verbringt man mit Theorie? Ist also keine spezielle Vorbereitung nötig?
In welchen Aussagen waren sich denn die Lehrenden uneinig? Gibt es nicht klare Guidelines? Wie meinst du, die Kompetenz hat gefehlt?

Bzgl Faculty steht auf der Website, dass doch ein paar (erfahrene) Ärzte dabei sind und sonst hoch ausgebildete Sanitäter - nachdem EPC ja noch sehr jung ist, würde ich mal annehmen, dass die Faculty auch noch wachsen wird, wie auch bei PHTLS.

Vielen Dank für die Infos. Ich finde den Kurs sehr spannend, bin aber für Tipps bevor ich ihn besuche dankbar!

Die Vorträge waren nicht sehr vertiefend, sollte man als NKI zumindest alles schon mal gehört haben. Heißt aber nicht dass ich alles gewusst hab. Interessant könnten für einige die Themen Kindesmisshandlung und Kinder verstehen sein. Für mich leider auch nichts neues. Am ersten Tag am Vormittag 2,5h und Nachmittag 1,5h und am zweiten Tag am Vormittag 1h und am Nachmittag 1h waren Theoeieblöcke. Einmal das Buch zum Kurs durchlesen ( sofern man gut Englisch kann) und die Fragen damit ausarbeiten. Ein Grossteil der Fragen ist aber ohne Buch zu beantworten.
Es gibt schon klare Guidelines ( Erc) aber zum Thema Beckengurt anscheinend nicht, die einen sagen ja, die anderen nein. Da waren noch ein zwei Dinge die mir jetzt nicht mehr einfallen.
Mit Kompetenz meine ich auch teilw. die fehlende Praxiserfahrung und grad die ist bei Kindern wichtig. NFS-NKI und RettAss sind ja kompetente Leute aber trotzdem keine Pädiater und wenn ich mir denke, da hätte ich mich mit etwas Vorbereitung auch hinstellen und vortragen können, ist es zu wenig.
Ja die Faculty wird bestimmt noch wachsen, ich hoffe auch um einige Personen von ärztlicher bzw. intensivmedizinischer Seite.

Gehört haben SOLLTE man vieles, ich wage zu behaupten, ich habe vieles noch nie zuvor gehört/gelesen - und schon gar nicht gewusst.
Die Vorträge sind zugegeben nur eine Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte des Buches und gehen nicht soweit in die Tiefe wie das Buch selbst. - Hatte ich allerdings auch nicht anders erwartet - so läuft es nämlich bei PHTLS und AMLS ebenfalls.
Zugegeben bei den österreichischen Instruktoren ist die Erfahrung bei diesem Kursformat verständlicherweise noch nicht so hoch. - Zugeben muss man allerdings auch, wie auch Dr. Scheibenpflug und auch insbesondere einer der beiden deutschen Instruktoren immer wieder gesagt haben: Pädiatrie ist in vielen Bereichen oft nicht dezidiert Evidenzbasiert, da die Fallzahlen schlicht und einfach für Studien zu niedrig sind und man deshalb einfach „off label use“ Dinge nutzt und Analogien zieht und sich daraus Nutzen/Risiko abschätzt. - Wie z.B. auch der Beckengurt - Stimmt aber hier bestand initial eine Differenz zwischen Vortrag „Beckengurt bei Kindern nicht indiziert“. - Bei der Trauma-Übungsstation wurde schließlich jedoch klar gestellt: Richtig, keine wissenschaftliche Evidenz das es einen Nutzen erbringt, doch auch kein Hinweis das es Schaden würde - deshalb eher ja in der Hoffnung das es auch ohne wissenschaftlichen Beweis hilft.
Richtig bei der österreichischen Seite wären noch Instruktoren vom Erfahrungsschatz im Bereich Kindernotfälle der Schweizer Kollegin, welche was ich mitbekommen habe auf einer Kinderstation tätig ist.

Mit der notwendigen Vorbereitung kann man viel vortragen… - Ganz ehrlich, ich kann nur sagen, ich glaube viel von diesem Kurs profitieren zu können und das Sudern über Verbesserungspotential im Kurs ist meiner Meinung nach, Sudern auf sehr hohem Niveau. Das meiste lernt man in der Notfallmedizin durch praktische Erfahrung. Die notwendigen gedanklichen Tools denke ich hat dieser Kurs vermittelt. - Nun gilt es bei jedem (zum Glück ja normalerweise nicht kritischen) Kind damit zu arbeiten - damit man im (zum Glück seltenen) Fall des Falles das man vor dem kritischen Kind steht, die notwendige Routine im Umgang mit Kindern hat um auch hier schnell und richtig zu handeln.

Welches buch benutzt der kurs?

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Danke für den werbeartikel, aber welches buch???

also bei mir war es das englischsprachige PEPP buch in der epc version.
per email wurde auch ein alternatives buch auf deutsch empfohlen - ich weiß jetzt gerade aber leider nichtmehr welches.
mein „schulenglisch“ hat aber ausgereich, so dass ich mit ein wenig googlen eigentlich alles - zumindes sinnhaft - verstanden habe.

Danke, is das empfehlenswert vom inhalt her oder „eh nix neues“?
Ich möcht mir selber ein weihnachtsgeschenk machen und weiss noch nicht welches buch

Kommt natürlich ein bisschen auf dein vorwissen drauf an - ich fands schon gut eigentlich. gerade über kindliche patienten lernt man ja als sani nicht all zu viel (physiologie, pathophysiologie, anatomie etc.)
was mir daran aber nicht so gut gefallen hat war, dass es halt schon aus amerika kommt und man in österreich manche dinge bisschen anders macht bzw es anders „üblich“ ist. betrifft natürlich nur die therapie.
dafür ist es halt schon natürlich ganz gut, wenn man entweder mal ein praktikum auf einer kind(intensiv)station macht oder sich mit jemandem der erfahrung hat austauschen kann.

darf ich noch fragen in welcher beziehung du zu EPC, BVS, PHTLS&co stehst?

so ein Werbetext würde für mich eher sagen, dass du mit damit irgendwo was zu tun hast - was jetzt nicht schlecht ist, ganz im gegenteil, aber wohl als disclaimer dazu gehört…

Also ich kenn einige Leute, die defintiv nicht zum Veranstalterzirkel zählen und ähnlich Gutes vom EPC berichten. :wink:

ich auch - die erzählen mir gutes von solchen kursen - die schreiben allerdings keinen solch langen Bericht in ein Forum mit Leuten die potentielle Kurszahler sind, sondern im zwischenmenschlichen Gespräch…
also ich hab den EPC Teil den ich bisher hatte nicht sonderlich beeindruckend gefunden. Nett, guter Ansatz, aber kommt an diese Erzählungen nicht ganz ran.
Gutes Training, keine Frage.
Aber nachdem das Pediatrische Beurteilungsdreieck in einem ERC EPALS Kurs nicht unterrichtet werden - somit ein anderer Zugang ist als die Ärztliche Seite auf höherem Level lernt.

Ich habe meine Beitrag jetzt Editiert.
Wollte nicht den Eindruck machen für irgendwen zu werben. tut mir leid, wenn das so gewirkt hat.
Ich bin nicht wirklich aktiv in dem Forum und hab nur was dazu geschrieben weil ich eine email bekommen habe, dass es einen neuen beitrag hier gibt - dh ich bin mit den gepflogenheiten/regeln hier nicht so vertraut - dachte aber es wäre okay, weil „vorredner“ auch schon recht umfangreiche posts geschrieben haben. ich hab dann halt einfach mal niedergeschrieben was mir so in den sinn kam. sorry, wenn das zu viel war.

tatsache ist dass ich zwar für ein internationales kursformat tätig bin - das aber nicht EPC ist und auch meinen post nicht beeinflusst - das würde mir auch weder geld noch ruhm oder sonstwas bringen.
das was ich geschrieben habe war meine ehrliche meinung zu epc - mir selbst hat es einfach wirklich sehr gut gefallen und ich habe versucht zu erklären warum.
aber natürlich wenn ihr jemanden kennt der den kurs schon gemacht hat fragt da mal nach. direkte berichte sind vermutlich besser als foren. oder vl sind ja noch andere user hier die etwas dazu sagen können. dann kann man sich vl ein besseres bild machen und entscheiden ob man das geld investieren will oder nicht.

Wie meinst du EPC Teil den du bisher hattest? Der Kurst ist doch immer ein 2-Tages-Block?