Belassung (mit und ohne Revers)

Gerüchten zu folge darf in gewissen Organisationen zumindest in manchen Gebieten per Dienstanweisung garnicht belassen werden.
Wie geht ihr damit um? Hab ihr so ein „Belassungsverbot“ in eurer Organisation/eurem Gebiet? Was haltet ihr davon jeden Patienten automatisch zu hospitalisieren bzw. einen Doktor zur Belassung nachzufordern um die Verantwortung abgeben zu können? Hattet ihr schon mal Probleme mit einem Revers der bei einer Verhandlung für nicht gültig erklärt wurde? Oder mit Patienten die belassen wurden, deren Zustand sich widererwarten verschlechtert hat, und es zu einer Verhandlung gegen das Rettungsmittel kam?
Wir Sanitäter stecken bei dieser Thematik ja bekanntlich in einer Zwickmühle.

Bei der Gmoa darf ab NFS belassen werden. Warum der RS nicht, nicht einmal gegen Revers, wo es ja ausdrücklich auf eigenen Wunsch des Patieten und dessen Verwantwortung erfolgt, entzieht sich meines Wissens, und vor allem meiner Logik.
Der NFS belässt in der Regel gegen Revers auf Wunsch des Patienten, es ist ihm aber auch nicht verboten, ohne Revers - somit natürlich aber auf eigene Verantwortung - zu belassen.

In NÖ belasse ich seit Jahr und Tag mit Revers sowieso und auch ohne Revers - dann aber nur, wenn eine Hospitalisierung nicht nötig und nicht im Sinne des Patienten ist (z.B. wenn er genauso zum Hausarzt gehen kann oder irgendwer ohne Einwilligung des Patienten die Rettung gerufen hat, …).
Ich weiß, dass die Belassung immer wieder für rechtliche Unklarheiten sorgt, aber definitiv keine Lösung sind immer wieder beobachtete Vorgangsweisen wie z.B. Nachforderung eines Notarztes zur Belassung oder das geradezu Überreden des Patienten, damit er einen Revers unterschreibt (weil dieser angeblich immer nötig ist).
Meiner Meinung nach muss eben ein Sanitäter, der belässt, auch die Verantwortung dafür übernehmen…

also auch als ich noch RS war, hatte ich keinerlei Probleme einen Patienten am EO zu belassen wenn die Hospitalisierung wirklich nicht nötig war. Ich finde es persönlich lächerlich so etwas zu verbieten. man denke da nur an RuHi-Fehlalarme. Das einzige das sich durch die NFS ausbildung geändert hat, ist das es gelegentlich fälle gibt, wo ich auch keinen Revers ausfüllen lasse (habe ich als RS immer gemacht) sondern einfach persönlich am protokoll vermerkte, dass eine kontrolle im KH nicht nötig ist. Häufig wird der Patient einfach nur an den Hausarzt verwiesen. durfte mal einen Zecken entfernen, da der Patient keine pinzette hatte :smiley: - nach telefonischer Absprache mit dem Hausarzt entfernt und gemeinsam mit einem Kontrolltermin am nächsten Tag bei eben diesem zu hause gelassen…

ich denke man kann das problemlos machen, man muss sich aber dessen bewusst sein, dass man das auf eigene Verantwortung macht, und wenn was schief geht, man zur verantwortung gezogen werden kann. Wenn ich mir nicht sicher bin, fahr ich 10x lieber ins KH, und lasse mir auch „ungern“ (im sinne von gar nicht :smiley: ) einen revers ausfüllen, wenn etwas falsch sein könnte…

Also auf Revers belassen dürfen in NÖ alle. Einfach so belassen weil eine Hospitalisierung nicht nötig ist, ist nicht 100% geklärt. Ich kenne keine Dienstanweisung oder so, dass wir belassen oder nicht belassen dürfen, es herrscht aber mehr oder weniger die Meinung vor wir dürften nicht ohne Revers belassen. Ich persönlich hab auch schon Patienten auch ohne Revers belassen. Aufgeregt hat sich deswegen noch niemand.

Edit:
Ich finde es oft einfach nicht zielführend wenn ich den Patienten unterschreiben lasse, dass er die angeratene Maßnahem oder den angeratenen Transport verweigert wenn ich es ihm eingentlich gar nicht anrate :wink:

Und genau das ist meiner Meinung nach der Punkt: Wenn ich einer Person nichts anrate und dann dazu überrede, das Angeratene zu verweigern - dann ist der Revers unnötig und auch ungültig.
Ich denke da an den oft gehörten Satz: Wenns net mitfahren wolln, miassns do unterschreiben! - Wenn das die gesamte Aufklärung des Patienten ist, dann ist der ganze Wisch sinnlos…
P.S.: Ich wüsste auch keine Dienstanweisung o.ä., die besagt, dass Sanitäter nicht belassen dürfen…

Im aktuellen Rettungsmagazin, ist ein recht passender Artikel dazu, Verhalten bei Transportverweigerung.

By the way, eine „Alibi“ Belassung, mittels Revers, der dann noch dazu nicht mal ausgeschildert ist, halte ich für sinnfrei.
Bei mir gibt es drei Varianten:
Entweder der Patient hat nichts - Kein RD Event
Der Patient ist nicht ernsthaft krank, Übergabe an 141 Arzt
Oder er verweigert schlichtweg den Transport, dann werden die ,möglichen Komplikationen auf der Dokumentation aufgelistet, der Patient wird aufgeklärt. Und er wird ebenso zum Gegenzeichnen dieser Komplikationen aufgefordert.

Also eine Belassung ohne Revers durch einen FW der im echten Leben nichts medizinisches macht halte ich für sehr fragwürdig! Wer sagt das man nichts übersehen hat? Man kann immer Läuse und Flöhe haben! Also ich würde so etwas nicht machen, weil einem dazu einfach das nötige Fachwissen und somit auch die Kompetenz fehlt!

Das Anstellungsverhältnis ist jedoch keine Qualifikation.

Ein RS ist ja eh medizinisches Fachpersonal…

Das heißt du bringst jeden Patienten nach einer Aufstehhilfe, der angibt dass er keine Beschwerden hat und bei dem du auch keine Verletzungen oder sonstigen Erkrankungen findest (und der natürlich nicht ins KH will) zur Sicherheit ins KH weil man als Sani ja was übersehen haben könnte?

EDIT: Das soll jetzt natürlich nicht heißen, dass man jede Aufstehilfe automatisch daheim lassen soll, nur weil der Pat. nicht is KH will. Es liegt natürlich in der Verantwortung des Teams vor Ort zu entscheiden ob für den Patienten eine ambulante oder stationäre Abklärung notwendig ist oder nicht, und im Zweifelsfall sollte man sich natürlich für die Hospitalisierung entscheiden. Ich halte es einfach nur einfach nicht für sinnvoll jeden „Patienen“ den ich im Dienst gesehen bzw. untersucht habe auch ins KH zu bringen obwohl weder er Beschwerden angibt noch ich irgendwas finden konnte, nur um auszuschließen, dass ich etwas übersehen haben könnte.

Nein das heisst es nicht! Sondern ich lasse einen Revers unterschreiben!!! Und ja RS ist eine Qualifiaktion… Aber sicher keine wo ich sagen kann: Der hat nix den lass ich daheim! Und wenn ich mir so anschaue was alles als RS fahren darf… Einmal pro Monat „Rettung spielen“ und sonst was anderes zu machen ist definitiv zu wenig!

Rein rechtlich gesehen ist der freiwillige Sanitäter und der hauptberuflichen Sanitäter in dieser Angelegenheit gleichwertig anzusehen.
Aber ich tendiere zur Meinung von Pneumothorax, was die freiwilligen Sanitäter anbelangt.
Und einen RS würde ich nicht als medizinisches Fachpersonal bezeichnen. Aber das ist nur meine persönliche Meinung.

Hallo zusammen,

ich bin 38 Jahre und seit 2008 Rettungsassistent in Deutschland im Raum Frankfurt.

Im Prinzip schließe ich mich Corvinus an und halte es in der Regel auch so.

Wir haben hier schon beides kennen gelernt. Belassung bei Verweigerung MIT grundsätzlicher NEF-Nachforderung und jetzt in meinem neuen Wirkungsbereich, eigenverantwortliche Belassung.
Ich halte die eigenverantwortliche Belassung für einen erfahrenen Kollegen für gut machbar, aber es muss -immer- gründlich dokumentiert werden. D.h. für mich
Notfallsituation, Beschwerden des Patienten, bei Bedarf Erfassen der Vitalzeichen, objektives Dokumentieren des Patientenstatus müssen nachvollziehbar festgehalten werden. Ich halte ggf. auch die regelhafte Funktion schriftlich fest, z.B. DMS unauffällig, keine Schmerzen/frei beweglich, Katheter fördert klaren Urin ohne Blut/Eiweiße etc. Ich halte auch fest, wer noch als Zeuge anwesend war und lasse diese Personen (bei Verweigerung) gegenzeichnen.

Wenn der Patient den Transport nicht verweigert, lasse ich ihn auch keine Verweigerungserklärung unterschreiben, kläre ihn aber auf:
Ich frage immer nach, ob anwesende Angehörige (natürlich auch der Pat.) mit der Belassung einverstanden sind, und versuche Unklarheiten zu beseitigen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Angehörige vereinzelt zu offiziellen Beschwerden neigen, wenn sie nicht ausreichend gehört wurden. Nebenbei finde ich eine offene, freundliche und empathische Kommunikation mit allen Beteiligten fundamental wichtig.
Die Patienten werden bei Belassung von mir informiert, dass sie bei einer Verschlechterung wieder anrufen sollen, sie dann aber auf jeden Fall mitfahren.
Ggf. kann man einen Transport mit einem Angehörigen vereinbaren wenn es sich um keinen „Notfall“ handelt („ich habe seit 14 Tagen Rücken!“) oder man bestellt den Ärztlichen Bereitschaftsdienst (141 Arzt) nach, ggf. auch bei anhaltenden Beschwerden durch den Pat. selbst. Das ist aber echte Einzelfallentscheidung, abhängig von Äußerungen des Pat.
Um es auf den Punkt zu bringen, wenn ich eine schwerwiegende bzw. lebensbedrohliche Verschlechterung nicht 100%ig ausschließen kann, dann werde ich alles daran setzen, den Pat. mitzunehmen.
Ein Beispiel: Nachtdienst, 20 Uhr. Alarmierung RTW, normale Fahrt zu „Schmerzen überall“. Der Pat. ist Mitte 60 und hat Knochenmetastasen, dadurch Tumorschmerzen. Pat. ist nicht mobil weil gebrechlich und Bewegung schmerzhaft. Ich empfehle dem Patienten die Behandlung durch den Ärztl. Bereitschaftsdienst zur Schmerzbekämpfung und Wiedervorstellung am nächsten Werktag beim Hausarzt. ÄBD wird noch in der Wohnung bestellt. Keine Transportverweigerung, keine Unterschrift.