40 Grad Fieber: Bub soll Rettung 667 Euro zahlen

40 Grad Fieber: Bub soll Rettung 667 Euro zahlen

Alem ist neun Jahre alt. Der Bub aus Wien hat viel hinter sich - sein Bauch ist voller Narben, vier Operationen als Baby sind der Grund. Ende August kämpfte er wieder um sein Leben! Tagelang lag er mit knapp 40 Grad Fieber im Bett. Seine Mutter rief die Wiener Rettung - jetzt bekam sie die Rechnung präsentiert. 667 Euro! So viel fordern die Berufsretter - oder besser gesagt, die dafür zuständige Magistratsabteilung 70 der Stadt Wien - von der Familie aus Wien-Donaustadt

Der Grund: Es gab offensichtlich keinen ersichtlichen Anlass für die Einsatzfahrt. Der Bub hatte „lediglich Grippe“. Drei Tage lang vegetierte er mit 39,8 Grad Fieber dahin, halluzinierte, konnte nicht mehr selbstständig aufstehen. Papa Damir, ein engagierter Buschauffeur der Klosterneuburger Firma Zuklin, war gerade beruflich unterwegs, als seine Frau in ihrer verständlichen Verzweiflung Alarm schlug.

Helfer beschwerten sich über „Kleinigkeit“
Sie wählte den Notruf, beschrieb die Symptome ihres Kindes: Umgehend wurde ein Rettungsauto geschickt. Laut Familie sollen dann Worte gefallen sein wie: „Wegen so einer Kleinigkeit ausrücken zu müssen ist eine Frechheit. Das Kind hat halt Grippe, wie viele andere. Wegen solcher Kleinigkeiten nicht mehr anrufen.“ Nachzulesen im Einspruchsbescheid gegen die Rechnung, der der Stadt Wien, bereits vorliegt - formuliert von der Chefin des verärgerten Vaters von Alem.

„Traute sich nicht mehr, Rettung anzurufen“
Der Neunjährige jedenfalls wurde nicht behandelt, einen Tag später brachte ihn seine Muttrer mit dem Taxi ins Spital - „sie traute sich nicht mehr, die Rettung anzurufen“, erzählt ihr Mann. Alem wurde behandelt, es geht ihm jetzt wieder gut.

Und die Wiener Berufsrettung dürfte zu guter Letzt einlenken: Auf „Krone“-Nachfrage stellt eine Sprecherin - ohne den Fall genau zu kennen - eine „Kulanzlösung, die sich sicher finden lässt“, in Aussicht. Juristisch wäre der Fall auch etwas verzwickt: Denn die „Retter“ schickten den Zahlungsbescheid namentlich an den Neunjährigen!

Quelle: mobil.krone.at/phone/kmm__1/stor … tory.phtml

Nun sehen wir uns mal die Fakten an: Für die Sozialversicherung ist der Rettungsdienst eine reine Transportdienstleistung, wird nicht transportiert, wird sich nicht gezahlt und dann gibt es eben Rechnungen.

Sehen wir uns nun das Kind mit Fieber an, ist Fieber alleine ein Grund für die Rettung? Nein natürlich nicht. Sollte Fieber über 39 gesenkt werden? Ja auf jeden Fall, dafür sollten eigentlich alle Eltern auch etwas daheim haben. Sollte man einen Arzt aufsuchen? Ja bei nächster Gelegenheit. Sollte man das Kind 3 Tage lang hoch fiebern lassen ohne Arzt, definitiv nicht.
Wäre es so, dass das Kind tatsächlich eine reduzierte Vigillanz hatte, Halluzinationen sowie das Unvermögen aufzustehen, so wären das zumindest Anzeichen einer Dehydration eventuell könnte sich - darüber würden die Vitalwerte weiter Auskunft geben - sogar SIRS oder gar eine Sepsis verbergen.
Da das Kind allerdings noch einen weiteren Tag abwarten konnte, bis es endlich zu einem Arzt gebracht wurde, wird es wohl nicht ganz so dramatisch gewesen sein wie im Artikel behauptet.
Man sollte jedoch vorsichtig sein, Fieber per se als harmlos abzutun.

Aber dennoch seh ich hier die Hauptschuld bei den Eltern.

  1. Hat man gegen Fieber immer was im Haus und wenns Hausmittel sind.

  2. Bei Kleinkindern warte ich doch keine 3 Tage

  3. Hätte man sich schon vorher um ärztliche Behandlung kümmern müssen

  4. Die Rettung ist eigentlich dafür da, wenn die elterlichen Pflichen versagen.

Was den Gesundheitszustand angeht, sind meiner Meinung nach die Eltern zu hinterfragen, nicht die Kollegen!

Die Rechnung ist jedoch ein anderes Thema. Aber auch hier, war die Wahl von 144 nicht notwendig, weil man eben nicht andere Lösungswege in bedracht gezogen hat und somit unnötig den RD in Anspruch genommen hat.

141 wäre sinnvoller gewesen aber 144 darf nicht auf 141 downgraden, es ist nur ein Upgrade möglich.

Rechtlich/Faktisch ist die Sache ganz klar:

Belassung ohne Revers: Rettung verweigert den Transport/Rettung sieht keine Notwendigkeit = KK zahlt nicht aber Patient darf auch keine Rechnung bekommen. Der wäre ja mitgefahren, aber die Rettung wollte ihn nicht mitnehmen.

Belassung mit Revers: Patient verweigert den Transport/Rettung sieht die Notwendigkeit und lässt einen Revers unterschreiben = KK zahlt nicht aber der Patient muss die Rechnung bezahlen, aber auch nur dann, wenn er über die Kosten aufgeklärt wurde (steht aber in den Standardformularen eh drinnen, also muss er eigentlich immer zahlen - außer: Sprachbarriere und kein Dolmetsch dokumentiert!).

Rechtlich würde ich mir das anders wünschen, aber so ist das. Insbesondere die KK könnte ja mehr zahlen, wenn ein RTW nachschauen fährt und dann der ÄFD kommt erspart sich die Kasse wahrscheinlich sogar Geld im Vergleich zu einem Spitalsaufenthalt.

EDIT als P.S. In Wien mit der MA70 ist das ein bisschen anders, es ist in dem Sinn keine Rechnung sondern ein Gebührenbescheid (hatte ich vorher vergessen). Da ist die Regelung so, dass die Gebühr mit der Ausfahrt eines RTW entsteht. Dh auch in diesem Fall. Jetzt gibt es aber in der Judikatur einige Hinweise darauf, dass man „zivile“ Regeln auf dieses Kostenrecht übertragen könnte. Es erscheint nämlich kreativ, dass die Gemeinde das selbe Geld nimmt, egal ob ein Transport stattfindet oder ob ein Gemeindebediensteter eigenmächtig (aber der Gemeinde zurechenbar) entscheidet, dass „weniger“ geleistet wird.

In diesem Fall sehe ich das Fehlverhalten ganz klar bei der RTW Besatzung. Hohe Fieber über mehrere Tage (die Mutter wird ja nicht untätig geblieben sein - selbst wenns nur Hausmittel waren - die Wirken gut!) ist eine harte Indikation für weitere Hilfe. Wenn ich Gemeindebediensteter bin oder große Eier habe (Habe ja das Haftungsprivileg nicht) und mir zutraue ohne weitere Diagnostik auf die Ursache („eh nur Grippe“) zu kommen, da würde ich zumindest persönlich den ÄFD rufen. Keinesfalls kann man so einen Patienten zuhause lassen und der Mutter dann noch unfreundlich kommen. Das ist in einem Ausmaß unprofessionell, dass ich mir für diese Kollegen weitere Konsequenzen im Sinne eines schwarzen Punktes im Personalakt wünschen würde.

Wenn man sich schon berufen fühlt der große Aufklärer zu sein, dann kann man das auch freundlich und professionell machen. Alle diese „wegen sowas nicht anrufen“ Sprüche führen nur zu schlimmen Dingen. Es gibt nämlich soooo viele Gründe für hohes Fieber, bei den meisten Leute bleibt dann dann hängen „wegen Fieber nicht mehr anrufen“. Das kann man einfach nicht bringen!

Das ist in Wien so nicht ganz richtig, da gemäß Wiener Rettungs- und Krankentransportgesetz jede Inanspruchnahme des RDs der Stadt Wien gebührenpflichtig ist (Betrag wird jährlich neu festgesetzt und wird aus dem Defizit der MA berechnet), von einer Verrechnung wird lediglich abgesehen, wenn die Krankenkasse (den geringeren Kassentarif) zahlt.

Stimmt.

Mich würde die Untätigkeit nicht wundern… erleben wir ja jeden Tag.
Trotzdem gibt es meist einen Grund warum gerade jetzt die Rettung gerufen wird, auch wenn die Beschwerden schon seit irgendwann bestehen - da gilt es genau hinzusehen um nichts zu übersehen.

Im Artikel wird behauptet des Kind sei angeblich „dahinvegitiert, halluzinierte und konnte nicht mehr aufstehen“, das wären ja schon 3 Gründe für eine Rettung und eine Hospitalisierung. Dies wären für mich zumindest Anzeichen einer Dehydrierung, mit dem Erheben der Vitalwerte könnte man eventuell auch noch auf den Verdacht einer SIRS kommen, auch eine Sepsis wäre nicht auszuschließen.
Die Frage ist jedoch wurden hier tatsächlich keine Werte erhoben, ging es dem Kind wirklich so schlecht, … Dem Artikel nach wohl kaum, da die Eltern noch einen Tag warteten bevor sie ihn zu einem Arzt im KH brachten und dem Bericht nach anscheinend dort auch keine Aufnahme erfolgte.

Werde ich zu einem Kind gerufen, so ist mein Patient das Kind und nicht die Mutter oder sonst wer. Wenn die Mutter anscheinend nicht in der Lage ist, die richtigen Maßnahmen zu treffen - es also 3 Tage lang mit hohem Fieber liegen lässt, ohne Therapie und Arzt, dann liegt es eben an mir es ärztlicher Behandlung zuzuführen. Auch wenn es - entsprechend sorgsame Eltern vorausgesetzt - ohne RD und ohne KH ginge.
Ich würde das Geschehen - insbesondere auch die Beschreibung der Situation vor Ort aber ordentlich dokumentieren.

Zustimmung.

Sorry für den Edit in meinem Post.

Mit den Gebühren ist es eine andere Baustelle bei der MA70 - siehe oben!

Da haben wir uns überschnitten.

Ich glaube, es ist hier de facto unmöglich den ‚Bösewicht‘ in diesem konkreten Beispiel zu ermitteln, da die einzige Grundlage dieser Zeitungsartikel ist, welcher (soweit ich das jetzte verstanden habe) seine ‚Fakten‘ auch lediglich aus dritter Hand hat (anwesend zur Zeit des Einsatzes war lediglich die Mutter → die Beschwerde kommt allerdings von der Arbeitgeberin des Gatten, welcher ebenfalls zum genannten Zeitpunkt nicht zugegen war, also wer weiß, wie stark die Wahrheit hier durch zu viel stille Post bereits verzerrt wurde…). Es mag zwar stimmen, dass der Rettungsdienst zu großen Teilen zu Lappalien gerufen wird, die in den Augen von Sanitätern einen Rettungseinsatz nicht rechtfertigen würden, großteils begegnet man im Alltag in solchen Situationen auch wesentlich mehr Inkompetenz, als sich unsereins für möglich gehalten hätte, aber am Ende des Einsatzes sollte dennoch stets behauptet werden können, dass man in bestem Wissen und Gewissen alles in der eigenen Macht stehende getan hat, um dem Patienten zu helfen.

Wie bereits gesagt wurde, wäre es ziemlich fahrlässig seitens der Sanitäter, keinerlei Vitalparameter zu erheben bzw. sich ein genaues Bild des Pat. zu machen, denn ‚Fieber‘ allein ist ja keine Krankheit, sondern bekanntlich eine Reaktion des Organismus auf gewisse Anormalitäten. Aber wenn ich schon sehe, dass es dem Kind bereits seit mehreren Tagen aufgrund von Fieber schlecht geht und ich ohnehin schon in der Wohnung stehe, dann kann man ja wenigstens noch den Arbeitsaufwand aufbringen und zumindest den ÄFD zwecks Behandlung vor Ort in Kenntnis setzen bzw. gar zur Abklärung ins KH fahren, einfach fluchend in der Wohnung kehrt machen und Pat. samt scheinbar mit der Situation überforderter Mutter zu Hause allein zu lassen ist hier meines Erachtens nach keine Alternative. Das hinterlässt einfach einen unprofessionellen Eindruck und eine erhöhte Hemmschwelle, bei zukünftigen Notfällen zeitgerecht den RD zu verständigen. Aber wie bereits erwähnt, ohne den tatsächlichen Ablauf der Geschehnisse hundertprozentig zu kennen bleibt das ganze ohnehin Spekulation auf höchstem Niveau, ich würde mich auch nicht zu sehr auf die Richtigkeit des Zeitungsberichtes verlassen…

Ein typischer Krone-Artikel. Wie gut eine Zeitung tatsächlich ist erfährt man am Besten, wenn man Artikel über Themen ließt, die einem selbst sehr gut bekannt sind.
Es ist keine „gescheite“ Stellungnahme seitens der Wiener Rettung zu sehen, der Sachverhalt wird nur von einer Sicht wiedergegeben und der fachliche Hintergrund wird komplett ausgelassen (wie von RedTiger erwähnt: Zahlung der Krankenkasse nur für Transport). Anstatt auf die missliche Finanzsituation hinzuweisen, die gefühlt aus dem Jahr 1970 stammt, wird auf den erstbesten „Schuldigen“ mit dem Finger gezeigt: Der Wiener Rettung.
Keiner von uns kennt den Fall wirklich, und so lange nur so ein Schmierblattl darüber berichtet wird es kaum möglich sein sich eine objektive Meinung zu bilden.
Woher wissen die User denn, dass keine Vitalparameter erhoben wurden? Im Artikel steht davon nichts.

LG,
SanG

Was macht das für einen Sinn?
Ich geh mal davon aus, dass 144 und 141 in Wien, wie bei uns, in der selben LST landen.
Bei uns kommt es oft vor, dass 144 Anrufe an den HÄND gehen und andersrum.
Aber jetzt versteh ich, warum die Hälfte meiner N-KTW „Einsätze“ in Wien für mich eindeutige Hausarztvisiten sind :wink:

Edit:
Das Einsätze steht deswegen unter " weil ich in OÖ keinen meiner bisherigen Wiener „Einsätze“ wirklich Einsatzmäßig gefahren währe :laughing:
#wienistanders

144 Landes in Wien bei der Leitstelle der berufsrettung in der radetzkystraße, 141 Landes in der Leitstelle des ärztefunkdienstes in der safargasse.
141 darf einen Anruf sofort an 144 weiterleiten.
144 darf keinen Anruf an 141 weiterleiten.

Worin besteht der Sinn, zu 144 Anrufen, welche eindeutig HA-Visiten sind einen RTW/ (N)-KTW zu entsenden und den Pat. in eine überfüllte NA zu bringen und nicht an den ÄFD weiter zu vermitteln?

Der äfd darf auf die notfallrettung upgraden aber downgraden geht theoretisch nur wenn du hinfährst, der Patient ein Reverse unterschreibt und dann 141 anruft.

Revers brauchst ja ned. Ist eine reine Doku-Sache. Selber den ÄFD solltest halt rufen…

Es handelt sich um einen kroneartikel, dementsprechend kann ich mit 100% Sicherheit sagen, dass er reißerisch und übertrieben ist
Die ma70 sollt das aber nicht auf sich sitzen lassen, sondern klar stellen

Wenn ich hinfahre, dann muss ich transportieren es sei den der Patient unterschreibt einen Reverse.

Stimmt nicht. Warum auch. Wo steht das?

Ich nehme mir durchaus das Recht heraus Patienten zu belassen als „Zustand gebessert“ wenn ich das so empfinde und, ganz wichtig, der Patient nach Aufklärung auch so sieht… das ist dann aber kein revers, er verweigert ja keinen Transport den ich befürworte, da ich ihn nicht befürworte…

Mich schrecken bei der Geschichte die hohen Kosten

Ich glaube wir alle können sagen, dass das was für 141 gewesen wäre. Aber ich kann nachvollziehen das man nicht downgraden darf und weiterleiten an 141 - aber kann der disponent das am Telefon nicht den angehörigen gesagt werden, dass als erste Wahl vielleicht 141 hilfreicher wäre (auch für das Kind) und sie bitte dort anrufen sollen…
Dann können die Leute immer noch entscheiden was die wollen…

Dann nehme ich bitte den Notarzt und die Apfeltasche dazu.

Die Leute wissen nicht wie das Gesundheitssystem funktioniert und welche Möglichkeiten es gibt und wie sie heißen. Es ist selbst von den Bezeichnungen heterogen beim einen kommt der ÄFD beim anderen der Ärztenotdienst und das ist nur ein Beispiel.

Nebenbei möchte ich noch erwähnen, dass meiner Meinung nach bei einer AMPDS Abfrage mind ein 26C - kranke Person Bewusstseinstrübung rauskommen sollte (wenn die Angaben im Artikel stimmen und das auch so geschildert wurde). Dass dann ein RTW entsendet wird leuchtet hoffentlich ein. Ein Upgrade auf 141 wäre bei einer nicht auszuschließenden Lebensgefahr sehr hart bis fahrlässig.

Über den Rest der Behandlung und Vorgeschichte möchte ich nicht diskutieren, zu wenige Fakten, nur eine Sichtweise.

diese urban legend wird gerne erzählt.