"Bauchstich"

wenn ich den Qualitätszeitungen in .at glauben schenken darf, gibt es einen Anstieg von Stichverletzungen im Rumpfbereich.
Für mich ist Versorgungstechnisch erst einmal der Hauptaspekt "Selbstschutz :imp: ".

Wie geht’s weiter?
Konkrete Lehrmeinung?
Die blutstillende Watte und ähnliche Mittel möchte ich vorerst - weil nicht Vorhanden - ausklammern.

Gibt es jenseits der Punkte:
Fremdkörper nicht entfernen, bauchdeckenentspannte Lagerung und Zugang weitere Handlungsempfehlungen für den Sanitäter?

Bei penetrierenden Stich und (Schuss) - verletzungen bietet sich das Tamponieren der Wunde an. Also die Wunde mit Kompressen etc. aufzufüllen. Die Blutung steht bei sowas sicher im Vordergrund.

Außerdem das Messer (oder was auch immer) fixieren, evtl. austretende Organe steril abdecken und feucht halten, Wärmeerhalt, psych. Betreuung, mind. 2 großlumige Leitungen, evtl. Volumen (permissive Hypotonie beachten), O2 und
LOAD, (TREAT) & GO

Zusätzlich zum bereits gesagten:
Bei höherliegenden Bauchverletzungen gerade auch bei gleichzeitigen Atembeschwerden an eine Verletzung des Zwerchfells denken. → Mögliche Ateminsuffizienz eventuell (assistierte) Beatmung notwendig.
Thoraxstiche bei denen die der Fremdkörper entfernt sind, nur auf 3 Seiten abkleben (sonst Spannungspneumothorax-Gefahr!).
Auch beim penetrierenden Trauma auf evtl. vorhandene neur. Ausfälle achten (Messer kann Nerven/WS verletzt haben!), da in diesem Fall wäre natürlich eine Ganzkörperimmobilisation angebracht.

Permissive Hypotonie beim Traumapatienten → RRsys 80-90mmHg anstreben.

Bin ich der Einzige, der das gerade nicht verstanden hat?

Ich find jetzt kein Bild in da gachn, aber du legst eine Kompresse und irgendwas luftdichtes über die Wunde.
Dann klebst du die Seiten mit Leuko ab, lässt aber ein Eck aus, dass der Druck entweichen kann und man einen Spannungspneu vorbeugt

Edit: Okklusivverband oder so ???

Achso, jetzt verstehe ich, was du gemeint hast. Danke.

Gibts auch kommerziell
Fürn Gürtel :wink:

tinovamed.ch/produkteshop/pi … rband.html

Alutex über die Wunde, aber nur an 3 Seiten ankleben. Da es durch die Verletzung meist auch zu einer Verletzung zu einem Pneumothorax durch Einströmen von Luft in den Pleuraspalt kommt besteht bei einem vollständigen Verschluss die Gefahr eines Ventilmechanismus und eines Spannungspneus. Deshalb nur an 3 Seiten abkleben → das Verhindert während dem Einatmen ein Eindringen von Luft in den Thorax, Luft beim Ausatmen kann jedoch trotzdem entweichen.
WEGA/COBRA haben in ihren Medic-Kits im übrigen die elegante Version der an 3 Seiten geklebten Wundauflage → Ein Chest-Seal-Pflaster mit integriertem Ventil.

Habs schon bestellt, und auch gleich das Nachtsichtgerät dazu;

Dass, genau das schätze ich an einem Fachforum, ich lerne öfters Produkte und Lösungen kennen von denen ich nicht einmal ansatzweise etwas geahnt hätte.

Die wichtigste Flüssigkeit, die wir für ein penetrierendes Bauchtrauma mitführen, ist der Diesel im Tank. Gas geben!

Ja, bei sowas hilft Pack & Run am meisten, leider haben wir da nicht wirklich viele Möglichkeiten.

Kleiner Zusatz zu den Chest Seal: In den letzten Jahren setzen sich im militärischen Bereich zunehmend jene ohne Ventil durch, weil die Funktion der Ventile durch Blut etc. regelmäßig nicht zuverlässig gegeben ist. Um ggf. eine Entlastung durchführen zu können werden eine oder mehrere Punktionsnadeln mitgeführt.

Wenn der Bauchstich im Puff in der Felberstrasse, 1km neben dem AKH Schockraum stattfindet … JA.
Wenn der Bauchstich im Dorfwirtshaus in St. Einöd im Nirgendwo, 50km entfernt vom nächsten KH stattfindet…NEIN…dann empfiehlt es sich auch noch anerde Flüssigkeiten als Diesel mitzuführen… :smiley:

hatte wir glaub ich schon mal…
https://intensivecarenetwork.com/the-wrong-stuff-prehospital-dogma-cliff-reid/

Ich denke in so einem Fall, Wunde Tamponieren und Heli rufen ^^

der gute alte Heli. Leider nur ein Schönwetter- (und Tageslicht-) retter

Dass Dogmen nicht sinnvoll sind, sondern natürlich jede Situation individuell überlegt werden sollte, ist eine ganz wichtige Anmerkung, da hast du natürlich recht. Insofern ist meine Aussage eine sehr verkürzte Darstellung eines eher komplexen Sachverhaltes. :wink:

Das stark blutende Bauchtrauma braucht natürlich vor allem mal einen Chirurgen. Dorthin bringt ihn natürlich der Diesel bzw. das Kerosin.
Trotzdem braucht er bis er dort ankommt natürlich noch einen Blutdruck damit Sauerstoff zu den Organen kommt. Denn ohne Sauerstoff bei den Organen braucht es keinen Rettungswagen/Hubschrauber - das schafft ein Leichenwagen auch.
Guidelines empfehlen als Verfahren beim hämorrhagischen Schock die permissive Hypotension als empfohlene Therapieform mit einem Zieldruck von ~70-90mmHg systolisch. Optimales Infusionsprodukt wäre natürlich Blut, da nur selbiges auch O2 transportiert - leider steht das präklinisch üblicherweise nicht zur Verfügung, bei langen Transportstrecken könnte jedoch ein Rendezvous am Weg mit Blut erwogen werden. Die präklinisch übliche und verfügbare Therapie zur Erhaltung des Blutdrucks wäre die Infusionstherapie mit kristallinen Lösungen (bspw. Elo-Mel), sollte dies nicht ausreichen können auch kolloide Lösungen wie bspw. Voluven und letzten Endes auch Katecholamine erwogen werden.

Das wäre ja schon ok…nur leider läuft das echte Leben nicht immer so schön in Linie wie die Guidlines das vorgeben und die Zielwerte sind meiner Erfahrung nach bei massiven Traumen im hämorrh. Schock auch unter medikamentöser Therapie oft garnicht einfach (wenn überhaupt) zu erreichen. Die Schwere mancher Verletzungen sowie deren Umstände (Notfallort,Tag/Nacht, Entfernung Notfallort/Versorgungszentrum, Patient mit Vorerkrankungen,etc,…) gibt uns immer wieder oft wenig Chance trotz geeigneter Leitlinien effektiv gegenhalten zu können.

Die Logistik dahinter und die dadurch wieder neu entstehenden Stehzeiten würden sich in Summe ehrlicherweise nicht rechnen.
Vor Jahren gab´s da mal in Graz eine Initiative Ery-Konzentrate am NA Mittel mitzuführen. Hat sich nicht durchgesetzt. Ich kenne die Arbeiten nicht im Detail, aber der Benefit für den Patienten war wohl nicht wirklich signifikant.

und auch nur ein kleines Rädchen im Getriebe der Rettungskette :wink:

Sollte ein Patient mit einer Schutzweste zu versorgen sein - größtenteils, was ich so gegoogelt habe, befindet sich im Schlüsselbeinbereich und auf der Körperseite jeweils ein Klettverschluss zum öffnen der Weste;